Marcel Beifus im Gespräch mit Trainer Fabian Hürzeler
Marcel Beifus im Gespräch mit Trainer Fabian Hürzeler
  • Marcel Beifus im Gespräch mit Trainer Fabian Hürzeler
  • Foto: WITTERS

Cheftrainer mit 29: Darum vertraut der FC St. Pauli Fabian Hürzeler

Es trug sich am Donnerstag das letzte Training vor Weihnachten an der Kollaustraße zu, aber eines wollte Fabian Hürzeler verstanden wissen: „Das ist hier keine Spaßveranstaltung!“, bellte er genervt den Spielern entgegen, die bei einer Übung nicht aufgepasst und ihren Einsatz verpasst hatten. Der Ton ist gesetzt von dem 29-Jährigen, der St. Pauli neuer Cheftrainer werden soll.

Wobei ein lauter Hürzeler eigentlich keinen Neuigkeitswert hat. Bemerkenswert ist da schon eher der leise Hürzeler, den man zurzeit auch zu sehen (statt zu hören) bekommt. Er delegiert Aufgaben, beobachtet, greift seltener ein. Die richtige Mischung aus laut und leise, das ist etwas, was er an Vorgänger Timo Schultz schätzt, wie er der MOPO im Sommertrainingslager in Südtirol erzählte.

Mal laut, mal leise: Fabian Hürzeler trifft den richtigen Ton

Künftig wird er sich daran selbst versuchen. Wie die MOPO berichtete, soll Hürzeler den Chefposten übernehmen. Alles deutet darauf hin, dass der Verein diese Entscheidung heute verkündet.

Eine interne Lösung statt einer externen, ein Entwickler und zu Entwickelnder statt eines Erfahrenen.

Hürzeler ist St. Paulis Mann des Vertrauens, und zwar in doppelter Hinsicht. Die Bosse glauben an ihn, spätestens nach zwei Trainingswochen unter seiner Regie. Und er glaubt an Vertrauen als Schlüssel für seine Arbeit; auch das hatte er der MOPO erklärt.

„Wenn ein Spieler merkt, dass wir an ihm als Menschen interessiert sind, wenn er merkt, dass und wie wir ihn besser machen wollen, dann entsteht etwas, das nicht zu bezahlen ist: gegenseitiges Vertrauen“, sagte Hürzeler damals.

Fabian Hürzeler spielt für den ETV in der Oberliga

Er betonte auch, sich in die Spieler hineinversetzen zu können –  er spielt (wenn zeitlich möglich) selbst beim ETV, mit dem er in der Vorsaison in die Oberliga aufgestiegen ist. Und er ist erst 29 Jahre alt, wird damit zum siebtjüngsten Trainer der Bundesliga-Geschichte.

Eine durchaus bemerkenswerte Karriere bisher also, die ihren Anfang nahm in der Jugend des FC Bayern, über Hoffenheims zweite Mannschaft und die von 1860 München zum FC Pipinsried führte, wo er als Spielertrainer unter anderem für viele Gelbe Karten bekannt war.

Diesen Ruf hat Hürzeler hinter sich gelassen, stattdessen beschwört er, so sagte er zuletzt, eine „Jetzt-erst-recht-Mentalität“. Er lässt die Mannschaft früher zum Training antreten; gilt als akribisch in der (Video-)Analyse und detailversessen; unterbricht das Training mitunter so oft, wie es Spieler nicht mögen, es der Sache – nämlich dem Verständnis der Übung und der besseren Umsetzung – aber dient.

Es passt, dass Hürzeler sich gegen die Bezeichnung Talent wehrt. Vielmehr komme es auf harte Arbeit an. Die erwartet er von sich. Und fordert sie vom Team ein. Das Vertrauen hat er. Das volle Vertrauen.

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