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Simon Zoller sieht enttäuscht aus
  • Simon Zoller hat ein mehr als schwieriges erstes Jahr bei St. Pauli hinter sich. Kriegt er endlich die Kurve?
  • Foto: WITTERS

„Hatten uns das anders vorgestellt“: Wie St. Pauli jetzt mit Simon Zoller plant

Der Aufstieg steht über allem und wurde entsprechend euphorisch gefeiert – von ausnahmslos allen Kiezkickern. Aber längst nicht für jeden Spieler des FC St. Pauli war die abgelaufene Saison eine gute. Im Fall von Simon Zoller war es ein verlorenes Fußballjahr, eine Spielzeit zum Vergessen. Der Stürmer arbeitet für sein Comeback, ist aber noch lange nicht fit. Es wird ein weiter Weg. Kommt der verletzungsgeplagte 33-Jährige wirklich noch einmal richtig in Tritt und endlich bei seinem neuen Verein an? Und was kann er der Mannschaft eine Liga höher noch geben?

Abgetaucht war er im Saisonendspurt. Während die „Boys in Brown“ im Mai in die entscheidende Phase des Aufstiegsrennens starteten, verließ Zoller sogar die Stadt. Damit der Routinie nicht nur wieder seinen Körper in Schuss bekommt, sondern auch den Kopf frei und das Gemüt ins Gleichgewicht, hatte der Kiezklub ihm erlaubt, seine Reha für die anhaltenden gravierenden Rückenbeschwerden in seiner Wahlheimat Köln fortzusetzen. Für die große Meisterfeier auf dem Kiez kehrte er zurück.

Simon Zoller: Neustart bei St. Pauli – aber nicht mit Vollgas

Der Trainingsauftakt am Montag ist für Zoller wie ein Neuanfang. Diesmal soll alles anderes werden, besser als vor einem Jahr. Anders gesagt: Es kann kaum schlechter laufen. Apropos: Vorerst sind nur Lauftraining und individuelle Übungen angesagt für den Pechvogel der vergangenen Spielzeit.

„Unter dem Strich hat er fast eine komplette Saison gefehlt. Das hat er sich und das haben wir uns natürlich anders vorgestellt“, sagt Sportchef Andreas Bornemann im Gespräch mit der MOPO.

Als Last-Minute-Transfer war Zoller Anfang September vom VfL Bochum zu St. Pauli gewechselt – als der vermeintliche neue Topstürmer. Oder wie Sportchef Andreas Bornemann damals hoffnungsvoll sagte: „Er ist das letzte Puzzleteilchen, nach dem wir gefahndet haben.“ Zoller kam mit einer Visitenkarte von 114 Bundesligaspielen mit 17 Toren und acht Vorlagen. Er sollte entscheidend mithelfen, St. Pauli in die erste Liga zu schießen. Trainer, Verantwortliche und Mitspieler erwarteten zwar keine Wunderdinge, aber doch einiges.

Bittere Bilanz der ersten Saison: fünf Einsätze, 117 Minuten

Heute weiß man: Das Puzzleteil passte nie ins braun-weiße Bild. Nicht, weil es falsch ausgewählt war, sondern fast nie verfügbar. Zoller hatte gleich zu Beginn mit muskulären Problemen zu kämpfen, brauchte dann Zeit, um sich an das komplexe und für Stürmer fordernde Spielsystem zu gewöhnen. Ende Oktober schien er endlich richtig loslegen zu können, doch nach drei aufeinanderfolgenden Kurzeinsätzen in der Liga und seinem Startelf-Debüt im DFB-Pokal gegen Schalke (2:1) streikte wieder der Rücken, was zu muskulären Problemen im Oberschenkel führte. Das Kurz-Comeback Mitte März war auch nur eine Episode, weil erneut die Probleme aufbrachen und der Verein nach weiteren zähen Wochen ohne echte Fortschritte in Absprache mit dem Leidgeprüften die Notbremse zog und Zoller schließlich nach Köln ziehen ließ. Es wirkte wie eine Flucht vor der der negativen Endlosschleife.

