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Plakate zur Unterstützung des HSVH im Kampf um die Lizenz
  • Rückendeckung: Die Fans des HSVH zeigten ihrem Team beim letzten Heimspiel und am Tag vor der Verhandlung ihre Unterstützung.
  • Foto: Imago

„Alle haben Herzklopfen“: Lizenz-Showdown der Hamburger Handballer beginnt!

Es ist ein Tag, der zu den härtesten und schwersten im Leben der Hamburger Handballer gehören dürfte. An diesem Donnerstag entscheidet das Schiedsgericht der Handball-Bundesliga (HBL), ob der HSVH nach zu spät nachgewiesener Liquidität doch noch die Lizenz für die kommende Saison bekommt, oder der Entzug der Spielberechtigung bestehen bleibt – wahrscheinlich gleichbedeutend mit dem K.o. für den gesamten Verein. Es geht in der Verhandlung im Saal „Herrenhausen“ im Maritim-Hotel am Flughafen Hannover um nichts weniger als die Existenz des Klubs, der Mitarbeitenden, Trainer und Spieler. Die Gemütslage vor dem Lizenz-Showdown: maximal emotional. Zwischen Hoffen und Bangen, Zuversicht, Zweifeln und auch Angst. Zwei Spieler gehören seit Wochen zum Lizenz-Kampf-Team, sind in Hannover sogar mit dabei.

Die Ungewissheit ist das Schlimmste. War das letzte Heimspiel dieser Saison auch das allerletzte dieser Mannschaft und dieses Vereins in eigener Halle? Diese völlig offene Frage schwebte über allem am Mittwochabend, wie ein Schatten – über dem Spiel gegen Eisenach, das der Tabellenneunte mit 33:29 gewann. Über der Verabschiedung von acht Spielern, die den Klub am Saisonende verlassen. Über der anschließenden Fan-Party, die traditionell nach jedem letzten Heimspiel einer Saison steigt, aber diesmal die letzte überhaupt gewesen sein könnte.

Lizenz des HSVH: Schiedsgerichtsverfahren beginnt

„Ich versuche, mich da emotional ein bisschen abzuschotten“, sagt der nach Hannover mitgereiste Keeper-Riese Johannes Bitter ganz offen. „Es gibt Tage, da denkt man, es kann nicht schiefgehen. Aber man kann es ja auch nicht beeinflussen. Es ist ein ganz schwieriges Thema für uns alle. Wir haben so viele Tage darauf hingearbeitet und gewartet, dass es losgeht. Jetzt ist es soweit. Natürlich haben wir alle Herzklopfen – aber wir sind frohen Mutes, dass man versteht und akzeptiert, dass es verhältnismäßig wäre, diesen Standort nicht zu killen.“

Seine Hoffnung für das Schiedsgerichtstermin? „Wir hoffen auf ein faires Urteil“, sagt Bitter. „Und dass es fair ist, kann eigentlich nur bedeuten, dass wir irgendwie die Chance bekommen, hier weiterzumachen.“

Johannes Bitter hofft auf ein „faires Urteil“

Ab elf Uhr fanden sich die Beteiligten in Hannover ein, gegen 11.30 Uhr beginnt die Verhandlung im Saal „Herrenhausen“. Das dreiköpfige Schiedsgericht besteht aus dem Vorsitzenden Richter, dem Bochumer Sportrechtler Christof Wieschemann, dem vom HSVH vorgeschlagenen Anwalt Prof. Dr. Rainer Tarek Cherkeh sowie dem von der HBL entsandten Rechtsanwalt Michael Kintrup, ein Ex-Profi (Nordhorn, Balingen) aus Hamburg. Beim Urteil gilt der Mehrheitsentscheid (2:1 Stimmen). Die Entscheidung ist bindend und die letzte Instanz.

Sollte der HSVH doch die Lizenz erhalten, müsste der Bergische HC als Tabellen-17. absteigen. Der BHC könnte zwar in diesem Fall ebenso wie der HSVH im Falle des Lizenz-Entzugs noch vor ein ziviles Gericht ziehen. Aber die Aussichten, noch etwas an der Lizenz-Entscheidung des Schiedsgerichtes zu ändern, werden als sehr gering eingeschätzt.

