Prinz Harry und Herzogin Meghan
Prinz Harry und Herzogin Meghan
  • Prinz Harry und Herzogin Meghan kritisieren in der Doku den Umgang der Royals mit Rassismus.
  • Foto: picture alliance/dpa/PA Wire | Danny Lawson

Harry spricht in Doku über „Fehler meines Lebens“ und Rassismus – Royals sauer

Hat Harrys und Meghans neue Netflix-Doku das Zeug zur Eskalation ihres jahrelangen Konflikts mit dem Palast? Persönliche Angriffe gegen einzelne Royals gibt es – zumindest in den ersten drei Folgen – zwar keine. Trotzdem fährt das Paar schwere Geschütze auf.

So deutlich hat sich wohl noch kein britischer Royal zur Verantwortung der eigenen Vorfahren bekannt: Prinz Harry (38) hat in der neuen Netflix-Dokuserie „Harry & Meghan“ den Umgang des Königshauses mit Kolonialismus und Sklaverei kritisiert und dessen Beziehung zu den Boulevardmedien infrage gestellt.

„In dieser Familie ist man manchmal mehr Teil des Problems als Teil der Lösung“, sagte der 38-Jährige in der dritten Folge der insgesamt sechsteiligen Dokumentation, die ein Schlaglicht auf die Ausbeutung von Menschen in den früheren britischen Kolonien und die Verstrickung der Königsfamilie wirft.

Netflix-Doku: Prinz Harry kritisiert Kolonialgeschichte und Königshaus

In den drei am Donnerstag veröffentlichten Folgen erzählen Harry und Meghan die Geschichte ihrer Beziehung sowie des Bruchs mit der Königsfamilie und Meghans Vater aus ihrer eigenen Perspektive. Angereichert sind die Interviewausschnitte mit privaten Handyaufnahmen aus dem Familienleben, Äußerungen von Weggefährten und Experten sowie TV-Aufnahmen von royalen Events.

In der Netflix-Doku sprechen Harry und Meghan über ihre Beziehung und die Royals. picture alliance/dpa/Netflix | Uncredited
Szene aus Netflix-Doku
In der Netflix-Doku sprechen Harry und Meghan über ihre Beziehung und die Royals.

Bereits wenige Stunden nach dem Erscheinen deutet sich neuer Streit mit dem Königshaus an: Die britische Nachrichtenagentur PA meldete unter Berufung auf royale Kreise, weder der Palast noch einzelne Mitglieder der Royal Family seien angefragt worden. Ein Hinweis bei Netflix suggeriert das Gegenteil: „Mitglieder der Königlichen Familie wollten die Inhalte dieser Serie nicht kommentieren“, heißt es ganz zu Beginn der ersten Folge in weißen Buchstaben auf schwarzem Hintergrund.

Aussage steht gegen Aussage – für den Monarchie-Experten Craig Prescott von der walisischen Universität Bangor ein Zeichen dafür, wie schlecht die Kommunikation zwischen Harry und Meghan und der Institution mittlerweile funktioniert. „Das ist wirklich merkwürdig“, sagt Prescott im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

„Harry & Meghan“-Doku: „Schmutziger Pakt mit den Medien“

Viel Raum in der Doku bekommt erneut die aus Sicht des Paares unerträgliche Verfolgung durch britische Boulevardmedien, deren Geschichten ihrer Darstellung nach oft reine Erfindungen – und manchmal richtig bösartig – seien.

„Es ist meine Pflicht, die Ausbeutung und Bestechung in unseren Medien aufzudecken“, sagt Harry. Er schlägt einen Bogen von den Kindheitserfahrungen mit dem Medienrummel um seine Mutter Prinzessin Diana bis zu seiner Frau Meghan und beklagt „das Leid, das Frauen widerfährt, die in diese Familie einheiraten“. Er habe große Angst gehabt, dass sich die Geschichte wiederholen könne. Diana war im Sommer 1997 bei einem tragischen Autounfall auf der Flucht vor Paparazzi ums Leben gekommen. Dem Palast wirft er vor, einen schmutzigen Pakt mit den Medien eingegangen zu sein, um die eigene Popularität zu sichern: „Die Presse-Meute der royalen Korrespondenten ist eigentlich nur ein verlängerter PR-Arm der Royal Family“, so Harry.

Harry: „Einer der größten Fehler meines Lebens“

Noch schwerer dürften jedoch die Vorwürfe zum Thema Rassismus wiegen. Bereits im vergangenen Jahr hatten Harry und Meghan (41) in einem aufsehenerregenden Interview mit US-Talkmasterin Oprah Winfrey dem Palast Rassismus und mangelnde Unterstützung vorgeworfen. Erst vor wenigen Tagen musste eine langjährige Hofdame den Palast verlassen, nachdem sie bei einem Empfang mit rassistischen Fragen aufgefallen war.

Nun führt Harry das Problem weiter aus: Es gebe in der Königsfamilie ein riesiges Maß an unbewussten Vorurteilen, sagt der Sohn von König Charles III. – und zeigt sich dabei auch selbstkritisch. Das Tragen eines Nazi-Kostüms bei einer Party im Jahr 2005 bezeichnete er als „einen der größten Fehler meines Lebens“. Der inzwischen 38-Jährige war damals bei einem privaten Kostümfest in einer Uniform mit Hakenkreuz-Armbinde erschienen. Fotos davon hatten rasch in die Medien gefunden und einen Sturm der Empörung ausgelöst. „Ich habe mich so geschämt danach, ich wollte es einfach nur wieder in Ordnung bringen“, sagte er. Er habe sich nach dem Vorfall mit dem Chefrabbiner in London getroffen und in Berlin mit Holocaust-Überlebenden.

Medienberichte: Royal-Family soll „betrübt“ auf Doku reagiert haben

Die Royal Family hat nach Berichten britischer Boulevardzeitungen betrübt auf die ersten Folgen der Netflix-Doku reagiert. Die königliche Familie sei „in einem Zustand der Traurigkeit“, schrieb die „Sun“ in der Nacht zum Freitag. Es gebe keinen Weg zurück in den inneren Zirkel, zitierte das Blatt Palast-Insider. Der „Mirror“ schrieb, Harrys älter Bruder Prinz William sei „stocksauer“.

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Dem Thronfolger stoße vor allem übel auf, dass Netflix Szenen aus dem berühmten BBC-Interview seiner Mutter Prinzessin Diana genutzt habe, in dem sie 1995 über die Affäre ihres Ex-Mannes Charles, des heutigen Königs, berichtet hatte. William sei davon ausgegangen, dass die Ausschnitte nie wieder gezeigt würden und dass er mit seinem Bruder darin übereinstimme. Nun fühle er sich betrogen. Laut „Mirror“ sollen William und Ehefrau Prinzessin Kate zudem Aussagen von Harry als „besonders schmerzhaft“ empfunden haben, der nahelegte, dass die Männer der Familie nicht aus Liebe heirateten. (dpa/vd)

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