Die bittere Bilanz des vielversprechenden Transfers nach der ersten Saison: fünf Pflichtspieleinsätze, 117 Spielminuten, kein Tor, keine Vorlage. Nur gut, dass Zollers Seuchensaison keinen negativen Einfluss auf den Erfolg der Mannschaft hatte und deshalb kein großes oder gar dominierendes Thema war.

Langsames Aufbautraining – „Es ist natürlich schwierig“

Und jetzt?

Zoller ist noch weit davon entfernt, voll belastbar zu sein und sofort ins Mannschaftstraining einsteigen zu können, sondern befindet sich nach wie vor im Aufbautraining. Geduld ist gefordert. Einmal mehr. Zum letzen Mal?

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„Er wird jetzt wieder herangeführt, um im Trainingslager mehr machen zu können“, erklärt Bornemann den vorgesehenen Weg des Aufbaus. „Das erste Ziel ist eine kontinuierliche Trainingsbeteiligung. Da müssen wir jetzt die ersten Tage und Wochen abwarten, wie sein Körper die Belastungen verkraftet. Es ist natürlich schwierig, nach einer so langen Pause wieder in einen Rhythmus zu kommen.“

Ob das überhaupt gelingt, ist nicht sicher. Es gibt Hoffnung, aber auch viele Fragezeichen, was die Belastbarkeit des Körpers nach 14 Jahren Profifußball und vielen Verletzungen und Blessuren angeht. „Wir wünschen uns für ihn und für uns, dass er die lange Leidenszeit überwunden hat, sich stabilisiert und dann auch für uns seine Qualitäten einbringen kann“, sagt Bornemann.

Zoller kann beim neuen Trainer Blessin noch nicht punkten

Die Ausgangslage ist schwierig, da Zoller nicht fit und voll belastbar in die Vorbereitung unter dem neuen Trainer Alexander Blessin starten und deshalb auch nicht Eindruck machen und keine Pluspunkte sammeln kann, um sich anzubieten, geschweige denn aufzudrängen.

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Schwierig ist das auch für den Verein, denn er kann nicht auf den Stürmer bauen, der noch mindestens ein Jahr unter Vertrag steht. Das gilt längst nicht nur für den Spiel-, sondern auch den Trainingsbetrieb. Auch vor diesem Hintergrund dürfte der Kontrakt mit Andreas Albers (mutmaßlich um ein Jahr) verlängert worden sein. Der 34-jährige Däne hat zwar in der abgelaufenen Saison auch keine große Rolle gespielt, war aber nie verletzt und leistete seinen Beitrag im täglichen Training, wozu Zoller nur selten in der Lage war. Und es ist nur logisch, dass sich St. Pauli für die Herausforderung in der höchsten Spielklasse im Sturm weiter verstärken will und muss.

Viele Fragezeichen für St. Pauli beim Sturm-Routinier

Wie plant St. Pauli also mit Zoller in der Bundesliga?

„Die Planbarkeit ist extrem schwierig – so ehrlich muss man sein“, sagt Bornemann, der deshalb auch keine Erwartungen formulieren will, was eine mögliche Rolle des Sturm-Routiniers in der kommenden Saison angeht. Noch deutlicher gesagt: Zum jetzigen Zeitpunkt kann St. Pauli gar nicht mit ihm planen.

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Zollers persönliches Ziel für sein zweites Jahr in Braun-Weiß kann nur sein, dass es nicht bei seinen 114 Bundesligaspielen bleibt. Findet er gar zurück zu alter Stärke, kann er mit seinen Fähigkeiten, seiner Erfahrung und Abgezocktheit vor dem Tor ein Faktor werden, möglicherweise als Joker. Für St. Pauli wäre es Stand jetzt schon ein Gewinn, wenn er sich dauerhaft auf dem Trainingsplatz einbringt und eine Option für die Spieltage wird und bleibt. Die nächsten Wochen werden wegweisend sein.

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