Der HSVH ist in Hannover mit den Rechtsanwälten André van de Velde, zugleich Aufsichtsrat des Vereins, und Helge-Olaf Käding bei der nicht öffentlichen Verhandlung dabei. Auch die Spieler Bitter und Kapitän Niklas Weller, im Zweitberuf Jurist, gehören zum Hamburger Team, das vor Ort im Hotel ist. Geschäftsführer Sebastian Frecke wiederum ist als Zeuge geladen.

Niklas Weller und Bitter in Lizenz-Kampf involviert

Die Anspannung und Nervosität war allen Hamburger Beteiligten kurz vor Verhandlungsstart anzumerken.

Spannend: Bitter und Weller haben in den letzten Wochen intensiv beim Kampf um die Lizenz und der Ausarbeitung der Strategie fürs Schiedsgerichtsverfahren und dem Zusammentragen von Informationen mitgearbeitet, wie Weller verrät.

„Wir haben ein gutes Team gebildet mit den beiden Anwälten – mit Jogi und mir im Hintergrund, was Themen im Verein und Kommunikation angeht“, so der Kreisläufer, der mit seiner juristischen Expertise auch nochmal am Ende über alle Unterlagen geschaut hat, wie er erzählt. „Wir vertrauen zu hundert Prozent auf André und auf Helge.“

Beim HSVH ist man zuversichtlich, dass die ausgearbeitete Strategie Erfolg haben kann, die Argumente und Dokumente überzeugen. Weller: „Wir haben alles in die Vorbereitung auf dieses Verfahren reingesteckt, alles rausgeholt, sodass wir uns da nichts vorwerfen können im Nachhinein. Wir haben alles getan, was in unserer Macht stand, um diese Sache vorzubereiten. Wir werden wir die Entscheidung dann auch akzeptieren.“

Verspätete Millionen: Wie entscheidet das Schiedsgericht?

Die Spieler und auch die meisten Verantwortlichen des HSVH werden in Hamburg mitfiebern. In kleineren Gruppen, allein. Mit der Familie. Hoffen und bangen. Seit Tagen und Wochen, nachdem die HBL dem HSVH zunächst die Lizenz erteilt hatte, aber nur unter der Bedingung, eine errechnete Liquiditätslücke im siebenstelligen Bereich gesichert und in kurzer Zeit zu schließen. Die 4,1 Millionen Euro, die der Hamburger Investor und Finanzprofi Philipp J. Müller bereitstellte und überwies, landeten bekanntlich eine Stunde zu spät nachweisbar auf dem Konto des Vereins – was die Liga zum Entzug der Lizenz veranlasste.

„Es ist eine brutal schwierige Situation, die alles überlagert“, sagt Rückraumspieler Leif Tissier zur MOPO. „Es hilft, mit der Familie und den engsten Freunden zu sprechen. Wir wissen: Es kann im Sommer vorbei sein – und jeder Vertrag ist dann ungültig. Das ist natürlich hart.“

Das Team hat sich Zuversicht verordnet, um auch die letzten Spiele der Saison gut über die Bühne zu bringen, was mit den Klatschen gegen Flensburg und Leipzig überhaupt nicht gelang, gegen Eisenach aber schon. Im Saisonfinale am Sonntag in Balingen soll ein weiterer Sieg her.

Mannschaft des HSV Hamburg trifft sich nach Urteil

„Wir haben uns als Mannschaft immer gesagt, dass wir da positiv reingehen müssen allesamt, auch wenn es unterbewusst ist“, so Tissier. „Wir glauben daran, dass es weitergeht. Darum ist die Stimmung in der Mannschaft für die schwierigen Umstände wirklich überragend. Dementsprechend bin ich guter Dinge.“

Was schon feststeht: „Die Mannschaft wird sich geschlossen am Abend nach der Verhandlung treffen“, sagt Weller und betont: „Unabhängig, wie das ausgeht. Aber wir hoffen, dass die Entscheidung dann positiv ausgefallen ist. Und selbst, wenn nicht, ist es dann etwas, dass die Mannschaft auch auszeichnet: dass wir solche Situationen zusammen bewältigen wollen und jeder den anderen unterstützt.“

Rückraum-Turbo Dani Baijens hat keine Existenzsorgen. Sein Wechsel zum europäischen Topklub Paris Saint-Germain steht schon lange fest. Dennoch bangt und zittert auch er: „Ich drücke den Jungs so fest die Daumen. Diese geile Mannschaft hat das einfach verdient, dass sie weiterspielen darf.“

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