Duell gegen den späteren Weltmeister: Jackson Irvine bei der WM 2018 gegen Bayerns Franzosen Lucas Hernandez
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  • Foto: Imago

Jackson Irvine und St. Pauli: Liebe auf den ersten Blick

Der Wechsel ist gerade eben rechtzeitig über die Transfer-Bühne gegangen. Wenn am Donnerstag an der Kollaustraße Mannschaftsfotos geschossen werden, dann wird darauf erstmals in der Geschichte des FC St. Pauli ein Australier posieren. Seit Montag ist Jackson Irvine da und obgleich das alles noch so frisch ist, scheint das mit ihm und St. Pauli etwas Ernstes und für längere Zeit bestimmt zu sein. 

Mitchell Langerak weiß: „Sie werden dich lieben.“ Der Ex-BVB-Torwart gehörte zu den zahlreichen australischen Nationalspielern, die Irvine zu seinem Wechsel beglückwünschten. „Ganz ehrlich“, so Langerak, „wenn ich einen Verein für dich aussuchen müsste – es wäre St. Pauli.“

St. Paulis Neuer Irvine gibt Acht auf sein Handeln

Wenig überraschend angesichts dessen, wie sich der 28-Jährige, der als Jugendspieler von Celtic Glasgow schon mal am Millerntor war und seine meisten Spiele in Englands zweiter Liga für Hull absolviert hat, präsentiert – im Netz, auf dem Platz, in der Kabine. 

Wer Arturo Vidal geschafft hat, schafft auch Aue: Irvine bei der WM 2018
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„Er verhält sich verantwortungsvoll“, sagt Ross Pilcher, Sport-Reporter aus Edinburgh, der Irvine aus 102 Spielen in Schottlands erster Liga kennt. Als Hibernian FC, sein Ex-Klub, zum australischen Nationalfeiertag ein Foto von Irvine posten wollte, intervenierte dieser. Weil der Tag für die indigene Bevölkerung keiner zum Feiern ist, sondern einer zum Gedenken an die Invasion durch Europäer.

Irvine würde gern mehr über Kunst und Politik sprechen

Dem „Sydney Morning Herald“ sagte Irvine einst, er selbst versuche die Person zu sein, mit der man gern im Fahrstuhl feststecken bliebe. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass einem das mit dem 33-fachen Nationalspieler geschehen sollte, sind die Gesprächsthemen gesetzt. „Wir reden nicht so häufig über Politik und Kunst wie ich es mir manchmal wünschen würde“, sagte Irvine über sein Leben als Fußballer. Die Interessen der meisten Profis seien eben andere. 

Wie die Musikgeschmäcker. „Wenn Jackos Lieder kommen, überspringen wir die“, scherzte Nationalelf-Kollege Jamie Maclaren 2019. Dabei ist Irvine akustisch breit aufgestellt, spielt Gitarre, liebt Live-Konzerte, hat Nick Cave als Tattoo auf dem Arm und hört gern New Wave und Synthiepop. Nur Fahrstuhlmusik sollte es wohl nicht sein. 

St. Paulis Jackson Irvine ist „hart wie Eisennägel“

Andreas Bornemann nennt den 1,89-Meter-Schlaks einen „Mentalitätsspieler“, Maclaren sagt, er sei zwar dünn, aber „hart wie Eisennägel“. Und Reporter Pilcher beschreibt Irvine als laufstarken Spieler mit Drang zum Tor. „Technisch ist er vielleicht nicht der beste“, sagt er, aber: „Er verfügt über ein gutes Passspiel, ist stark im Zweikampf am Boden und in der Luft.“

Pilcher erwartet keine Anpassungsprobleme. Zumal Irvine St. Pauli kennt. „Ich weiß alles über die sozialen und politischen Werte, die der Verein vertritt.“ 

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Das neue Traumpaar im Fußball begeistert sogar die Presse in der Heimat. Solche Transfers gebe es immer wieder, schrieb die Tageszeitung „The Age“: David Beckham zu LA Galaxy, Diego Maradona zum SSC Neapel, Cristiano Ronaldo zu Real Madrid – und jetzt eben Jackson Irvine zu St. Pauli. Eine Geschichte wie aus einem Fußball-Märchen. Der Titel: Liebe auf den ersten Blick. 

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