• Bunt, laut, schillernd: Auch in diesem Jahr wird der CSD auf der Straße gefeiert.
  • Foto: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen

Kommentar: Warum wir den CSD weiter brauchen

Knappe Ledershorts, Federfummel, wummernde Bässe. Der Christopher Street Day (CSD): eine riesige Party unter Regenbogenflagge. Schwule, Lesben, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI) demonstrieren seit über 50 Jahren für ihre Rechte. Viel ist schon geschafft: Offen homosexuelle Politiker, gleichgeschlechtliche Ehe, TV-Datingshows für dasselbe Geschlecht. Wozu da noch den CSD?

Die bittere Wahrheit ist: Sexuelle Minderheiten leben gefährlich – auch in Deutschland. Allein 2020 wurden über 200 Straftaten gegen Trans-Menschen registriert, gegen Homosexuelle knapp 600. Ein Mordfall aus Gießen: Ein 60-Jähriger fragt seinen Nachbar nach dessen sexueller Orientierung. Dann sticht er ihn nieder.

AfD-Politikerin fordert CSD-Verbot

Auch die AfD zeigt ihre Ablehnung deutlich: Christina Baum forderte auf Facebook „zum Schutz unserer Kinder“ ein Verbot des CSD mit der Begründung: „Es gibt keine Akzeptanz für Zurschaustellung sexueller Obszönitäten“ – heterosexuelle Schamlosigkeit bleibt unerwähnt.

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Unsere Gesellschaft ist nicht so tolerant wie es scheint. Der offen homosexuelle Entertainer Riccardo Simonetti bekommt Nachrichten wie: „Du eklige Schwuchtel. Bitte bring dich doch einfach um.“ Und es wird schlimmer: Hasskriminalität gegen sexuelle Minderheiten ist von 2019 auf 2020 um 36 Prozent gestiegen. Wer braucht also den CSD? Wir. Alle – die in einer offenen Gesellschaft leben wollen.


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