R.Kelly im Gericht
  • R. Kelly nach einer Anhörung vor Gericht 2019.
  • Foto: picture alliance/dpa/AP | Amr Alfiky

Frauen misshandelt? Superstar R. Kelly schweigt

Der unter anderem wegen sexueller Ausbeutung Minderjähriger, Kidnapping und Bestechung angeklagte frühere Pop-Superstar R. Kelly (54) will im Prozess nicht aussagen. Er wolle sich nicht selbst zu den Vorwürfen gegen ihn äußern, sagte Kelly am Mittwoch vor Gericht in New York. Zuvor hatten seine Anwälte bereits angedeutet, dass eine Aussage des Musikers unwahrscheinlich sei.

Am Montag hatte die Staatsanwaltschaft nach rund fünf Wochen mit 45 Zeugenaussagen ihr Plädoyer gegen R. Kelly abgeschlossen. Im Anschluss nahmen die vier Verteidiger des Musikers ihr Plädoyer auf. Sie präsentierten mehrere Zeugen, die aussagten, dass sie nie gesehen hätten, dass Kelly Frauen misshandelt habe.

Staatsanwältin: Kelly hatte „Ring an Unterstützern“

Staatsanwältin Elizabeth Geddes sagte am Mittwoch vor den Geschworenen in New York, dass der Sänger „Lügen, Manipulation, Drohungen und körperlichen Missbrauch“ einsetzte, um jahrzehntelang ungestraft Frauen und Teenager zu missbrauchen. Laut Geddes hatte Kelly einen ganzen „Ring an Unterstützern“, die für ihn systematisch Opfer rekrutierten und ihn schützten.

In den Prozesstagen zuvor hatte die Verteidigung fünf Zeugen – ehemalige Angestellte und einen Kindheitsfreund Kellys – befragt. Alle waren sich einig in ihrer Aussage: Sie hätten den Missbrauch nicht gesehen. Anders die 45 Zeugen davor: Mehrere Frauen sagten aus, sie seien vergewaltigt, geschlagen, unter Drogen gesetzt und eingesperrt worden. Manchmal sei ihnen Essen oder der Gang zur Toilette verweigert worden.


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Die Anklage konzentriert sich auf den Missbrauch von sechs Frauen, darunter auch die 2001 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene Sängerin Aaliyah. Sechs der mutmaßlichen Opfer waren minderjährig, als Kelly den Missbrauch begonnen haben soll. Viele Opfer sagten auch, der Sänger habe den Sex regelmäßig gefilmt, Eine Frau sagte, Kelly habe sie als Teenager zu einer Abtreibung gezwungen. Vier Frauen sagten, sie hätten sich nach sexuellen Kontakten mit dem Sänger mit Herpes angesteckt. Der 54-Jährige habe ihnen seine Infektion jedoch verschwiegen.

Missbrauchsprozess: R. Kelly weist alle Vorwürfe zurück

Im Kreuzverhör versuchten die Verteidiger, die Ankläger als gekränkte Fans darzustellen, die nach dem Ende der Beziehung mit dem Superstar „gehässig“ wurden.

Der 54-Jährige weist derweil alle Vorwürfe zurück und hat auf nicht schuldig plädiert. Die Schlussplädoyers werden voraussichtlich mindestens bis Donnerstag andauern. Frühestens Ende der Woche entscheidet eine Jury aus zwölf Geschworenen, sieben Männern und fünf Frauen, dann über Kellys Schicksal.

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Bei einer Verurteilung droht dem Sänger, der seit seiner Festnahme im Sommer 2019 im Gefängnis sitzt, eine Haftstrafe von zehn Jahren bis lebenslang. (mp/dpa)

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