Foto von Katja Ebstein vor einer Wand
  • „Ich bin ich weder eine Ikone noch eine Legende – das ist alles Quatsch“, sagt Katja Ebstein.
  • Foto: dpa/Georg Wendt

„Grand Prix“-Star geht auf Tour im Norden

1972 unterstützten Sie Willy Brandt im Wahlkampf. Warum sind Sie nie selbst Politikerin geworden?

Ich würde mir permanent den Schädel einrennen! Das hält keiner aus. Wie lange will man das machen? Und wenn man dann genug hat, geht man raus aus der Politik, und es ist alles wie gehabt. Nein, danke. Ich bin auch in keiner Partei, man ist besser in der Justierung und Korrektivbemühung, wenn man souverän und unabhängig ist.

Machen Sie sich Sorgen um die Demokratie?

Ja! Die rechte Wiederbelebung ist eine Katastrophe. Die gibt es ja quer durch die Welt. Man nennt die Machtinhaber Populisten. Aber sind sie tatsächlich so populär, will das Volk sie wirklich? Es folgt aus Unzufriedenheit den Versprechungen dieser Armleuchter, die ziemlich gefährlich sind. Dabei hätten wir gerade in Deutschland allen Grund, zufrieden zu sein. Wir leben in einer Geborgenheit gemessen an anderen Staaten in der Welt. Dass die Menschen nach den Desastern von zwei Weltkriegen das nicht zu schätzen wissen, verstehe ich nicht.

Die junge Katja Ebstein mit Mikrofon in der Hand
Katja Ebstein 1971 bei der Vorentscheidung zum „Grand Prix d’Eurovision“.

Wie sehr wollten Sie eigentlich Ihre Musikkarriere?

Gar nicht, das wäre mir nie eingefallen. Ich bin da hingeschoben worden. Mein Wunsch war, Kunst zu machen, aber die war brotlos. Meine Eltern zerbrachen sich die Köpfe, wie sie es hinkriegen, mich auf eine Kunstschule zu schicken. Aber das konnte man nicht bezahlen. Heute würde ich einen anderen Beruf wählen.

Nämlich?

Mich interessiert die Forschung viel mehr als das Showbusiness. Falls man noch mal auf die Welt kommt, wäre das ein schöner Beruf: Phänomenologie und alles das, was wir nicht begreifen. Das finde ich spannend.

„Mich interessiert die Forschung mehr als das Showbusiness“

Tun Sie viel für Ihre Gesundheit?

Was Sport angeht, bin ich faul, aber sonst schon. Es gibt immer 1000 Gründe, warum man gerade nicht kann. Ich bereue, diesbezüglich nicht mehr gemacht zu haben. Man muss für seinen Bewegungsapparat etwas tun, um flexibel zu bleiben.

Dass Sie Zeit Ihres Lebens rote Haare hatten, war das auch Faulheit, sich nicht ständig neu erfinden zu müssen?

Ich sitze einfach nicht gerne beim Friseur. Ich muss es selber machen können. Meine Haare fliegen. Das gehört zu mir! Diese betonierten Frisuren sind doch furchtbar! Und Rot ist meine Farbe. Es passt zu meinem Wesen, ich bin ja ein gewisser Feuerkopf.


„MOPOP – Der Kultur-Newsletter“ bringt Ihnen jeden Donnerstag gute Nachrichten frei Haus. Ob auf, vor und hinter den Bühnen – wir sind für Sie dabei und sprechen mit den spannendsten Menschen. Dazu gibt’s Tipps zu Veranstaltungen und Neuerscheinungen und vieles mehr. Wir freuen uns auf Sie! Hier klicken und anmelden.


Fühlen Sie sich eigentlich wie 76?

Nein, ich denke über Zahlen und Jahre nicht nach, so lange ich das nicht merke, was man angeblich mit diesen Jahren haben müsste. Komischerweise werden immer Frauen nach Zahlen gefragt, Männer nicht. Und das machen sogar Frauen wie Sie jetzt gerade. Alle Fragen dazu hören sich immer so an wie: „Warum ist die jetzt noch nicht näher am Zerfall?“

Man kann ja auch ermutigendes Vorbild sein.

Vorbild bin ich nicht gerne, denn so lange ich atme, bin ich noch am Werden und noch nicht fertig. Ich habe noch viel zu lernen. Deswegen bin ich weder eine Ikone noch eine Legende – das ist alles Quatsch. Ich bin ein arbeitender Mensch. Ich bin ein Leistungsträger, genauso wie jeder andere, der in einem anderen Beruf arbeitet. Und Frauen am Außen festzumachen, ist eh überholt.

Buch: „Das ganze Leben ist Begegnung“, 256 S., Fischer Krüger, 20 Euro

Tour: 4.11. Ahrensburg (Alfred-Rust-Saal), 5.11. Seevetal (Burg Seevetal; auch als Stream), 25.11. Kaltenkirchen (Bürgerhalle), 15.12. Buxtehude (Pauluskirche) u.v.m.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp