• Eigentlich für seine Schmusesongs bekannt: Xavier Naidoo
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Entsetzte Reaktionen nach Naidoo-Beichte: „Das ist nicht Xavier..!!!“

Das dürfte für viele überraschend kommen: In einem Entschuldigungs-Video sagt Schmusesänger Xavier Naidoo sich von Verschwörungstheorien los. Und bittet seine Fans „um Verzeihung“. Welche Fehler er genau bereut – das bleibt meist vage. Ganz klar aber distanziert sich der Mannheimer von Rechtsradikalen und von Antisemiten. Der Grund für seinen Sinneswandel? Offenbar die Liebe. Kurz nach Veröffentlichung gab es erste Reaktionen der Telegram-Gemeinde ..

#OneLove – so heißt das Video Naidoos, das er am Dienstag veröffentlichte. Eine Liebe. In den vergangenen Jahren war er vor allem durch seine immer größer werdende Liebe zu immer abstruseren Verschwörungs-Welten aufgefallen. Eine US-Elite, die im Keller einer Pizzeria in Washington Kinderblut säuft? Weinend berichtete Naidoo seinen Fans von diesem Unfug. Die Corona-Impfung? Laut Xavier ein von oben gesteuertes Verbrechen, das zur „Zombie-Apokalypse“ führen soll.

Naidoo: „Ich habe Dinge gesagt, die ich heute bereue“

Sichtlich angefasst berichtet Naidoo nun in drei Minuten und 14 Sekunden, dass er sich geirrt habe. „Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue.“ Und: „Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe.“ Welche Irrwege das genau sind, sagt er zwar nicht. Dafür reichen aber auch keine gut drei Minuten – zu viele waren es zuletzt.

„Ich war von Verschwörungs-Erzählungen geblendet und habe sie nicht genug hinterfragt, habe mich zum Teil instrumentalisieren lassen,“ so der frühere Frontmann der Söhne Mannheims. Zuletzt wollte seine alte Band nicht mehr mit ihm auftreten. Dafür aber – Stichwort instrumentalisieren – sang er mit rechten Hooligans wie dem Sänger der Band Kategorie C gegen das Impfen an, seine Fan-Base in der Reichsbürger- und QAnon-Szene wuchs immer mehr. Auf entsprechenden Veranstaltungen und „Spaziergängen“ laufen seine Songs rauf und runter.

Klare Distanzierung von rechts – zumindest jetzt

Am Klarsten ist Xavier Naidoo in seinem Video da, wo es um rechte Gruppen und Ideen geht: „Ich stehe für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus sind mit meinen Werten nicht vereinbar.“ Wer ihn kenne, wisse das. Und tatsächlich: Viele Fans hatten ihn bis zuletzt verteidigt, schließlich hatte er sich früher oft gegen rechts gewandt.


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Gleichzeitig hatten problematische Töne auch schon immer zu seinem Repertoire gehört. Ende 2021 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass er öffentlich als „Antisemit“ bezeichnet werden darf.

Xavier Naidoo: „Meine Frau ist Ukrainerin“

Und woher nun der Sinneswandel? „Meine Frau ist Ukrainerin“, so Naidoo. Noch Mitte März hatte er Kreml-Propaganda auf Telegram geteilt, das Z-Symbol für den russischen Sieg im Ukrainekrieg gefeiert, das in einigen Bundesländern verboten ist. Sowohl bei Corona-Leugnern als auch bei Rechtsradikalen herrscht teils große Begeisterung für Putin.

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Aber offenbar haben Freunde und Verwandte Naidoo nun den Kopf gewaschen. Vor allem die aus der Ukraine. „Aus diesem wunderschönen Land“ habe er die rausholen müssen. Und sei ihnen dankbar, dass sie ihm die Augen geöffnet hätten. Bei seinen Fans entschuldigt er sich. Und meint damit offensichtlich eher die alten Fans von früher. Vermutlich hat er wegen der neuen die Kommentarfunktion des Videos lieber abgeschaltet.

Telegram-Nutzer: „Das ist nicht Xavier..!!!“

Auf Telegram allerdings meldete sich die Verschwörungs-Fangemeinde dafür umso lauter zu Wort. Die Emotionen zusammengefasst: entsetzt. Einige wittern hinter Naidoos Beichte sogar schon wieder die nächste Verschwörung.

Einer glaubt, dass Xavier extra die Brille abgenommen habe (macht er tatsächlich selten wegen seiner Augen-Krankheit), um seinen Fans zu signalisieren, dass er zu den Statements gezwungen wurde. Vielleicht erpresst mit seinen Verwandten in der Ukraine? So die Mutmaßung anderer. Der nächste hat gleich Augenproportionen, Körperhaltung und Stimme analysiert: Das Video muss Fake sein! „Nein.. Das ist nicht Xavier..!!!“, schreibt er. Mit drei Ausrufezeichen.

Andere sind einfach wahnsinnig „enttäuscht von ihm“. Einer schreibt: „Er ist allen in den Rücken gefallen.“ Und Verschwörungs-Kumpel Michael Wendler sagt schlicht: „Viele Fragen sich nun, was zum Teufel seine Aussagen bedeuten.“ Da hat er in jedem Fall Recht, der Wendler .. (km)

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