Symbolbild Reiche
  • Reiche (Symbolbild) zahlen in Deutschland im Verhältnis besonders wenig in die Sozialsysteme ein.
  • Foto: Gary John Norman/Getty Images

So leicht haben es die Reichen in Deutschland

Die Corona-Krise hat den Reichen in Deutschland nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: Die Zahl der Millionäre ist sogar gewachsen. Das basiert auch darauf, dass Menschen mit besonders viel Einkommen besonders wenig zur Finanzierung der Sozialsysteme beitragen, wie neue Zahlen aus dem Bundesfinanzministerium zeigen.

Pandemie hin, Lockdown her: 1,535 Millionen Menschen in Deutschland konnten sich selbst im Jahr 2020 als Millionäre bezeichnen. Das geht aus dem jährlichen „World Wealth Report“ hervor, den die Unternehmensberatung Capgemini veröffentlicht.

Das bedeutet: Etwa jeder 54. Bundesbürger hat (umgerechnet) mindestens eine Millionen Dollar zur Verfügung. Im Vorjahr (2019) waren es „nur“ 1,466 Millionen Menschen. Ein Anstieg von knapp fünf Prozent.

Ungerechter Beitrag zu den Sozialkassen

Viele Reiche haben vor allem vom Aktienboom, steigenden Mieten und weniger Möglichkeiten zum Geldausgeben während der Pandemie profitiert. Gleichzeitig nutzt es Menschen mit hohem Einkommen auch, dass sie sich in Deutschland nur relativ wenig an der Aufrechterhaltung des Sozialstaats beteiligen müssen. Wer wenig oder durchschnittlich verdient, zahlt hingegen überdurchschnittlich viel in die Sozialkassen ein.

Bundesfinanzministerium
Das Bundesfinanzministerium in Berlin: Dort weiß man genau, dass Menschen mit niedrigem und durchschnittlichem Einkommen besonders viel in die Sozialkassen zahlen.

Wie aus einer Anfrage der Linkspartei an das Bundesfinanzministerium hervorgeht, verfügen Geringverdiener mit einem Jahreseinkommen von bis zu 30.000 Euro über 24 Prozent des Einkommens in Deutschland – und zahlen 36 Prozent der Sozialabgaben.

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Durchschnittsverdienern mit einem Jahreseinkommen zwischen 30.000 und 50.000 Euro steht 23 Prozent des Einkommens zur Verfügung – sie tragen aber 26 Prozent der Abgaben. Gutverdienende mit einem Einkommen zwischen 50.000 und 70.000 Euro stehen für 17 Prozent des Einkommens und tragen 18 Prozent der Sozialabgaben.

Spitzenverdiener zahlen besonders wenig

Danach drehe sich aufgrund der so genannten Beitragsbemessungsgrenzen das Verhältnis. So erzielen Besserverdienende mit einem Jahreseinkommen zwischen 70.000 und 110.000 Euro zwar 13 Prozent des Einkommens, tragen aber nur noch zu elf Prozent zu Sozialabgaben bei. Spitzenverdiener, die pro Jahr mehr als 110.000 Euro verdienen, stehen für 23 Prozent des Einkommens und neun Prozent der Abgaben.

Dietmar Bartsch
Dietmar Bartsch, Spitzenkandidat der Linken, will die Beiträge zu den Sozialkassen neu regeln.

„Es ist ungerecht und nicht hinnehmbar, dass Durchschnittsverdiener auf ihren kompletten Lohn Abgaben zahlen müssen, Spitzeneinkommen nur auf einen kleinen Teil“, sagte Linkenfraktionschef Dietmar Bartsch den Zeitungen der Funke-Mediengruppe und forderte die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenzen. „Der zwanzigtausendste Euro, den man im Monat verdient, darf nicht bei den Abgaben besser gestellt sein als der zweitausendste Euro.“

Die Ungleichheit bei der Förderung der Kinder

Wer weniger in die Sozialsysteme einzahlt, dem bleibt im Verhältnis auch mehr Geld übrig, um es in den eigenen Nachwuchs zu „investieren“. Das lässt sich auch in den Zahlen deutlich ablesen. Laut Statistischem Bundesamt geben die ärmsten zehn Prozent der Familien im Schnitt 424 Euro für Dinge wie Bildung oder Gesundheit ihrer Kinder aus. Bei den reichsten zehn Prozent sind es 1200 Euro im Monat. Fast drei Mal so viel.

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