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Reaktion auf „GameStop“-Boom: Facebook schließt Broker-Chat – Politiker will Anhörung

Washington –

Der US-Aktienhandel hat die Expertennische verlassen: Online-Debatten über Aktien haben in den vergangenen Tagen für massive Kursturbulenzen gesorgt. Facebook hat sich nun eingeschaltet und eine Diskussionsgruppe geschlossen, die besonders bei privaten Anlegern beliebt war. Selbst die Politik meldet sich zu Wort – der Vorsitzende des Bankenausschusses fordert dieselben Regeln für alle.

Facebook hat die beliebte Aktienhandels-Gruppe „Robinhood Stock Trades“ geschlossen. Der Gründer des Wall-Street-Diskussionsforums, Alan Tran, berichtete, das soziale Netzwerk habe ihn kontaktiert mit der Nachricht, dass die 157.000 Mitglieder starke Gruppe wegen Verletzung des Regelwerks gesperrt wurde. Auch Facebook selbst bestätigte das, wie die „Faz“ berichtete.

Facebook schiebt „Robinhood“ Riegel vor

Hinter der Reaktion von Facebook verbirgt sich ein Duell am amerikanischen Aktienmarkt. Der Händler für Computerspiele „GameStop“ hatte zuletzt finanziell hart zu kämpfen: Ende 2020 lagen dessen Aktien bei einem Rekordtief von 2,57 Dollar. Doch dann kam der große Boom: Mittlerweile ist „GameStop“ an der Börse über 20 Milliarden Dollar wert. Grund für diesen rapiden Wert-Gewinn sind Kleinanleger, die seit Mitte Januar bei „GameStop“ einsteigen und so den Börsenwert der Einzelhandelskette deutlich erhöhten. 

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Doch das Mitmischen der Kleinanleger passte den professionellen Investoren gar nicht, da sie auf fallende Kurse der Aktie gewettet hatten und für sie nun Milliarden auf dem Spiel stehen. „Robinhood“ schränkte daraufhin den Handel mit den Papieren so ein, dass sie nur noch verkauft, aber nicht mehr gekauft werden können. Die Restriktionen führten wiederum zu großem Ärger bei den Anlegern, die sich ausgebremst sahen. Der Online-Broker „Robinhood“ geriet dadurch massiv in die Kritik und in den Verdacht, Kleinanleger gegenüber Wall-Street-Großinvestoren zu benachteiligen

Washington: US-Aktienhandel wird zum Politikum

Die Aufregung um die extremen Kurskapriolen der „Gamestop“-Aktien und anderer Unternehmen am US-Finanzmarkt hat nun endgültig auch die politische Ebene erreicht. Der künftige Vorsitzende des Bankenausschusses im US-Senat, Sherrod Brown, kündigte am Donnerstag (Ortszeit) eine Anhörung „zum aktuellen Zustand des Aktienmarkts“ an.

Es sei an der Zeit für die Börsenaufsicht SEC und den Kongress dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft für alle funktioniere, nicht nur für die Wall Street. „Die Leute an der Wall Street scheren sich nur um die Regeln, wenn sie diejenigen sind, denen es wehtut“, hieß es in Browns Statement.

Dass „Robinhood“ den Handel mit den Papieren so einschränkte, dass sie nur noch verkauft, aber nicht mehr gekauft werden können, könnte nun zum Politikum werden und eine größere Debatte um Regulierung lostreten. Laut US-Medien plant auch die Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus, Maxine Waters, eine Anhörung.

Dabei soll es um die jüngsten Turbulenzen am Finanzmarkt und um die Rolle von Hedgefonds dabei gehen. Auch andere ranghohe Politiker der demokratischen Partei wie Elizabeth Warren und Alexandria Ocasio-Cortez forderten Aufklärung. Vertreter der republikanischen Partei äußerten ebenfalls Unverständnis für „Robinhoods“ Entscheidung.

Handelsbeschränkung für Wertpapiere wieder gelockert

Nach dem Sturm der Empörung und ersten Klagen von Anlegern, die sich um Kursgewinne gebracht sehen, kündigte „Robinhood“ am Abend an, die Handelsbeschränkungen für die Wertpapiere wieder zu lockern. Die Aktien von „GameStop“ stiegen daraufhin im nachbörslichen Handel um über 70 Prozent, die von „AMC“ um fast 50 Prozent.

Auch die Papiere anderer Unternehmen wie etwa des Smartphone-Pioniers Blackberry, für die ebenfalls Einschränkungen galten, legten kräftig zu. „Robinhood“-Chef Vlad Tenev erklärte im US-Finanzsender CNBC, die Handelsbeschränkungen seien zum Schutz des eigenen Unternehmens und seiner Kunden beschlossen worden. (vd/dpa)

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