• Die Kryptowährung Bitcoin erlebt derzeit einen enormen Boom.
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Plus 50 Prozent in 2021: Das steckt hinter dem Bitcoin-Boom

Mit Aktien kann man viel Geld verdienen – aber genauso kann man eine Menge Geld verlieren. Soll ich mich trotzdem trauen? Und ist es nicht längst zu spät zum Einsteigen? OMR-Gründer Philipp Westermeyer (41) erklärt jeden Samstag in der MOPO aktuelle Themen und Trends an der Börse. Diesmal geht’s unter anderem um den Bitcoin-Hype, Disneys Streaming-Bilanz und was der Autobauer Daimler plant.

1. Wo kommt der Preis einer Aktie eigentlich her?

Der Kauf einer Aktie ist eine Wette, dass man sie später wieder mit Gewinn verkaufen kann. Dafür sollte der Wert des Unternehmens in der Zwischenzeit steigen. Aber was ist dieser Wert aus Sicht der Börse? Die Antwort: Die Summe der zukünftigen Gewinne. In der Börsensprache nennt man das „fundamentaler“ oder „wahrer“ Wert. Er bestimmt langfristig den Aktienkurs.

Kurzfristig sieht es aber ganz anders aus. Angebot und Nachfrage machen die Preise. Denn: Wenn ich meine Aktie verkaufen möchte, muss jemand anderes die Aktie auch kaufen. Wenn Angebot oder Nachfrage sich plötzlich verändern, kann sich der Preis der Aktie vom Wert des Unternehmens entkoppeln.

Beispiel: Der Social-Media-Hype um die Gamestop-Aktie. Eine Spekulationsblase entsteht, und es wird gezockt. Das kann Spaß machen, ist aber überhaupt kein guter Weg, Geld anzulegen: 80 Prozent der „Day Trader“ – Anleger die kurzfristig und oft handeln – machen Verlust.

2. Disney: Mit Mäusen Mäuse machen?

„König der Löwen“, „Marvel“, „The Mandalorian“ – viele verbringen gerade reichlich Zeit auf dem Sofa. Disney+ kam im März 2020 zeitgleich mit der ersten Corona-Welle zu uns. Und schon jetzt hat der Streamingdienst 100 Millionen Abonnenten weltweit. Netflix hat dafür zehn Jahre gebraucht. Aber ist deswegen die Disney-Aktie auch eine gute Anlage?

Disney meldete für das abgelaufene Jahr fast drei Milliarden Dollar Verlust. Denn: Alle anderen Geschäftsbereiche sind absolute Corona-Verlierer: Disneyland ist geschlossen, und die Kreuzfahrtschiffe liegen im Hafen. Zudem wurden viele frische Disney+-Abos mit günstigen Einsteigerpaketen erkauft. Disneys Market Cap stieg trotzdem in den letzten zwölf Monaten um 20 Prozent. Das Ende der Pandemie scheint bereits eingepreist zu sein.

Die Aktie wirkt für einen Einstieg jetzt recht teuer. Kann man das auch anders sehen? Ja. Wenn es Disney gelingt, mehr Umsatz aus den vielen „+“-Abos zu holen, und Mickey bald wieder Gäste empfangen kann, dann könnte der Wert weiter steigen.

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3. Daimler – auch in Zukunft wertvoll?

Eine der stärksten deutschen Marken – vielleicht etwas angestaubt – ist Daimler. Das Unternehmen meldete für 2020 trotz sinkender Umsätze 50 Prozent mehr Gewinn, nämlich vier Milliarden Euro. Zur Einordnung der +50 Prozent: Daimler hatte 2019 ein ziemlich schlechtes Jahr inklusive Gewinneinbruch um zwei Drittel.

