Kind beim Unterricht
  • Ein Mädchen mit Maske beim Unterricht. Auch im kommenden Schuljahr wird wohl viel Distanz- und Wechselunterricht stattfinden müssen.
  • Foto: picture alliance/dpa | Uwe Anspach

Lässt die Politik die Schüler wieder im Stich?

Deutschland hat sich lockerer gemacht, die Fußball-EM begeistert und animiert viele zum Reisen. Momentan sind die Ansteckungszahlen in Deutschland sehr niedrig. Doch die Delta-Variante, die sich zuerst in Indien auftauchte, breitet sich weltweit gerade rasend schnell aus. Die Leidtragenden könnten in einigen Wochen vor allem die Schulkinder sein, die in ihrer Mehrheit nicht geimpft sein werden. Lässt die Politik sie im Stich?

So effektiv wie Sommerferien ist der Distanzunterricht an Schulen – der Lerneffekt liegt nahe Null. Das hat zumindest eine Studie der Frankfurter Goethe-Universität nun ergeben. Umso wichtiger ist die Frage, wie es nach den Sommerferien für Deutschlands Schüler weitergeht.

Spahn legt sich noch nicht endgültig fest

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will sich noch nicht genau festlegen. „Wir werden nicht völlig ohne Schutzmaßnahmen – sei es Maske, Abstand, Wechselunterricht, Tests vor allem auch – wieder in den Schulbetrieb gehen können“, hatte er am Wochenende aber erklärt.

Heinz Hilgers, Kinderschutzbund
Heinz Hilgers, Chef des Deutschen Kinderschutzbunds, spricht mit Blick auf die Schulen von einem „Trauerspiel“.

Wechsel- und Distanzunterricht bleiben also auf absehbare Zeit wahrscheinlich – und damit auch die Benachteiligung der jüngsten Bevölkerungsgruppe. Der Kinderschutzbund fordert deshalb mehr Vorbeugung und besserem Schutz an Schulen. Auch in dieser Phase der Pandemie werde – wie bereits im Sommer 2020 – politisch nicht genug unternommen, kritisiert Verbandspräsident Heinz Hilgers. „Das ist ein einziges Trauerspiel“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND). „Ich fürchte, die Kinder werden erneut die Verlierer der Pandemie sein.“ Es mangele noch immer an einer besseren Digitalausstattung der Schulen und dem rechtzeitigen Einbau von Lüftungen in den Klassenräumen.

Die Fußball-EM als Risiko für steigende Zahlen

Hilgers nannte es insgesamt bedenklich, wie viele Freiheiten jetzt schon wieder gewährt werden. „Da werden Feste mit 1000 Menschen gefeiert, die Fußball-Stadien werden immer voller. Mein Rat wäre deshalb, es mit den Freiheiten nicht zu übertreiben, um im Herbst nicht in eine neue Krise hineinzurutschen.“

Auch Politiker wie Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) oder Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnen weiterhin zur Vorsicht. Frank Ulrich Montgomery, Chef des Weltärzteverbands, rät sogar vollständig Geimpften davon ab, momentan nach Großbritannien zu reisen. Die Gefahr, die Delta-Variante noch schneller in Deutschland einzuschleppen, sei einfach zu groß.

Katrin Göring-Eckhardt
Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhardt fordert von der Bundesregierung eine gezielte Förderung von finanziell benachteiligten Schülern.

„Es ist der Job der Bundesregierung, das Land auf diese Entwicklungen vorzubereiten“, sagt Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Sie fordert deshalb für Kinder aus einkommensschwachen Familien eine zusätzliche Unterstützung mit Sprachförderung, Sport- und Erlebnisangeboten sowie besserer Beratung und Einzelfallhilfe für die Schüler. Bildungspolitiker Thomas Sattelberger (FDP) kritisiert: „Vor allem Kinder aus armen Familien müssen es jetzt ausbaden, dass die Verantwortlichen die Digitalisierung der Schulen haben schleifen lassen.“

Auch bei der Ausbildung droht eine „Generation Corona“

Immerhin: Für junge Auszubildende scheint sich insgesamt mehr zu tun, als für Schüler. Denn auch diese Gruppe hat ein Problem: Die Zahl der Ausbildungsplätze war bereits im vorigen Jahr zurückgegangen. Und in diesem Jahr drohe eine „Generation Corona“ in der Ausbildung, so Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Denn viele Unternehmen glauben, sich Auszubildende in der Pandemie nicht leisten zu können. Um die Ausbildungsquote weiter hoch zu halten, verweist Heil auch auf den neuen Schutzschirm für Ausbildung. Pandemiebetroffene Betrieben, die ihre Ausbildungsquote auch jetzt halten, bekommen 4000 Euro pro Lehrstelle. Schaffen sie neue Azubi-Stellen sind es 6000 Euro.

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