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Aaron Opoku (r.) erhält Beistand von Teamkollege Lukas Gugganig
  • HSV-Leihgabe Aaron Opoku wurde beim Spiel gegen den MSV Duisburg rassistisch beleidigt.
  • Foto: imago/Team 2

Abbruch nach Affenlauten: HSV-Leihgabe Opoku weinte – Fan (55) angezeigt

Eklat in der Dritten Liga. Ein rassistischer Vorfall gegen den vom HSV an den VfL Osnabrück verliehenen Aaron Opoku führt zum Abbruch der Partie in Duisburg. Nicht nur der betroffene Osnabrücker Profi ist geschockt und erfährt Solidarität. Die Polizei befragt einen verdächtigen Fan, der DFB-Kontrollausschuss ermittelt. Zudem gibt VfL-Torwarttrainer Rolf Meyer Einblicke ins Seelenleben des zutiefst betroffenen Opoku.

Gemeinsam mit dem geschockten Aaron Opoku gingen die Spieler des VfL Osnabrück und des MSV Duisburg nach dem Vorfall geschlossen vom Platz. Die Fans beider Klubs stimmten wenig später „Nazis raus“-Rufe an, die Stadionregie spielte den Antifaschismus-Song „Schrei nach Liebe“. Ein Rassismuseklat hat an diesem denkwürdigen Sonntagnachmittag erstmals in den höchsten drei deutschen Fußballligen zu einem Spielabbruch geführt. „Wir dürfen das im Fußball und in der Gesellschaft nicht akzeptieren“, sagte VfL-Geschäftsführer Michael Welling bei Magenta TV.

3. Liga: Solidarität mit HSV-Leihgabe Aaron Opoku nach Rassismus-Skandal

Die Duisburger Polizei erstattete wegen der Beleidigung Anzeige gegen einen tatverdächtigen 55-Jährigen, der ihren Angaben zufolge ebenso wie Zeugen noch am Sonntag befragt wurde. Der Kontrollausschuss des DFB wird in dem Vorfall ermitteln, auch Forderungen nach schnellen strafrechtlichen Konsequenzen gibt es bereits, ebenso Solidarität mit dem vom HSV nach Osnabrück ausgeliehenen Opoku.

VfL Osnabrück: „Müssen reagieren, wenn so etwas passiert“

Nach gut einer halben Stunde war Opoku (22) beim Stand von 0:0 Richtung Eckfahne gelaufen, da „wurden Affenlaute von der Tribüne gerufen“, berichtete Schiedsrichter Nicolas Winter, der die Partie daraufhin in der 33. Minute zunächst unterbrach. Nach Beratungen im Kabinentrakt folgte der Abbruch. „Es kann nicht sein, dass wir immer nur Parolen formulieren, dass wir Sprüche auf T-Shirts kleben. Wir müssen reagieren, wenn so etwas passiert“, sagte Welling.

DFB-Vize Rainer Koch froh über Reaktion der Fans

Der oder die Täter müssten umfänglich zur Rechenschaft gezogen werden, forderte DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Rassisten hätten in deutschen Stadien nichts verloren. „Ich bin froh, dass der Schiedsrichter, die Verantwortlichen beider Vereine und die überragende Mehrheit der Zuschauer im Stadion dies unmissverständlich zum Ausdruck gebracht haben“, sagte Koch.

Rassismus: Auch Duisburgs Leroy Kwadwo betroffen?

Die Anfeindungen galten womöglich auch dem Duisburger Abwehrspieler Leroy Kwadwo, das ging aus Wellings Ausführungen hervor. Der 25-Jährige war gemeinsam mit weiteren Spielern zur Unterstützung zur Eckfahne geeilt. „Aaron ist tatsächlich sehr, sehr fertig und nicht mehr in der Lage zu spielen“, sagte Welling. „Das war mit ein Grund, dass wir gesagt haben, dann treten wir nicht mehr an. Egal, was das sportrechtlich für uns möglicherweise für Konsequenzen hat, um zu dokumentieren, dass wir das als Verein nicht akzeptieren.“

