Impfpass
  • Den Sticker für die dritte Impfung haben bisher noch nicht viele Hamburger:innen in ihrem Impfpass (Symbolbild).
  • Foto: dpa

Stiko empfiehlt Booster für alle Erwachsenen

Jetzt ist es auch in Deutschland soweit: Die Ständige Impfkommission (Stiko) spricht sich für Corona-Auffrischimpfungen für alle Menschen ab 18 Jahren aus.

Die Impfung solle mit einem sogenannten mRNA-Impfstoff – also den Vakzinen von Biontech oder Moderna – erfolgen, teilte die Stiko am Donnerstagvormittag in Berlin mit. Sie solle im Regelfall sechs Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung verabreicht werden, im Einzelfall könne sie auch bereits nach fünf Monaten erwogen werden. Das Gremium verband seine Empfehlung zudem mit einem Aufruf an alle Ungeimpften, sich „dringend“ impfen zu lassen.

Booster: Empfehlung bislang nur für Geimpfte über 70

Eine Empfehlung für die Boosterimpfungen gab es bisher in Deutschland nur für Geimpfte über 70 Jahren sowie Menschen mit bestimmten schweren Grunderkrankungen. Die Ausweitung diene dabei neben der Aufrechterhaltung des individuellen Impfschutzes auch dem Ziel, „Infektionswellen abzuschwächen und zusätzliche schwere Erkrankungs- und Todesfälle zu verhindern“, erklärte die Stiko. „Bereits jetzt führen die schweren Covid-19-Erkrankungen zu einer besorgniserregenden hohen Belastung der intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten“, so das Gremium.

Zugleich bekräftigte die Stiko, dass trotz genereller Empfehlung weiter bevorzugt besonders gefährdete Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten sollten. Dazu gehörten Menschen über 70 Jahren, Bewohner von Pflegeheimen, Menschen mit krankheitsbedingter Immunschwäche sowie Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich. Im Rahmen der Impfkampagne gegen die Pandemie sollten zudem weiterhin „vordringlich“ Ungeimpfte immunisiert werden, die noch keinen vollen Grundimpfschutz hätten.

Booster für Erwachsenen: Kritik an zögerlicher Stiko-Entscheidung

Die Stiko und deren (ehrenamtlicher) Chef, Thomas Mertens, waren in den vergangenen Tagen aufgrund ihrer zögerlichen Entscheidung im Hinblick auf die Drittimpfung in Kritik geraten: Während andere Länder bereits alle Altersgruppen boostern, hielt die Stiko stur an ihrer Empfehlung fest, dies nur in der Gruppe Ü70 zu tun und mindestens sechs Monate Abstand zur zweiten zu halten. Auch letzteres gilt anderswo nicht.

Zu den Kritikern gehörte unter anderem Weltärztebund-Vorsitzender Frank Ulrich Montgomery. Die Impfkommission leiste zwar prinzipiell sehr gute Arbeit, sagte Montgomery am Donnerstag vor der Stiko-Entscheidung dem Sender Phoenix.„Aber sie hätte sich auch ein bisschen mehr beeilen können. Man muss manchmal auch von seinem wissenschaftlichen Pferd heruntersteigen, um schnell der Bevölkerung zu helfen“.

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Ständig sei man gegenüber anderen Ländern wie Israel, den USA und England im Hintertreffen und vollziehe die dort getroffenen Entscheidungen mit etlicher Verzögerung. „Darüber muss die Stiko nachdenken, ob sie nicht ein schnelleres Verfahren findet, denn die anderen Länder machen es uns vor – und führen uns vor“, so Montgomery weiter.

Dienstagnacht hatte Stiko-Chef Mertens in der Talkshow „Markus Lanz“ in Aussicht gestellt, dass die Stiko den Booster für alle Erwachsenen empfehlen werde. (due/afp/dpa)

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