Schultz, St. Pauli
  • Timo Schultz ist grundsätzlich natürlich sehr glücklich mit St. Paulis Hinrunde, sieht aber auch noch Baustellen.
  • Foto: WITTERS

Schultz: St. Pauli spielt auf weltweit höchstem Zweitliga-Level

Der missratene Jahresabschluss hatte Narben hinterlassen bei Timo Schultz. „Wir müssen eigentlich führen, 1:0 oder 2:0“, sagte er über die dominante Anfangsphase des FC St. Pauli in Kiel. „Ich bin mir sicher, das wäre dann ein super Spiel für uns geworden. Aber so verlierst du am Ende völlig verdient 0:3, kannst dich auch gar nicht beschweren, und das regt mich mehr auf als wenn ich das Gefühl habe, der Tag wäre komplett gebraucht. Da habe ich dran zu knabbern.“

Wobei der Rest des zu Ende gehenden Jahres eigentlich zur Linderung des Schmerzes beitragen sollte. „Wenn man die Hinrunde von der Punkteanzahl sieht, dann ist schon sehr, sehr gut gelaufen“, sagte der 44-Jährige, sah den sportlichen Erfolg aber eher als Produkt von Größerem. „Für mich als Trainer ist viel wichtiger, wie die Jungs an der Kollaustraße arbeiten, wie gerne sie kommen, wie lange sie bleiben, die Intensität im Training, wie sie sich immer wieder fordern und in die Pflicht nehmen“, lobte er. „Das ist das, was mir am meisten Spaß macht zu beobachten. Die Art und Weise steht bei mir über dem Ergebnis, und das aktuell beides sehr gut ist, ist natürlich der Optimalfall.“

Wertvolle St. Pauli-Niederlage in Hannover: „Wir haben da viel Stärke draus gezogen“

Von Tiefpunkten will er in 2021 gar nichts wissen, vielmehr hätten auch verlorene Partien gewinnbringenden Effekt gehabt. „Für uns eines der wichtigsten Spiele war die Niederlage in Hannover“, sagte Schultz. „Weil wir danach alle sehr, sehr enttäuscht waren, weil wir keine gute Leistung gebracht haben und gemerkt haben, dass wir auch mit einer nicht so guten Leistung nah dran am Sieg waren.“ Nach dem Spiel habe man sich intern zusammengesetzt, „ein paar Sachen klargezogen, auch mit dem Mannschaftsrat. Ich glaube, das war eine sehr wertvolle Niederlage. Wir haben da viel Stärke draus gezogen“.

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Überhaupt gehörten Niederlagen zum Sportlerleben dazu, vor allem in Deutschlands Unterhaus. „Wir spielen auf einem Level, dass auf jeden Fall in Europa, vielleicht sogar weltweit das höchste ist, das es in einer 2. Liga gibt“, befand Schultz. Man habe eine gute Mannschaft, müsse aber immer am Limit sein. „Das wissen die Jungs, das versuchen sie abzurufen. Aber dann gibt es eben Tage, da klappt das nicht so gut.“

Gegner mit Dreierkette, Auswärtsbilanz: St. Pauli hat trotz allem noch Luft nach oben

Vor allem – wie in Kiel -, wenn der Gegner mit Dreierkette agiert. „Es ist schon so, dass wir unsere Abläufe anpassen müssen, gegen Kiel ist uns das nicht gut gelungen“, erklärte der Coach und führte symbolisch für den Umgang mit einem 3-5-2 das 4:2 in Heidenheim an: „In der ersten Halbzeit hatten wir Probleme, in der zweiten Lösungen“, befand er, räumte aber ein: „Das ist sicher ein Thema, wo wir noch Optimierungsbedarf haben.“

Was auch für die durchschnittliche Auswärtsbilanz im Vergleich zur makellosen Heimbilanz gilt. „Lieber so als andersrum“, sagte Schultz schmunzelnd. „Aber wir hatten tatsächlich ein paar Anreisen, die nicht so gut waren, wir kommen vielleicht nicht so in den Modus, müssen uns den Kick, den wir vor Heimspielen haben, selber holen.“ Ein Thema, wo man sich als Trainer mit dem Sportpsychologen oder dem Mannschaftsrat mal hinsetzt, um am Ende „das ein oder andere im Ablauf zu ändern“.

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