Philipp Ziereis gegen Aue
Philipp Ziereis gegen Aue
  • St. Pauli-Kapitän Philipp Ziereis (M.) behauptet sich im Kopfball-Triell mit Nicolas Kühn (l.) und Prince Osei Owusu.
  • Foto: WITTERS

Nackenschlag gegen Aue – aber eine klare Ansage von St. Pauli

Der Start ins neue Jahr war ein holpriger. Im neunten Saison-Heimspiel ließ der FC St. Pauli erstmals Federn am Millerntor, kam gegen Erzgebirge Aue dank zweier Debüt-Torschützen inklusive Last-Minute-Ausgleich immerhin noch zu einem 2:2 (1:1). Vor allem die zweite Hälfte aber offenbarte, dass die spielerische Leichtigkeit aus der Hinrunde erst wieder neu gefunden werden muss.

Die Hausherren, bei denen Christopher Buchtmann erwartungsgemäß anstelle von Daniel-Kofi Kyereh auf der Zehn ran durfte, begannen mit einer drückenden Dominanz, ließen Aue teilweise minutenlang nicht aus der eigenen Hälfte kommen und hatten durch Jackson Irvine das erste dicke Ding. Doch der Australier zögerte frei vor Keeper Männel zu lange, sodass Zolinski ihm noch den Ball vom Fuß grätschen konnte (14.).

Zolinski bringt Aue in Führung

Eben jener Zolinski, nominell Stürmer, kam dann drei Minuten später seiner Primärkompetenz bei der überhaupt ersten Offensivaktion der Gäste nach. Über die rechte Seite, wo Owusu sich gegen Ziereis behauptete, kam die Murmel ins Zentrum, wo Zolinski Ohlsson enteilt war und Vasilj aus wenigen Metern keine Chance ließ. Das 0:1 (17.) aus dem überhaupt Nichts und kurzzeitig eine Stimmungsbremse für die 1724 Fans, die ansonsten mit dem kompletten Sammelsurium an St. Pauli-Liedgut für tolle Stimmung sorgten.

Auch die Mannschaft wirkte kurz getroffen, erlaubte sich zu viele einfache Fehler und Ungenauigkeiten. Auch durchgehend über 70 Prozent Ballbesitz brachten lange nichts ein, bis ein Standard den hochverdienten Ausgleich einleitete. Einen von Eric Smith getretenen Freistoß schädelte Jakov Medic, am zweiten Pfosten stehend, in die Maschen (30.).

St. Pauli mühte sich, wollte nachlegen. Es dauerte aber bis in die Nachspielzeit bis zu den nächsten Hochkarätern. Erst scheitere Irvine mit einem Kopfball nach klasse Vorarbeit von Guido Burgstaller an Männel (45.+1), dann fischte der wegen permanenten Zeitspiels längst zum Buhmann des Publikums avancierte Schlussmann einen 22-Meter-Schuss von Hartel aus dem Eck (45.+3).

St. Pauli mit vielen Fehlern nach der Pause

Die Hausherren kamen mit Energie aus der Kabine, wieder tauchte Irvine vor Männel auf, schob diesem die Kugel aber in die Arme (47.). Doch dann häuften sich wieder die Unzulänglichkeiten – und es fehlten nur Zentimeter zum nächsten Nackenschlag: Urplötzlich stand Owusu blank vor Vasilj, zog ab und verfehlte das Ziel um Haaresbreite (58.).

Trotzdem war es jetzt dahin mit der Linie im Spiel der Kiezkicker, viele unnötige Aussetzer brachten die Gäste immer besser in die Partie. „Wir haben in der zweiten Halbzeit ein bisschen die Zuordnung verloren und hatten viele Fehler drin“, befand Kapitän Ziereis. „Wir haben nicht so gespielt, wie wir uns das vorgenommen haben, sind in viele Konter gelaufen und haben genau das zugelassen, was Aue wollte.“

Und so klingelte es wieder. Zolinski durfte unbehelligt flanken, Hochscheidt traf aus fünf Metern die Latte, den Abpraller drückte Trujic per Kopf zum 1:2 in die Maschen (72.). Ein Wirkungstreffer. Denn St. Paulis Anrennen in der Folge war wild, aber nicht zielgerichtet, Chancen gab es gar keine. „Die Mannschaft wurde immer ungeduldiger“, stellte Trainer Timo Schultz, „aber sie wollte unbedingt, hat alles investiert.“ Und wurde dann doch noch belohnt.

Amenyido rettet St. Pauli einen Punkt

Lukas Daschners Volleykracher flog noch am Tor vorbei (90.), aber drei Minuten später war der Jubel groß. Etienne Amenyido hatte sich im rechten Strafraumeck gegen mehrere Auer behauptet und den Ball gefühlvoll zum Ausgleich ins lange Eck geschlenzt, was aber noch nicht der Schlusspunkt in Sachen Dramatik gewesen sein sollte. Erst traf Aue direkt wieder ins Schwarze (George), allerdings aus klarer Abseitsposition (90.+4). Den letzten Abschluss der Partie hatte Igor Matanovic, dessen Hammer aber knapp über den Querbalken flog (90.+5).

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Und die Moral von der Geschichte, vor allem in Bezug auf den Pokalkracher gegen Dortmund am Dienstag und das Derby beim HSV? „Wir können eh nur noch besser spielen“, befand Ziereis. „Das sind zwei absolut geile Spiele, die da vor uns liegen.“

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