Soldatenmütter
  • Mitglieder des „Komitee der Soldatenmütter Russlands“ (Archivbild)
  • Foto: picture-alliance / dpa | Viktor_Maschatin

Vor ihnen muss Putin jetzt Angst haben

Während hierzulande Tausende für den Frieden auf die Straße gehen, keimt auch in Russland Widerstand. Wenig noch, doch die Proteste werden größer. Und der Rückhalt in der Bevölkerung ist auch deutlich geringer als bei der Krim-Annexion 2014. Hat Wladimir Putin sich verrechnet? Vor einigen Protestierenden muss er wohl wirklich Angst haben.

Noch ist es ein zartes Pflänzchen, das da wächst in Moskau, St. Petersburg und anderswo im Land. Schließlich bestreiten die Staatsmedien weiter, dass es sich in der Ukraine überhaupt um einen „Krieg“ handelt. Und die Repressionen gegen Proteste sind immens. Bereits über 7500 Menschen sollen verhaftet worden sein. Doch genau dieses harte Vorgehen könnte nun zum Bumerang für Putin werden. 

Sieben- bis Zehnjährige in Gewahrsam genommen

Weinende Kinder hinter Gittern – diese Bilder dürften dem Ansehen des russischen Präsidenten nicht geholfen haben. Erst kursierten Videos von dem Vorfall, später berichteten die Moskauer Zeitung „Nowaja Gazeta“ und andere Medien.

Offenbar hat die Moskauer Polizei am Dienstag mehrere Grundschulkinder zwischen sieben und zehn Jahren in Gewahrsam genommen. Sie hätten mit ihren Müttern Blumen vor der ukrainischen Botschaft ablegen wollen. Die Videos zeigen verängstigte Kinder, die unter Tränen nach den Händen ihrer Mütter greifen. Einige halten noch ihre Schilder in der Hand, auf denen „Kein Krieg“ steht. Über ihr weiteres Schicksal steht nichts in dem Bericht.

Bürgerrechtsportal: Mehr als 7500 Festgenommene

Offiziellen Angaben zufolge sind die Demonstrationen wegen des Infektionsschutzes verboten. Laut unabhängigen Stellen wie dem Bürgerrechtsportal Owd-Info sind mittlerweile mehr als 7500 Menschen in Gewahrsam genommen worden. Allein am Mittwoch habe es Proteste in mehr als 25 Städten gegeben. Unter anderem hat nun auch der Oppositionelle Alexei Nawalny aus seiner Haft zu täglichen Versammlungen aufgefordert gegen den Krieg, den „unser offensichtlich wahnsinniger Zar entfesselt hat“.


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Neben den festgenommenen Kindern dürfte vor allem ihr Beispiel die Runde machen: In St. Petersburg wurde bei einem Protest die 77-jährige Yelena Osipova abgeführt. Sie ist nicht nur eine bekannte Künstlerin und putinkritische Aktivistin. Sie ist auch eine der letzten Überlebenden der Blockade von Leningrad, bei der deutsche und spanische Truppen vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944 die Stadt belagerten. Etwa eine Million Menschen verhungerten.

„Was für eine Schande“, kommentierte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). „Diese alte Frau weiß, warum man keine Zivilisten töten darf.“

„Komitee der Soldatenmütter“ richtet Hotline ein

Nicht zuletzt diese hochangesehene Institution dürfte für Putin zum Problem werden: das „Komitee der Soldatenmütter“ Russlands. Die vor über 30 Jahren gegründete Organisation hat eigens eine Hotline für besorgte Mütter eingerichtet, die Angst um ihre Söhne an der Front haben. Regelrecht überschüttet würden sie derzeit von Anfragen, heißt es in unabhängigen russischen Medien. Gut 5000 sollen bislang gefallen sein.

Die „Nowaja Gazeta“ berichtet: Viele der jungen Soldaten seien unter Zwang zur Unterschrift eines Zweijahresvertrags nach ihrer Grundausbildung getrieben worden. Etliche hätten gedacht, an einer „Militärübung“ teilzunehmen und nicht an einem Krieg gegen ein Brudervolk. Gestern  kursierten rührende Bilder eines jungen Soldaten, der sich der ukrainischen Seite ergab und darauf von Ukrainern mit Tee versorgt wurde und mit seiner Mutter telefonieren durfte.

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Kurz darauf verkündete das ukrainische Verteidigungsministerium: Russische Mütter dürften ihre gefangenen Söhne abholen – wenn sie dafür nach Kiew kommen. Falls solche Nachrichten sich in Russland verbreiten, wäre das Gift für die Putinsche Propaganda.

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