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Anne Will Abschied letzte Sendung
  • Blumen und Umarmungen zum Abschied: Anne Will moderierte am Sonntagabend ihren letzten ARD-Talk.
  • Foto: ARD (Screenshot)

„Echte Ehre“: So emotional verabschiedete sich Anne Will nach ihrem letzten Talk

„Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, für das große Vertrauen und das Interesse, dass sie uns entgegengebracht haben“: Mit diesen Worten hat sich Moderatorin Anne Will am Sonntagabend von ihren Zuschauern verabschiedet. „Wir haben in den 16 Jahren ja etliche Stunden mit einander verbracht“, schob die 57-Jährige bei der letzten Ausgabe der nach ihr benannten Politik-Talkshow in der ARD hinterher. Später wurde es im TV-Studio emotional.

„Mir war das eine Freunde und ich sag‘ es auch – auch wenn es ein bisschen pathetisch klingen mag: Es war mir eine echte Ehre“, sagte die Moderatorin. Will kündigte an, die Zusammenarbeit mit NDR und ARD fortsetzen zu wollen. Die Moderatorin dankte ihrem Team – „wirklich tollen, tollen Kolleginnen und Kollegen“, sagte sie. Diese werde sie vermissen und „nie vergessen, was sie hier geleistet haben“.

Habeck zu Anne Will: „War schon stilprägend“

Zu Gast bei Wills letztem ARD-Talk waren Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Schriftsteller Navid Kermani, Historiker Raphael Gross und die Zukunftsforscherin Florence Gaub. Auch die Talkgäste bedankten sich bei Will. „Danke Ihnen für 16 Jahre Aufklärung, das war schon stilprägend“, sagte Robert Habeck. Thema der Sendung war: „Die Welt in Unordnung – Ist Deutschland den Herausforderungen gewachsen?“

Zum Abschluss lief ein Zusammenschnitt mit ausgewählten Ausschnitten aus Wills mehr als 550 Talkrunden. Hinterher wurde es emotional: Wills Team kam ins Studio, beklatschte die Moderatorin, es gab zahlreiche Umarmungen und Blumensträuße für die Polit-Talkerin. Die 57-Jährige war sichtlich bewegt, bedankte sich immer wieder.

Anne Wills Team kam zum Abschied ins TV-Studio in Berlin. ARD (Screenshot)
Anne Wills Team kam zum Abschied ins TV-Studio in Berlin.
Anne Wills Team kam zum Abschied ins TV-Studio in Berlin.

„Anne Will“ endet nach 16 Jahren

Will gibt Ihre Talkshow nach 16 Jahren auf. Den Top-Sendeplatz unter den politischen Talkshows – direkt nach dem „Tatort“, der sonntags von mehreren Millionen Menschen in Deutschland geschaut wird – übernimmt Ex-„Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga (54). Ihre Sendung (aktueller Arbeitstitel laut NDR: „Miosga“) soll im Januar 2024 starten.

Miosga konkurriert dann wie Will mit der ZDF-Konkurrenz Maybrit Illner („Maybrit Illner“) und Markus Lanz („Markus Lanz“) sowie bei der ARD mit Sandra Maischberger („Maischberger“) und Louis Klamroth („hart aber fair“). Allerdings hat keiner dieser Talkmoderatoren zeitgleich mit Miosga die eigene Sendung.

Anne Will will „Neustart“ im kommenden Jahr

Was Anne Will, die früher viele Jahre die „Tagesthemen“ im Wechsel mit Ulrich Wickert (80) präsentierte und davor bei der „Sportschau“ war, künftig machen wird, hat sie noch nicht bekanntgemacht. Im Januar hatte der Norddeutsche Rundfunk (NDR), der für „Anne Will“ in der ARD zuständig ist, mitgeteilt, dass sie neue Projekte angehen wolle, „über die sie sich auch mit dem NDR bereits im Gespräch befindet“.

Der öffentlich-rechtliche Sender äußerte sich seither nicht mehr zu möglicher Zusammenarbeit. Von Will hieß es in der gemeinsamen Pressemitteilung damals: „2024 ist Neustart angesagt! Dann ist Zeit für Veränderung, andere Projekte, neue Perspektiven.“

Laut NDR sahen 2022 im Schnitt mehr als 3,6 Millionen Menschen (Marktanteil 15,1 Prozent) den Polit-Talk. 2021 waren es 4,12 Millionen. Ein Blick auf frühere Jahre: 2010 waren es laut Sender 4,18 Millionen Zuschauer, 2020 3,97 Millionen. 2015 – Sendeplatz Mittwoch – dagegen nur 1,48 Millionen. 553 Ausgaben kamen in 16 Jahren mit mehr als 1300 Gesprächsgästen zusammen.

Anne Will musste für Günther Jauch den Platz räumen

2011 wechselte der Sendeplatz ihrer Talkshow, die in Berlin produziert wird, auf den Mittwoch. Der Grund: Der Sonntagabend-Platz wurde für Moderator Günther Jauch freigeräumt und Will musste das Feld räumen. In einem „Spiegel“-Interview hatte Will 2010 eine „monatelange Hängepartie“ beklagt und gesagt: „Das war unschön. Das kann man besser machen.“ 2016 kehrte sie wieder zurück auf den Sonntagabend.

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Die in Köln geborene Journalistin begann ihre Karriere im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sie machte beim Sender Freies Berlin (SFB, später RBB) ein Volontariat und arbeitete dann erst einmal dort im Radiobereich. In einer Sendung auf Radio eins (RBB) anlässlich 100 Jahre Radio, sagte sie kürzlich im Gespräch mit der neuen „Tagesthemen“-Moderatorin Jessy Wellmer: „Ich habe wirklich wahnsinnig gerne fürs Radio gearbeitet.“ Ihr Ziel sei es gewesen, die „rasend schnelle Radioreporterin“ zu werden. „Hat nicht ganz geklappt, aber ist trotzdem ok gelaufen.“

Politiker wussten um die Bedeutung der Sendung „Anne Will“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) etwa suchte sich gleich mehrmals die Journalistin für Einzelinterviews aus, um ihre Botschaften zu platzieren. (due/dpa)

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