Warten auf den Piks: Fünf Millionen Chilenen haben schon eine Erstimpfung erhalten.
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Sogar schneller als Israel: Dieses Land ist der neue Corona-Impfweltmeister

Santiago de Chile –

Corona-Impfweltmeister – dieser Titel gehörte bislang Israel. Eine Weile wird man ihn dort wohl auch noch verteidigen, zumindest was den Anteil der Geimpften an der Bevölkerung angeht. Allerdings: Bei den verimpften Dosen pro 100 Einwohner innerhalb einer Woche liegt ein anderes Land mittlerweile vorn, und zwar Chile. Damit dürften die Südamerikaner bald auch beim Geimpften-Anteil aufholen. Geschafft hat das kleine Land das mit einem klaren und zugleich pragmatischen Plan.

Das hätte sich Izkia Siches Pastén auch nicht träumen lassen, als sie 2004 mit dem Medizinstudium an der Universidad de Chile begann: Im Februar setzte das „Time Magazine“ die heute 35-Jährige auf seine Liste mit 100 zukünftig wichtigen Führungspersönlichkeiten. Der Grund: Die Chefin der chilenischen Ärztevereinigung und Beraterin des Präsidenten Sebastián Piñera gilt als eine der Architektinnen von Chiles Impferfolg.

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Eins der Gesichter des chilenischen Impferfolgs: Dr. Izkia Siches Pastén

Foto:

imago images/Aton Chile

„Ein neuer Grund, stolz zu sein“

„Heute haben wir einen neuen Grund, stolz zu sein: Chile hat den ersten Platz im weltweiten Ranking der (innerhalb der letzten sieben Tage) verabreichten Dosen pro 100 Einwohnern eingenommen“, schrieb die Regierung am Dienstag auf Twitter. Laut dem Statistik-Portal „Our World in Data“ hat Chile im Schnitt der vergangenen sieben Tage 1,08 Dosen am Tag pro 100 Einwohner verimpft – Israel 1,03.

Chile impft im Akkord: Insgesamt hat das 18-Millionen-Einwohner-Land seit Beginn der Kampagne im Dezember knapp 4,2 Millionen Menschen mindestens eine Dosis verabreicht – das entspricht gut 21 Prozent der Bevölkerung. Allein im Februar erhielten binnen 21 Tagen mehr als drei Millionen Menschen die Erstimpfung. Am Montag registrierte Chile einen Tagesrekord mit 319 ​014 Geimpften.

Von Beginn an klare Impfstrategie

Doch wie schaffte das Land einen solchen Erfolg, von dem hierzulande noch geträumt wird? Von Anfang an setzte Präsident Piñera auf eine klare Impfstrategie. Sicher auch, weil der Konservative unter Druck steht – schon Monate vor der Pandemie gab es soziale Unruhen, die teils bis heute anhalten. Doch der Impf-Erfolg könnte für ihn eine Wende bedeuten.

Seit Mai 2020 hat das Land einen Sonderbeauftragten für die Impfstoffbeschaffung. Schon früh sicherte man sich 35 Millionen Impfdosen. Zehn Millionen wurden bereits verimpft. 20 Prozent stammen von Biontech-Pfizer, 20 von AstraZeneca und der größte Teil vom chinesischen Anbieter Sinovac. Piñera und Chinas Präsident Xi Jinping pflegen guten Kontakt.

Alle Impfstoffe in Chile getestet

Alle Impfstoffe wurden in klinischen Studien in Chile getestet. Die klare Kommunikation: Die Vakzine sind sicher und helfen. Es gibt kaum  Impfgegner, auch Medien und Politik schießen nicht quer. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Impfungen ist hoch. Zudem wurden schnell und unbürokratisch 1300 Impfzentren aufgebaut. Hier wurden dank Izkia Siches Pastén öffentliche Gesundheitsstrukturen nicht nur genutzt, sondern sogar ausgebaut. Die Infektiologin, die aus dem indigenen Volk der Aymara stammt, setzte sich explizit hierfür ein.

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Besondere Priorität hatte die Impfung von Lehrerinnen und Erziehern, bis 1. März bekamen alle eine erste Dosis. So gut wie jede*r Chilen*in hat bereits einen Termin. Bis Mitte des Jahres sollen 80 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Das wäre auch bitter nötig, die Infektionszahlen sind weiterhin hoch: Allein am Dienstag gab es 4507 Neuansteckungen.

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