• Das Millerntor-Stadion des FC St. Pauli
  • Foto: imago images/Eibner

Coronavirus: Kommentar: Geisterspiele für alle! Auch am Millerntor

Das Coronavirus sorgt für diverse Geisterspiele in der 1. und 2. Bundesliga. Auch der HSV muss am Freitag in Fürth ohne Zuschauer auskommen. Beim FC St. Pauli ist hingegen aktuell weiter angedacht, am Sonntag gegen Nürnberg vor 30.000 Fans zu spielen. Lars Albrecht, stellvertretender Sportchef der MOPO, kommentiert.

Ohne Fans ist der Fußball nichts. Das gilt im ganz besonderen Maße für den FC St. Pauli. Deswegen war es zunächst verständlich, dass die Vereinsbosse um ein Heimspiel am Millerntor mit vollen Rängen kämpfen. Da es bislang noch immer keine generelle Entscheidung der DFL gibt und die Hamburger Gesundheitsbehörde Großveranstaltungen mit über 1000 Zuschauern nicht ausdrücklich verboten hat, ist der Kiezklub auch nicht im Unrecht.

Darum muss der FC St. Pauli ohne Zuschauer spielen

Dennoch: Das Spiel am Sonntag muss auch zum Geisterspiel werden! Die Coronavirus-Experten in Deutschland geben entsprechende Empfehlungen nicht zum Spaß aus. Sie kennen die Bedrohungslage, sie wissen, dass Ansammlungen von vielen Menschen nach aller Möglichkeit zu verhindern sind. Man stelle sich vor, nach dem Spiel stellt sich heraus, dass ein oder mehrere Zuschauer infiziert sind. 30.000 Menschen sowie Spieler und Offizielle wären betroffen.

Sportlich und finanziell wäre es unfair!

Was neben der (deutlich wichtigeren!) gesundheitlichen Komponente ein Grund ist, ist das Sportliche. Die Konkurrenz muss ohne Zuschauer im Rücken spielen, aber bei St. Pauli wird kräftig angefeuert? Unfair.

Die finanziellen Einbußen für den gastgebenden Verein sind bei einem Geisterspiel immens. Das ist klar. Doch das gilt auch für Fürth, Eintracht Frankfurt oder Borussia Dortmund. Einzelne Vereine können hier nicht zum Sonderfall werden. Auch das wäre unfair.

DFL muss endlich aktiv werden

Stattdessen sollte sich die DFL, die sich leider nicht zu einem generellen Beschluss von Geisterspielen in beiden Ligen hat durchringen können, Gedanken machen, wie die Klubs finanziell entschädigt werden könnten.

Aber noch einmal: Über allem steht die Gesundheit. Geisterspiele sind aktuell leider die einzige Alternative im deutschen Fußball, wenn der Betrieb aufrechterhalten werden soll. Ansonsten müssen die Spiele wie in Italien erst einmal komplett abgesagt werden.

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