Uwe Seeler
  • Damals war er noch ein kleiner Junge: Uwe Seeler (l.) mit seinen Freunden im Jahr 1946.
  • Foto: WITTERS

Der Hamburger Jung Uwe Seeler über seine „glückliche Kindheit“

Diese Nachricht erschüttert Hamburg und die ganze Sportwelt: HSV-Legende Uwe Seeler ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Er war ein Vorbild über Generationen hinweg. Seeler selbst hatte „eine glückliche Kindheit“, wie das Fußball-Idol einst rückblickend sagte. Der Weltstar wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf und hatte doch alles, was er brauchte.

Die Wohnung im Haus Nummer 16 im Schnelsener Weg (heißt jetzt Winzeldorfer Weg) in Eppendorf war klein, aber mit viel Liebe gefüllt: „Kaum zu glauben, dass da sechs Personen auf 50 Quadratmetern klarkamen.“

Seeler
Kleiner Mann wird mal ein ganz Großer: Uwe Seeler 1946 mit Jochen Meinke (SC Sperber, später auch HSV), Herbert Kühl (SC Victoria, später FC St. Pauli) und Willi Christoph in Eppendorf

Kulinarisch blieb es in der Nachkriegszeit simpel – aber lecker! Uwe: „Steckrüben galt als Essen armer Leute, aber mir hat’s dennoch geschmeckt. Ich esse sie heute noch gern. Weihnachten gab es sogar ab und zu Knackwürste, das war ein echtes Fest.“

Uwe Seeler
Uwe Seeler kläuft im HSV-Trikot die Alsterstaffel 1948

HSV-Idol Uwe Seeler wuchs in Hamburg-Eppendorf auf

In seiner Freizeit wollte der junge Uwe nur eines: Mit den Kumpels auf der Straße kicken! „Meine Schuhe waren durch den Dauereinsatz schnell kaputt. Deshalb habe ich sogar Schuhe meiner Mutter Anni oder meiner Schwester Purzel angezogen. Auch die habe ich kaputt gekriegt. Dafür gabs von Mama schon mal die Höchststrafe: Stubenarrest! Manchmal wurde auch der Kochlöffel rausgeholt. Wenn ich vom Bolzen kam, sah ich aus, als hätte ich bei den Kohlen gearbeitet.“

Vater „Old Erwin“ Seeler, der auch erfolgreich für den HSV gespielt hat, musste täglich um vier Uhr raus, hat im Hafen als Stauer- und Ewerführer gearbeitet. Sohn Uwe erinnert sich: „Nicht selten hat er zwei bis drei Schichten hintereinander geschuftet, um uns alle zu ernähren. Ich bin als kleiner Junge gern mit auf seinen Schiffen gefahren. Er war immer ein liebenswürdiger Vater.”

Erwin Seeler
Vater und Sohn 1981: Erwin und Uwe Seeler, die beide für den HSV gespielt haben.

Vater Erwin Seeler ernährte die Familie als Hafenarbeiter

Seeler weiter: „Meine Mutter Anni war die Seele der Familie. Beide haben alles, auch in schwierigsten Zeiten, für uns Kinder getan. Ich bin froh, dass mein Elternhaus nicht mit Geld, sondern mit viel Liebe gesegnet war. Wenn man genug Zaster hat, ist man doch noch längst kein besonderer Mensch. Vadder gab mir schon früh mit auf den Weg: ‚Geld ist nicht alles im Leben.‘ Und: ‚Neid und Missgunst sind schlechte Eigenschaften.‘ Diese Sätze haben mein Leben stark geprägt.“

Irmgard Holzhauer war in der Volksschule Martinistraße die Klassenlehrerin. Sie erinnert sich an den jungen Uwe: „Ich hatte die Klasse von 1946 bis 1948. Es waren bis zu 45 Jungs, ein Drittel von ihnen konnte wegen des Krieges nicht lesen und schreiben. Aber es hat mir Spaß gemacht, zu unterrichten. Denn alle waren sehr lernwillig. Uwe war ruhig, aber immer sehr aufmerksam. Und: Er hatte schon als Kind nicht den Drang, sich zu profilieren.“ Klingt nach typisch Uwe Seeler!

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