MSV Duisburg: Beschuldigter Fan bereits identifiziert

Über das weitere Vorgehen wird der DFB entscheiden, dessen Regularien „bei diskriminierenden Vorfällen jeglicher Form“ einen Drei-Stufen-Plan vorsehen. Der Spielabbruch ist Stufe drei. Winter äußerte, Opoku und der Schiedsrichterassistent hätten die Affenlaute sofort wahrgenommen. „Das ist etwas, wo wir sehr sensibel sind und auch direkt reagieren. Ich habe versucht, mich direkt um ihn zu kümmern und habe gesehen, wie schockiert er war“, sagte Winter. Der Referee kündigte einen Sonderbericht an: „Erst einmal sind wir alle geschockt, weil das ist einfach in eh schon schwierigen Zeiten ganz traumatisch.“


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Laut MSV-Sprecher Martin Haltermann konnte der beschuldigte Fan mit Hilfe weiterer Zuschauer schnell identifiziert werden: „Der VfL Osnabrück – und das ist mehr als nachvollziehbar – kann nicht mehr antreten, der Junge ist fix und alle, die ganze Mannschaft ist fertig, wir sind es ehrlicherweise auch nach diesem unfassbaren Vorfall.

Reaktionen der Politik: „Volle Härte der Justiz“

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hofft auf „die volle Härte der Justiz“ für den Täter. Er lobte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ die Reaktionen auf den Vorfall im Duisburger Stadion als „großartige und solidarische Reaktion der Zuschauer und der beiden Mannschaften, die gesagt haben, wir spielen nicht weiter“. Die Osnabrücker Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) unterstrich: „Auch im Sport dürfen wir keinen Rassismus dulden. Das ist wichtiger als jedes Ergebnis.“

Klubs einig: VfL und MSV favorisieren Widerholungsspiel

VfL-Geschäftsführer Welling äußerte: „Wir müssen auch dankbar sein, für viele Fans des MSV, die so reagiert haben, wie sie reagiert haben. Der MSV hat durch seine Fans den Täter oder die Täterin identifiziert.“ Er sei sich mit den „Duisburger Kollegen einig, dass es uns am liebsten wäre, es gibt ein Wiederholungsspiel“, kommentierte Welling. Über die Wertung der Partie werde zu einem späteren Zeitpunkt das DFB-Sportgericht befinden, hieß es in einer Mitteilung des Verbandes am Sonntagabend.

Der 1. FC Köln dankte vor seinem Spiel gegen den VfB Stuttgart beiden Klubs für den Abbruch. Dazu stellten die Kölner bei Twitter ein Foto ihres Stürmers Anthony Modeste, der applaudiert. Der Stürmer hatte Ende November beleidigende Posts gegen sich aus den sozialen Medien öffentlich gemacht.

„Glaube, er weinte“: VfL-Torwartcoach Rolf Meyer gibt emotionale Einblicke

Gegenüber Sport1 gab Osnabrücks Torwart-Trainer Rolf Meyer nach dem Spiel Einblicke in das Seelenleben der HSV-Leihgabe: „Aaron rannte sofort über den Platz und in die Kabine, da war uns klar, was passiert war. Ich bin schnell hinterher.“ Dort habe er Opoku völlig aufgelöst aufgefunden: „Er saß in der Kabine und ich glaube, er weinte. Es war furchtbar. Er hat gar kein Wort mehr gesagt. Nach einigen Minuten meinte er nur ‚Ich gehe da nicht mehr raus‘. Das hat ihn natürlich sehr betroffen gemacht und uns auch. Es war keine schöne Situation.“

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Die gute Nachricht: „Aaron geht es schon wieder besser.“ Man könne „ihm nur sagen, dass es ein einzelner Idiot war. Solche Personen wird es immer wieder geben. Davor werden wir nicht gefeit sein. Doch das gehört nirgendwohin.“ Von der Entscheidung, das Spiel nicht mehr fortzusetzen, erhofft sich Meyer derweil eine Signalwirkung: „Ich hoffe, dass das ein Zeichen war, damit die Idioten aufwachen. Das gehört nicht ins Stadion. Wenn ich eine Eintrittskarte erwerbe, erwerbe ich damit nicht das Recht, Spieler zu beschimpfen oder zu beleidigen. Emotionen gehören zum Fußball, aber es gibt Grenzen.“ (kk/dpa)

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