Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit
  • Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich noch nicht konkret zu einer Änderung der Quarantäne-Regeln geäußert.
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Infrastruktur gefährdet – ist die Quarantäne noch zeitgemäß?

Die vierte Corona-Welle hat Deutschland fest im Griff: Die Inzidenzen steigen, immer mehr Menschen müssen in Quarantäne. Um Ausfälle in der kritischen Infrastruktur zu vermeiden, verkürzen zahlreiche Länder bereits die Isolationsdauer für Infizierte und Kontaktpersonen. Angesichts milderer Krankheitsverläufe bei der neuen Omikron-Variante des Virus werden auch in Deutschland die Forderungen nach einer Verkürzung der Quarantäne lauter.

Im Ausland hat sich gezeigt, wohin fehlende Quarantäne-Pläne in der Omikron-Welle führen können. So leidet in Übersee vor allem die Flugzeugbranche: Nachdem zahlreiche Piloten nach einer Infektion oder Kontakt mit einer infizierten Person in Quarantäne mussten, fielen allein am Weihnachtswochenende hunderte Flüge in den USA aus. Daraufhin verkürzte die Gesundheitsbehörde CDC die empfohlene Isolationsdauer nach einer Corona-Infektion für Symptomlose von zehn auf fünf Tage.

Auch in Großbritannien, wo in den Krankenhäusern bereits hunderte Beschäftigte quarantänebedingt fehlen, wurde die Dauer für Infizierte verkürzt: Sie können sich nun nach sieben statt bisher zehn Tagen freitesten. Zweifach geimpfte Kontaktpersonen müssen überhaupt nicht mehr in Isolation. Spanien setzte die Quarantänedauer ebenfalls von zehn auf sieben Tage herunter.

Opposition fordert Änderung der Quarantäne-Regeln

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte am Mittwoch in der ARD, dass es auch in Deutschland Überlegungen zu einer verkürzten Quarantänedauer gebe. Er wolle dies „sauber vorbereiten“. Ein „Schnellschuss“ sei falsch.

Vor allem aus der Union werden derweil die Rufe nach einer schnellen Entscheidung lauter. Laut Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) müsse man die derzeitigen Regeln dringend überprüfen. „Wir können bei einer rasant wachsenden Epidemie nicht einfach das ganze Land von einem Tag auf den anderen lahmlegen“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Sein Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) schlug im Nachrichtenportal „Watson“ vor, geboosterte Kontaktpersonen von der Quarantäne-Pflicht zu befreien. Der CDU-Gesundheitsexperte Sepp Müller unterstützte diesen Vorschlag und ergänzte, dass man geimpften und genesenen Infizierten die Möglichkeit geben müsse, sich nach fünf Tagen „freizutesten“.


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Die USA begründeten ihre Lockerungen unter anderem damit, dass mit der neuen Variante infizierte Personen weniger lange ansteckend seien. Diese These unterstützte auch der Virologe Wolfgang Preiser gegenüber der „Tagesschau“ – und erklärte sie so: „Viele haben bereits eine Grundimmunität – entweder durch eine Impfung oder nach einer überstandenen Infektion.“

Omikron führt zu milderen Krankheitsverläufen

Für eine Lockerung der Quarantäne-Regelungen spricht laut einigen Experten, dass Omikron allem Anschein deutlich seltener zu schweren Verläufen führt als Alpha und Delta. Laut einer aktuellen Studie aus Südafrika, wo die neue Variante erstmals entdeckt wurde, müssen Omikron-Patienten mit einem bis zu 80 Prozent geringeren Risiko ins Krankenhaus.

Der Virologe Klaus Stöhr verwies gegenüber dem NDR auf Dänemark und England, wo Omikron dazu geführt hätte, dass die Inzidenzen vier- bis sechsmal so hoch seien wie in Deutschland – die Zahl derjenigen, die in die Klinik müssten, aber um ein Viertel geringer. Das verdeutliche zwar die höhere Infektiösität bei Omikron, aber auch einen milderen Krankheitsverlauf.

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Am 7. Januar kommen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die Länderchefs zur Ministerpräsidentenkonferenz zusammen. Spätestens dann wird sich zeigen, wie die Politik auf die veränderte Pandemie-Lage reagieren will.  (prei)

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