So jubelte Torschütze Daniel-Kofi Kyereh nach dem 1:0-Sieg St. Paulis im letzten Derby.
  • So jubelte Torschütze Daniel-Kofi Kyereh nach dem 1:0-Sieg St. Paulis im letzten Derby.
  • Foto: WITTERS

Sorry, HSV-Fans! Wie das Derby St. Paulis Ding wurde

Wenn der FC St. Pauli den HSV am Freitag um 18.30 Uhr zum heißen Tanz auf den Rasen des Millerntorstadions bittet, dann treffen zwei Mannschaften auf Augenhöhe aufeinander. Mag auch der HSV der größere Verein sein und einer der klaren Aufstiegsanwärter, so gilt für Timo Schultz, Trainer der Kiezkicker, schon lange der Grundsatz: „Im Derby gibt es keine Favoriten.“ Klar ist aber auch: Die Rothosen treten in der Rolle des Herausforderers an.

Titelverteidiger ist St. Pauli. Klar, es ist kein offizieller Titel, sondern eher ein Titelchen, aber eines, dass vor allem für die Anhänger der Braun-Weißen ganz wichtig ist, eine große Sache: Stadtmeister. Derbysieger, die Nummer eins der Stadt. Das wird von den Fans gefeiert, regelrecht zelebriert. Verbal. Auf T-Shirts und mit Aufklebern. 

Stadtderby am Millerntor: Nichts stärkt die Identifikation der Fans so sehr wie ein Derbysieg

Unwichtig, scheißegal, albern, absolut lächerlich und total peinlich finden so etwas in der Regel vor allem der Derby-Verlierer und sein Anhang. Wenig verwunderlich.

Dabei stärkt ein Derbysieg die Identifikation der Fans mit ihrem Verein und ihrer Mannschaft und damit den kollektiven Zusammenhalt wie nichts anderes. Kein Wunder, dass die aktive Fan-Szene des HSV ihrer Mannschaft vor dieser Spielzeit unmissverständlich klargemacht hat, dass Derbysiege gegen St. Pauli und Werder Bremen Priorität haben. 

Das allzu oft angeführte Argument, für den großen HSV gebe es letztlich Wichtigeres und wahrhaft Entscheidendes, nämlich den Aufstieg, wirkt irgendwann wie eine faule Ausrede, wenn am Saisonende besagte große Mission immer wieder vergeigt wird. Das sehen längst auch viele HSV-Fans so.

In der Tabelle liegt meist der HSV vorne, in den Stadtderbys zuletzt der FC St. Pauli

In der Tabelle, dem Maßstab der 34 Spieltage, da liegt der HSV seit dem Bundesligaabstieg 2018 stets vor dem Kiezklub, am Saisonende jedenfalls.

Was das Derby angeht, das direkte Duell, hat St. Pauli die Kräfteverhältnisse jedoch mittlerweile umgedreht. Die Kiezkicker sind im Spiel der Spiele voll da – und liefern ab.

Das sagt St. Pauli-Trainer Timo Schultz zum Stadtderby am Millerntor

Drei der letzten vier Derbys hat St. Pauli gewonnen – jeweils ohne Gegentor – und dazu einmal Remis gespielt. Von den acht Stadtduellen seit 2010 hat St. Pauli vier gewonnen, dreimal unentschieden gespielt und nur einmal verloren.

Die jüngsten Derby-Erfolge waren „sicherlich schön“, sagt Schultz auf das 2:2 im Volkspark und das 1:0 zu Hause in seiner ersten Saison als Profi-Trainer angesprochen zwar, „aber davon können wir uns nichts kaufen.“ Das Hochgefühl und das Selbstvertrauen, das ein Derbysieg bringt und für eine breite Brust vor dem nächsten Derby sorgt, kann man aber auch nicht kaufen.

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„Es ist eine neue Saison, es geht wieder bei 0:0 los“, betont Schultz. In beiden Mannschaften gibt es neue Spieler, der Erzrivale hat mal wieder einen neuen Trainer. Alle sind heiß, alles kann passieren. Keiner ist Favorit. Aber St. Pauli Titelverteidiger.

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