Fans müssen leider draußen bleiben: Die Fortsetzung der Saison ohne Zuschauer (wie hier in Gladbach) ist wohl gesichert.
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  • Foto: WITTERS

Bundesliga-Neustart: Kommentar: Freibrief für den Fußball – aber nicht von den Fans!

Sie dürfen also wieder. Heute wird die Politik Grünes Licht geben für die Wiederaufnahme der Fußball-Bundesliga, alles andere wäre eine Sensation. Doch in den zurückliegenden zwei Monaten hatte die abgehobene Welt der kickenden Zunft die große Chance, sich dem Erdboden und damit dem Stadionbesucher, dem Fan, dem Normalbürger wieder anzunähern. Stattdessen aber entlarvte sich schillernde, schwer kapitalistische Blase als eine eben solche. Und sogar der leidenschaftlichste Liebhaber dieser Sportart wünscht sich inzwischen insgeheim, dass es den großen Knall gibt. Von Vorfreude keine Spur.

Mit blumigen Worten und reumütig gebückt hatte manch Funktionär in den vergangenen Wochen um Verständnis bei der Bevölkerung geworben und Demut auf der eigenen Seite eingefordert. So ehrrührig sich die Beiträge auch lasen bzw. anhörten, es fehlte von Beginn an der Glaube an die Ernsthaftigkeit der Aussagen. Und es dauerte nicht lang, ehe man in seinen Zweifeln bestätigt wurde.

Keine Transparenz bei den Corona-Tests

Dass die DFL anordnete, eventuelle positive Fälle der Corona-Tests nicht der Öffentlichkeit preiszugeben, gleichwohl genau diese ob der tiefgreifenden Beschneidungen der eigenen Freiheit derzeit das Recht auf Information hat, zeigte schon: Es gibt schlicht keinerlei Bereitschaft, sich vom hohen Ross herab zu begeben. Und als Kirsche aufs Sahnehäubchen gab’s dann noch das Skandal-Video von Herthas Salomon Kalou.

Kalous Video gab Einblick in den Alltag

Niemand sollte sich der Illusion hingeben, die Bilder aus Berlin würden eine außergewöhnliche Situation darstellen. Auch andernorts, dafür braucht es nicht viel Fantasie, wird so etwas wie das Wedeln mit Gehaltschecks, das Unverständnis über Gehaltseinbußen und die völlige Ignoranz aller Corona-Regeln zum alltäglichen Kabinendasein gehören. Kalous Suspendierung war alternativlos, seine anschließende Entschuldigung dem Druck der Öffentlichkeit geschuldet und nicht ernst zu nehmen.

Schwere Zeiten für Profis mit eigener Meinung

Natürlich darf man längst nicht alle Profis über einen Kamm scheren. Natürlich wird nicht überall in Hauptstadt-Dimensionen gezahlt. Natürlich gibt es Spieler, die sich Gedanken machen. Oder gar Sorgen. Dass die aber wenig bis nichts zu melden haben und im Zweifelsfall lieber mundtot gemacht werden, zeigten die Vorfälle beim 1. FC Köln.

Würdeloser Umgang mit Kölns Birger Verstraete

Dort hatte sich bekanntlich der Belgier Birger Verstraete in einem Medium seiner Heimat geäußert, ihm stehe der Sinn nicht nach Fußball, vielmehr umtrieben ihn Gedanken um seine Freundin, die ob einer Vorerkrankung zur Risiko-Gruppe gehörte. Was danach passierte, war für Verstraete entwürdigend und ein weiterer Beweis dafür, wie die Welt da draußen bisweilen von den Klubs und ihren Medienabteilung für dumm verkauft wird. Von Übersetzungsfehlern war die Rede, unglücklichem Ausdrücken, der Spieler musste sich sogar entschuldigen. Ein elendes Schmierentheater!

Kontrollwahn diktiert Öffentlichkeitsarbeit der Vereine

Aber eben auch repräsentativ für die restriktive, von völligem Kontrollwahn gesteuerte Öffentlichkeitsarbeit in der Fußball-Welt. Das totale Gleichschalten der Aussagen, die inflationäre Phrasendrescherei, das Verhindern von Typen hat seinen Anteil am Niedergang des Berufsstand-Bildes. Wenn niemand was zu sagen hat, hört irgendwann auch keiner mehr zu.

Fragwürdiges Verhalten während der Corona-Krise

Aber wen interessiert das schon? Wen kümmert es, dass Vereine ankündigen, mit zweistelligen Millionenbeträgen auf dem Transfermarkt um sich werfen zu wollen, während die halbe Nation in Kurzarbeit oder insolvent geht? Wer will denn wissen, ob manch ein Verein schon vor Wochen gegen Trainingsauflagen verstoßen hat, als sich auf dem Bürgersteig nahezu alle an die 1,5 Meter Abstand hielten? Niemand!

Niemand? Wirklich?

König Fußball verliert seine Gefolgschaft

Sie verlassen sich auf die Abermillionen Pay-TV-Zahler. Auf die treuen Anhänger, die ja schließlich immer ins Stadion geströmt sind. Sie verlassen sich darauf, dass die Welt nach Corona dieselbe ist wie vorher, niederkniend vorm güldenen Thron von König Fußball. Dass der zusehends seine Gefolgschaft verliert, haben sie immer noch nicht registriert.

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