Kommt ein Lockdown für alle?
  • Noch denken längst nicht alle in der Politik über Lockdown-Maßnahmen für alle nach.
  • Foto: imago/Sven Simon

Könnte doch noch ein Lockdown für alle kommen?

Es kam wie von der Wissenschaft angekündigt: Inzidenzen, Klinik-Einweisungen, Zahl der Todesfälle – alles schnellt in die Höhe. Am 25. November will die Ampel die epidemische Notlage auslaufen lassen. Dennoch wurde nun noch hektisch der Gesetz-Entwurf zur Corona-Lage nachgeschärft. Die meisten Expert:innen sagen aber: Das reicht nicht, was da angeboten wird. Einige bringen sogar eine Maßnahme ins Spiel, die viele längst abgehakt hatten: den Lockdown für alle. Doch bis auf wenige Ausnahmen zögert die Politik noch.

Chef-Virologe Christian Drosten sagt, 2G und 3G werden nicht reichen. Modelliererin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut sagt: „Das, was bislang geplant ist, nur 2G und 3G, das wird nicht reichen, um die Fallzahlen runterzubringen.“ Und auch der Chefarzt der Infektiologie in der München-Klinik Schwabing, Clemens Wendtner, sagt: „Dass Lockdown und Ausgangssperren für die Politik ein solches Tabuthema sind, ist infektiologisch irrational.“ Übersetzt: Sie und andere Expert:innen fürchten, dass kein Weg an einem Lockdown für alle vorbeiführt.

Bayern schickt schon Intensivpatient:innen ins Ausland

Wendtner spricht aus leidvoller Erfahrung: „Wir sind in Bayern seit letzter Woche dabei, Patienten in andere Krankenhäuser zu verlegen, weit weg von ihrem Wohnort, teilweise sogar ins Ausland, weil Intensivstationen überbelegt sind“, sagte er nun dem „Spiegel“. Wendtner hat damals, im Januar 2020, Deutschlands ersten Corona-Patienten behandelt. Seither waren es etliche mehr. Und einhellig mit Kolleg:innen und dem Robert-Koch-Institut (RKI) hatte er wochenlang vor dem Szenario gewarnt, das jetzt doch wieder eingetreten ist.


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Betroffen von hohen Inzidenzen und überlaufenden Intensivstationen sind vor allem der Süden und Osten des Landes. Hier im Norden sieht es noch vergleichsweise gut aus. Doch die Ärztevereinigung „Marburger Bund“ warnt bereits: „Auch in Niedersachsen werden angesichts einer zu hohen Zahl ungeimpfter Erwachsener in den nächsten Monaten zunehmend mehr Menschen schwer an Covid-19 erkranken.“ Doch die Vorsitzenden pochen im Moment noch auf die Ausweitung und Einhaltung der 2G-Regeln. Von allgemeinem Lockdown ist keine Rede.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann schließt Lockdown nicht aus

In Baden-Württemberg spitzt sich die Lage in den Kliniken mittlerweile ähnlich zu, wie es in Bayern, Sachsen und Thüringen schon seit Wochen der Fall ist. Am Dienstag verkündete Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), dass im Südwesten 2G ausgebaut werde. Ungeimpfte werden mit den neuen Regeln weitestgehend vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Genau wie in Hamburg.

Lesen Sie auch: An ihrem Lockdown sind die Ungeimpften komplett selbst schuld

Doch dann sagte Kretschmann noch etwas, das vor ihm fast alle Politiker:innen stets ausgeschlossen hatten: Stand heute sei zwar kein Lockdown geplant, das weitere Vorgehen hänge vor allem von Impfquoten speziell beim Boostern ab. Und: „Ausschließen kann man wirklich nichts.“ Er könne sich etwa Einschränkungen bei Großveranstaltungen für alle auch vorstellen. Ähnlich hatte sich vor ein paar Tagen der Kollege Michael Kretschmer (CDU) aus Sachsen geäußert.

Die Ampel schließt einen Lockdown für alle weiterhin aus. Vor allem verfassungsrechtlich werden solche Maßnahmen als problematisch erachtet. Diskutiert wird derzeit aber über eine Impfpflicht in bestimmten sensiblen Berufsgruppen wie der Pflege. (km)

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