Der erste Spiegel
  • Samstag, 4. Januar 1947: die erste Ausgabe des Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.
  • Foto: Der Spiegel

75 Jahre „Der Spiegel“: Augsteins Vater half bei der Namensfindung

Hören Sie unseren neuen Podcast: Diesmal geht es um die Gründung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ am 4. Januar 1947.

Das Motto lautete stets: Viel Feind, viel Ehr’. Alles wollte der „Spiegel“ in den letzten 75 Jahren – nur nicht gelobt werden, jedenfalls nicht von den Mächtigen. Helmut Schmidt nannte Spiegel-Redakteure ein „Geschmeiß“ und riet dazu, sich von denen „nicht irre machen zu lassen“. Noch deutlicher wurde Willy Brandt, der das Nachrichtenmagazin 1974 ein „Scheißblatt“ nannte.

Es gab einen Vorläufer: „Diese Woche“ hieß das Magazin

„Der Spiegel“ ist eng mit Hamburg verbunden. Viele glauben gar, er sei immer schon in Hamburg ansässig gewesen. Stimmt aber gar nicht: Die Wurzeln liegen in Hannover. Eigentlich ist auch gar nicht der 4. Januar 1947 das wahre Gründungsdatum, sondern der 16. November 1946. An diesem Tag nämlich erschien die erste Ausgabe von „Diese Woche“ – dieses Magazin war ein direkter Vorläufer.

Grünung
Gründung des Spiegels 1947: Rudolf Augstein (2.v.r.) zusammen mit den Briten Henry Ormond (l.) und Harry Bohrer (M.). Ganz rechts: Gerhard Rudolf Barsch. Zweiter von links: Roman Stempka.

Angefangen hat die ganze Geschichte nämlich mit den britischen Presseoffizieren John Seymour Chaloner, Harry Bohrer und Henry Ormond, die 1946 von den Besatzungsbehörden den Auftrag erhielten, in Deutschland ein Nachrichtenmagazin im Stile des „Time Magazine“ zu entwickeln. Dafür rekrutierten sie den damals 24-jährigen Rudolf Augstein, der nach Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst für das Hannoversche Nachrichtenblatt gearbeitet hatte, eine lediglich zweiseitige Zeitung der Alliierten Militärregierung.

Augstein kritisiert die alliierten Besatzer heftig

„Diese Woche“ zeichnete sich vor allem durch Respektlosigkeit aus: Auch gegenüber den Besatzungsmächten wurden mit Kritik nicht gespart. Im Gegenteil. Als Augstein unverblümt darüber schrieb, dass die Briten die Deutschen im Ruhrgebiet hungern lassen – es herrschte gerade der schlimmste Winter seit Menschengedenken, Brennstoff und Nahrung waren knapp – überspannte er den Bogen: Nach nur sechs Ausgaben ordnete das britische Foreign Office die sofortige Einstellung des Blattes an.

Es gab nur zwei Möglichkeiten: Den Laden zu schließen oder mit neuem Herausgeber weiterzumachen. Augstein erwarb gemeinsam mit dem Fotografen Roman Stempka und dem Redakteur Gerhard Rudolf Barsch die Verlegerlizenz. Praktisch über Nacht musste ein neuer Name für das Blatt her. Zur Auswahl standen „Die Woche“, „Der Spiegel“ und „Das Echo“. Augstein fragte seinen Vater Friedrich – in Hannover Betreiber eines Foto-Fachgeschäfts – um Rat. Der schloss „Das Echo“ aus. „Die Woche“ war zu nah am alten Titel. Also wurde es „Der Spiegel“.

Die erste Enthüllung 1950: Bestechung im Bundestag

Bundesweite Bekanntheit erlangte der „Spiegel“, als er 1950 darüber berichtete, dass nur deshalb Bonn provisorische Hauptstadt der jungen Bundesrepublik geworden war, weil sich Abgeordnete vor der Abstimmung hatten bestechen lassen. Der Bericht schlug ein wie eine Bombe: Der Bundestag berief einen Untersuchungsausschuss ein – den sogenannten „Spiegel“-Ausschuss, der allerdings zu keinem Ergebnis kam.

1962
1962: „Spiegel-Affäre“. Rudolf Augstein in Haft. Hier auf dem Weg zum Haftprüfungstermin.

1952 zog das Magazin von Hannover nach Hamburg um – ins Pressehaus am Speersort, wo damals auch die „Zeit“, der „Stern“, das „Hamburger Echo“ und die „Hamburger Morgenpost“ ihren Sitz hatten. Das Gebäude war dann Schauplatz des größten politischen Skandals, den es bis dahin in der Bundesrepublik gegeben hatte: ein Skandal, in dessen Mittelpunkt der „Spiegel“ selbst stand.

Wie es weitergeht? Das hören Sie in unserem Podcast.

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