Trump-Anhänger belagern das Kapitol, die Polizei bleibt zunächst tatenlos.
  • Trump-Anhänger belagern das Kapitol, die Polizei bleibt zunächst tatenlos.
  • Foto: imago images/ZUMA Wire

Vergleich mit „BLM“: Schock über Polizei-Vorgehen am Kapitol: „unglaublich beschämend“

Washington –

Trump-Anhänger stürmen das Kapitol. Sie machen Selfies mit Statuen, legen die Füße auf den Schreibtisch der Demokratin Nancy Pelosi – sorgen für Chaos und Verwüstung. Der Sitzungssaal muss evakuiert, die Abgeordneten in Sicherheit gebracht werden. Für die CNN-Journalistin Abby Phillip ist klar: Die Demonstranten von Black-Lives-Matter wären nie so weit gekommen.

Nicht nur die Bilder der marodierenden Trump-Anhänger sorgten für Aufsehen. Auch das, was in all dem Chaos und der Gewalt lange nicht zu sehen war – das harte Durchgreifen der Polizei, die Nationalgarde im Einsatz, kurz: der energische Kampf gegen die Randalierer. Ungestört verweilten die Trump-Anhänger mit wehenden Fahnen auf den Treppen, am Eingang und im Inneren des Kapitols.

Washington: Trump-Anhänger verweilen ungestört am Kapitol

An einem Nebeneingang stand zwar eine Reihe von Polizisten – doch diese wirkten über eine lange Zeit hinweg teilnahmslos. Erst viel zu spät wurden die zusätzlichen Einsatzkräfte mobilisiert, denen es schließlich auch gelang, die Trump-Anhänger zurückzudrängen.

Im Sommer konnte Trump die Soldaten hingegen gar nicht schnell genug rufen: So kamen diese bereits zum Einsatz, als sich Black-Lives-Matter-Demonstranten auf dem Lafayette Square vor dem Weißen Haus aufhielten. Mit Nebelkerzen und Tränengas räumten die Soldaten kurzerhand die Straße – damit Trump mit einer Bibel vor einer Kirche für Fotografen posieren konnte.

CNN-Journalistin macht auf Unterschied im Umgang mit BLM-Demos aufmerksam 

Bei CNN bringt die Journalistin Abby Phillip den auffällig anderen Umgang mit den BLM-Demonstranten und den Trump-Fans auf den Punkt: „Vor ein paar Monaten in Washington – wo wir leben und wo wir arbeiten – konnte man nicht die Straße hinunterfahren, ohne von Fahrzeugen der Nationalgarde, von der Strafverfolgung jeder Art und jeder Streife gestoppt zu werden“, so die Journalistin.

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Sie ergänzt: „Jeder Block dieser Stadt war wegen der Black-Lives-Matter-Demonstranten abgeriegelt. Jetzt haben Sie Tausende von bewaffneten Demonstranten, die zufällig alle Trump-Anhänger und überwiegend weiß sind. Sie haben das Kapitol mit Gewalt gestürmt, jemand wurde erschossen, Scheiben zerbrochen, Gesetzgeber sind evakuiert und tragen Gasmasken. Und wir schauen auf diese Bilder und fragen: Wo ist die Strafverfolgung?“

Doch nicht nur die Demonstranten von Black-Lives-Matter wurden von Polizisten und Soldaten hart und schnell bekämpft. Ähnlich erging es im Sommer 2018 dutzenden Frauen im Kongress, die mit friedlichen Sitzstreiks gegen den Supreme-Court-Richter Brett Kavanaugh protestierten – man legte sie sofort in Handschellen. Und auch Jane Fonda wurde zügig abgeführt, als sie in der Rotunda gegen die Klimapolitik demonstrierte.

Zurückhaltung der Einsatzkräfte auffällig

Doch dieses Mal war es anders: Trump nahm seine Anhänger per Twitter nicht nur in Schutz, er lobte sie sogar: „Wir lieben euch. Ihr seid sehr besonders“. Die Präsidenten-Tochter Ivanka Trump bezeichnete die Randalierer als „Patrioten“.

Und: Der US-Präsident kündigte keine Verstärkung an. Er rief auch nicht dazu auf, dass das Bundesgebäude und die Menschen, die dort drinnen arbeiten, geschützt werden müssen. „Das ist unglaublich beschämend“, so Abby Phillip.

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