Die große Story: Daimler plant bis Ende des Jahres die Nutzfahrzeuge als „Daimler Truck AG“ an die Börse zu bringen. Die Pkw- und Dienstleistungssparte soll dann „Mercedes Benz AG“ heißen. Durch die neue Struktur, gesparte Kosten, Investitionen in Digitalisierung und Elektromodelle und vor allem die starke Marke sieht Chef Ola Källenius seine Firma fit für den Wettbewerb.

Daimlers Market Cap liegt bei 70 Milliarden. Das ist das 17-fache des Gewinns und damit eher günstig. Woran sollte man glauben, wenn man investieren möchte? Daimler schafft den Schritt in die neue digitale, elektrische Mobilität. Größere Wertzuwächse sind möglich, wenn es darüber hinaus gelingt, als Technologieaktie wahrgenommen zu werden. Denn Tesla ist mit nur 1/7 des Umsatzes und Gewinns an der Börse zehnmal wertvoller als Daimler. 

4. Was ist eigentlich der Bitcoin?

Der Hype ebbt nicht ab, der Bitcoin jagt Rekorde. Seit Jahresanfang hat der Preis eines Bitcoins nochmal um 50 Prozent zugelegt auf deutlich über 50 000 Dollar. Was steckt dahinter?

Der Bitcoin ist eine Art digitale Währung. Der Preis wird von Angebot und Nachfrage bestimmt. Zinssätze und Zentralbanken spielen keine Rolle. Vorteil: Der Bitcoin gilt als inflationssicher. Nachteil: Hinter Aktien stehen Unternehmen, Währungen repräsentieren ganze Volkswirtschaften. Der Bitcoin hingegen lebt davon, dass genug Leute an seinen Wert glauben, ähnlich wie eine Marke. Mehr nicht.
Diesen Glauben teilen jedoch immer mehr Leute. Unternehmen beginnen, ihre Geldreserven in Bitcoin anzulegen. Zuletzt hat Tesla für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoin gekauft. Andere Firmen folgen, und so steigt derzeit die Nachfrage und damit auch weiter der Preis.

Als Zahlungsmittel sind Bitcoins aufgrund der Kursschwankung eher ungeeignet. Laszlo Hanyecz hatte 2010 für 10.000 Bitcoin eine Pizza gekauft. Das wären heute…  Ach egal.

5. Madison Square Garden?

Die letzte Story heute dreht sich um die bekannteste Eventlocation der Welt, den Madison Square Garden in New York. Den kann man nämlich kaufen, und zwar mit Aktien der Madison Garden Sports Corp. („MSGS“).

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Zwar gehört denen gar nicht der Madison Square Garden, aber neben anderen Immobilien und Sportteams sind sie Inhaber New York Knicks (Basketball) und der New York Rangers (Eishockey). Und da wird es spannend. Denn Superreiche – und davon gibt es ja immer mehr – kaufen sich sowas gerne. 2019 hat etwa der Alibaba-Mitgründer Joe Tsai die Brooklyn Nets für 2,35 Milliarden erworben Und die spielen nur auf der anderen Seite des Flusses.

Die bekannteste Eventlocation der Welt, der Madison Square Garden in New York.

Die bekannteste Eventlocation der Welt, der Madison Square Garden in New York.

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imago/Icon SMI

Der MSGS gehören nun gleich zwei Teams, die im Madison Square Garden in New York spielen. Die Firma, natürlich Corona-gebeutelt, ist derzeit 4,5 Milliarden wert. Wenn man daran glaubt, dass der eine oder andere Multimilliardär sich eines Tages die Knicks oder Rangers für teuer Geld ins Regal stellen möchte, dann wäre „MSGS“ genau die richtige Wette dafür.

Ob eine Aktie nach oben oder nach unten geht, kann niemand mit Sicherheit sagen. Was wir aber sicher sagen können: Die Börse produziert jeden Tag spannende Geschichten. Davon erzählen wir montags bis freitags immer morgens im „Ohne Aktien wird schwer“-Podcast: ohneaktienwirdschwer.de und https://sptfy.com/i3YH

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