„Wahnsinn“: Ex-HSV-Talent (18) verschuldet Gegentor – und rettet Werder einen Punkt
Bayer 04 Leverkusen steckt schon zu Beginn der neuen Bundesliga-Saison in einer Krise. Der völlig neu formierte Ex-Meister verspielte beim 3:3 (2:1) bei Werder Bremen sogar in Überzahl noch eine 3:1-Führung. Der erst 18-jährige Werder-Verteidiger Karim Coulibaly, der einst in der Jugend von Barmbek-Uhlenhorst spielte und vor einem Jahr vom HSV zum Nord-Rivalen wechselte, traf in der vierten Minute der Nachspielzeit zum viel umjubelten Ausgleich für den stark ersatzgeschwächten Außenseiter. Eine Woche nach der Auftaktniederlage gegen Hoffenheim ist der Leverkusener Fehlstart damit perfekt.
Das 1:0 für Bayer erzielte Patrick Schick schon in der fünften Minute. Der Torjäger aus Tschechien ist einer der wenigen Schlüsselspieler der Meisterelf von 2024, die den Klub in diesem Sommer nicht verlassen haben. Zum 2:0 (35.) traf Malik Tillman in seinem ersten Pflichtspiel für die Werkself. Der US-Nationalspieler wurde bei Bayern München ausgebildet und für 35 Millionen Euro vom niederländischen Meister PSV Eindhoven verpflichtet.
Der Einsatz des Videobeweises bescherte Werder einen Foulelfmeter, den Romano Schmid kurz vor der Pause zum 1:2 (44.) verwandelte. In der zweiten Halbzeit traf dann erneut Schick (64.) per Strafstoß für Leverkusen. Werders Abwehrchef Niklas Stark hatte zuvor Christian Kofane gefoult und sah dafür Gelb-Rot (63.). Dass die ersatzgeschwächten Bremer dieses Spiel selbst in Unterzahl noch ausglichen, zeigt die fehlende Stabilität des neu formierten Leverkusener Gebildes. Der Schweizer Isaac Schmidt (76.) nutzte nur wenige Tage nach seiner Verpflichtung einen Fehler des neuen Bayer-Torwarts Mark Flekken. Der Ausgleich fiel per Abstauber nach einem Lattenkopfball von Senne Lynen.
Hincapié verabschiedet sich von den Leverkusen-Fans
Unter dem Strich war Bayer spielerisch besser, ohne dabei zu glänzen oder eine klare Spielidee zu offenbaren. Anfangs abwartend, später dominant, am Ende wackelig: Wofür dieses Team stehen soll, ist noch nicht zu erkennen. Die auch nach drei Pflichtspielen weiter sieglosen Bremer glichen mit viel Einsatz und Moral die vielen Ausfälle, Kaderlücken und am Ende sogar die Unterzahl aus. 42.100 Zuschauer sahen das Duell der beiden Bundesliga-Teams, die in diesem Sommer wohl am gegensätzlichsten auf dem Transfermarkt agieren. Leverkusen hat bereits zwölf neue Spieler verpflichtet und elf abgegeben, ist mit dem großen Kaderumbau aber immer noch nicht fertig.
Piero Hincapié soll noch an diesem Wochenende zum FC Arsenal wechseln. Der Abwehrspieler aus Ecuador saß im Weserstadion nur auf der Bank. Dafür stehen mit dem Marokkaner Eliesse Ben Seghir (AS Monaco) für das offensive und dem Argentinier Ezequiel Fernandez (Al-Qadsisiya) für das defensive Mittelfeld zwei weitere Neuzugänge vor der Vertragsunterschrift. Hincapié verabschiedete sich nach dem Spiel von den mitgereisten Leverkusener Fans.
Werder Bremen befindet sich im Transfer-Teufelskreis
Werder dagegen wirkt wie in einem Teufelskreis aus Verletzungsproblemen und Transferstau gefangen. Der dringend benötigte neue Stürmer und eine Alternative für das Mittelfeld sind auch zwei Tage vor dem Ende der Wechselfrist noch nicht da. Der neue Trainer Horst Steffen setzte deshalb bei seinem Bundesliga-Heimdebüt auf den 18-jährigen Coulibaly in der Innenverteidigung und den 18-jährigen Patrice Covic im Mittelfeldzentrum. Welches Risiko er damit einging, war schon früh zu sehen. Bevor er später zum gefeierten Torschützen wurde, führte ein Fehlpass von Coulibaly zum 0:1.

Dass Steffen den Verteidiger trotz dieses Fehlers und einiger weiterer Unsicherheiten nicht vom Platz nahm, zahlte sich aus. „Ich vertraue den Jungs und das spiegel ich auch immer wieder“, sagte Steffen nach dem Spiel. „Dementsprechend, ist es dann auch eine Wahnsinns-Geschichte, dass er dann auch in der Nachspielzeit jubelt und das Ding selber rein macht“, freute er sich für das Talent. „Man muss immer weiter machen in der Bundesliga“, sagte auch Sky-Experte und Ex-HSV-Trainer Mirko Slomka. „Es ist so wichtig für den Jungen, dass er so zurückgekehrt ist.“
Leverkusens Flekken macht keine gute Figur
Abgesehen von zwei Schüssen von Justin Njinmah (14.) und Aushilfs-Mittelstürmer Marco Grüll (18.) kam Werder kaum einmal zu Chancen. Turbulent wurde es erst in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Zunächst traf Leverkusens Christian Kofane nach dem nächsten Coulibaly-Fehler nur die Latte (45.+1). Danach hatte der Österreicher Grüll sogar noch zwei gute Möglichkeiten (45.+7/45.+8). Nach der Pause wurde der Leverkusener Druck zunächst immer größer. Lange Zeit konnte Werder dem weder spielerisch noch durch irgendeinen Impuls von der Ersatzbank etwas entgegensetzen.
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Zurück ins Spiel holte die Bremer der Leverkusener Torwart. Wie aus dem Nichts ermöglichte der Niederländer Flekken dem glücklosen Grüll zunächst eine erste große Chance (68.). Dann patzte er vor dem 2:3 und leitete damit die am Ende nicht mehr für möglich gehaltene Werder-Wende ein. Nach dem 3:3 durch Coulibaly stand das Weserstadion Kopf. (dpa/pmk/hen)
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