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Die Mannschaft des HSV Hamburg bedankt sich bei den Fans
  • Die Mannschaft des HSV Hamburg bedankt sich bei den Fans.
  • Foto: Imago

Allerletzter Heimsieg? Hamburgs Handballer jubeln und zittern – jetzt Lizenz-Showdown

Gutes Omen? Oder letztes Hurra? Mit einem Sieg im Rücken gehen Hamburgs Handballer in den Showdown um die Lizenz am Donnerstag. Am Abend vor dem Existenzkampf des Vereins vor dem Schiedsgericht gewann der Tabellenneunte das letzte Heimspiel der Saison gegen den ThSV Eisenach souverän mit 33:28 (19:13). Ein Sieg, der höher hätte ausfallen können, aber gefeiert wurde. Spieler, Trainer, Verantwortliche sowie die vielen Fans hoffen, dass es nicht das letzte Heimspiel des sportlich in der stärksten Liga der Welt absolut etablierten Klubs überhaupt war. Der Ausgang ist völlig offen.

Die Spieler umarmten sich nach der Schlusssirene und bedankten sich dann mit einer Ehrenrunde bei ihren Fans für die Unterstützung in dieser Saison. Trainer Torsten Jansen hatte es sehr eilig, erst einmal in die Kabine zu verschwinden. „Es ist ein sehr emotionaler Abend für uns alle“, sagte sein Co-Trainer Blazenko Lackovic. Das lag auch an den vielen Spieler-Verabschiedungen nach dem Spiel. Und ein extremer Tag steht dem gesamten HSVH bevor.

HSV Hamburg siegt, Weller „stolz auf die Mannschaft“

„Es war uns wichtig, uns von unseren Fans nach den letzten beiden Niederlagen mit einem Sieg zu verabschieden – nichtsdestotrotz schwebt natürlich dieses Lizenzthema über allem“, sagte Rückraumspieler Leif Tissier, der mit acht Toren überragte. „Wir müssen uns nichts vormachen: im Sommer kann alles vorbei sein. Aber wir hoffen natürlich alles, dass es weitergeht.“

Keeper-Riese Johannes Bitter sprach von einem „würdigen Abschluss zu Hause“. Was die Lizenz angehe, könne die Mannschaft ihr Schicksal „nicht beeinflussen“. Kapitän Niklas Weller betonte: „Wir haben allen nochmal gezeigt, dass wir hier geilen Handball spielen. Ich bin stolz auf die Mannschaft, dass wir das so hingekriegt haben heute.“

Bitter und Weller werden Teil der HSVH-Delegation sein, die beim Schiedsgerichtsverfahren vor Ort ist.

Schiedsgericht fällt in Hannover Urteil über die Lizenz

Der Showdown um die Lizenz steigt an diesem Donnerstag nach jüngsten Informationen bereits um 11 Uhr (statt zuvor 11.30 Uhr) im Maritim-Hotel am Flughafen Hannover. Dann wird das dreiköpfige Schiedsgericht darüber entscheiden, ob der Entzug der Lizenz des HSVH durch den Ligaverband HBL aufgrund der zu spät erfüllten Bedingung (die Überweisung der geforderten vier Millionen Euro hatte eine Stunde zu spät nachgewiesen werden können) Bestand hat. Oder das Gremium votiert, dass die Sanktion zu hart ist und die Hamburger doch noch die Spielgenehmigung für die kommende Erstliga-Spielzeit bekommen. Es gilt der Mehrheitsentscheid.

Beim HSVH, der am Montag auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung einen neuen Aufsichtsrat hatte wählen lassen, ist man zuversichtlich, glaubt an seine Argumente und Dokumente. Doch die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass alles möglich ist und nur schwer berechenbar.

HSVH dominiert Eisenach ohne verletzten Mortensen

Zum Spiel: Ohne Toptorjäger Casper Mortensen (Achillessehnenprobleme) hatten die Gastgeber vor 3669 Zuschauenden in der Sporthalle Hamburg eine hochmotivierte und konzentrierte Leistung gezeigt. Der Wille, die letzte Vorstellung dieser Saison vor heimischer Kulisse überzeugend zu gewinnen und dabei zu begeistern, war in jedem Moment sichtbar. Nach 20 Minuten stand es 15:10.

Besonders stark: Tissier, der zu diesem Zeitpunkt bereits fünf seiner acht Tore auf dem Konto hatte. Nur Eisenachs Topscorer Manuel Zehnder bekamen die Hamburger nicht in den Griff. Der Führende der Liga-Torschützenliste erzielte zwölf Treffer.

Nach der Pause mehrten sich die technischen Fehler, aber der HSVH baute seinen Vorsprung unter dem Jubel des Publikums zunächst weiter aus (27:18/ 43.). Die Abwehr stand gut, dahinter lieferte Keeper-Riese Johannes Bitter immer wieder Paraden (insgesamt sieben bis zur 46. Minute) und die Angriffe wurden zumeist konsequent abgeschlossen, wenngleich in der Schlussphase die Konzentration flöten ging und die Schiedsrichter mehrfach keinen Durchblick hatten. Das Endergebnis täuscht über die wahre Überlegenheit hinweg.

Baijens, Vortmann, Bergemann und Co. verabschiedet

Schön: In der letzten Viertelstunde stand Jens Vortmann im Tor, der seine Karriere nach dem letzten Saisonspiel am Sonntag in Balingen beenden wird. Zuvor war er für zwei Siebenmeter ins Spiel gekommen – und hatte beide gehalten und die Fans von den Sitzen gerissen.

Nach dem Spiel wurden gleich acht Spieler feierlich verabschiedet. Spielmacher-Turbo Dani Baijens (wechselt zu Paris Saint-Germain), Torwart Vortmann (Karriereende nach 19 Jahren), Urgestein Thies Bergemann (sechs Jahre beim HSVH), die beiden aufgrund großer Personalnot im Winter für die Rückrunde verpflichteten Dino Corak und Martin Risom sowie die Nachwuchsspieler Alexander Pinski, Max Niemann und Lennard Benkendorf (wechseln alle drei zum TSV Ellerbek).

Leif Tissier überragend und bester Torschütze

Wie nach jedem letzten Heimspiel einer Saison stieg auch diesmal in der Halle die große Fanparty mit der Mannschaft und 200 Litern Freibier. Und alle Anwesenden hoffen (und manche dürften auch beten), dass es nicht die letzte Feier dieser Art war. Am Donnerstag fällt endlich die Entscheidung. „Es ist gut“, sagt Jansen, „dass es endlich Klarheit gibt.“

Tore HSVH: Tissier (8), Baijens (6), Ilic (5), Weller (5), Andersen (4/2), Lassen (2), Hartwig (2), Valiullin (1)

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