Karl Lauterbach (SPD)
  • Kann Karl Lauterbach (SPD) überhaupt der erwartete Heilsbringer sein?
  • Foto: picture alliance/dpa/Reuters-Pool | Hannibal Hanschke

Karl Lauterbach: Heiland oder doch nur ein Mensch?

Endlich! Dürften sich zumindest viele gedacht haben, wenn man Straßenumfragen aus den vergangenen Wochen Glauben schenken kann. Andere eher: Oh je! Besonders die Anti-Corona-Maßnahmen-Fraktion. Ärzt:innen und Pflegepersonal an der Front äußern hingegen Hoffnung: Dass der künftige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) endlich die Pandemie in den Griff bekommt und auch sonst im Gesundheitswesen anpacken könnte. Die Frage ist, ob Lauterbach diesen Erwartungen gerecht werden kann.

„Er ist es.“ So hatte Olaf Scholz (SPD) den künftigen Minister der Öffentlichkeit vorgestellt. Die zwei Botschaften in diesem kurzen Satz: Erstens ist der einstige Paradiesvogel der Politik der erste quasi vom Volk gewählte Minister. Der Hashtag #wirwollenkarl trendete seit Wochen. Er passt auch nicht so recht ins Scholz’sche Minister-Muster, das fleißige, loyale und eher stille Mitarbeiter vorsieht. Fleißig ist Lauterbach – keiner liest quasi nebenher so viele Studien zu Covid-19. Aber ansonsten gilt er als viel zu exzentrisch und kompliziert. Scholz aber war offenbar klar: In dieser besonderen Lage, da muss der Beste her.

Karl Lauterbach als Heiland, als Heilsbringer

Womit wir auch schon bei der zweiten Botschaft wären: Dank seiner zahlreichen TV-Auftritte, vor allem bei „Markus Lanz“, gilt Lauterbach als einer der Top-Experten in Sachen Corona. Die Erwartungen: riesig. Da kommt ein Heiland, ein Heilsbringer. Das Netz war nach seiner Ernennung auch sofort voll mit lustigen Memes, also witzigen Bildchen, vom allmächtigen Karl. Etwa er mit Mund-Nasen-Schutz und Tischtennis-Schläger, darüber der Satz: „Das Letzte, was Corona sieht, bevor es besiegt wird.“


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Doch kann der Mann diesen Ansprüchen gerecht werden? Also kann er erstens auch handeln und nicht nur Studien lesen und klug daherreden? Und zweitens: Gibt es nicht auch äußere Umstände, die er schlicht nicht wird beeinflussen können? Stichwort Ständige Impfkommission (STIKO) oder Lobbyist:innen im Gesundheitswesen. Denn neben Corona ist Lauterbachs großes Thema die in seinen Augen vermaledeite Ökonomisierung von Kliniken und Krankenversicherungen.

Die „Bürgerversicherung“ war mit der FDP nicht drin

„Mit uns wird das Gesundheitswesen robuster“, versprach Lauterbach auch direkt. Er will nicht weiter einsparen, sondern investieren. Eine Auflösung der Zwei-Klassen-Gesellschaft bei den Krankenversicherungen aber, die wird mit der FDP nicht machbar sein. Die „Bürgerversicherung“ ist vom Tisch.

Klar ist: Mit Lauterbach wird Expertise mehr gehört werden. Er selbst sagt, dass Virologen wie Christian Drosten, Viola Priesemann und Michael Meyer-Hermann zu seinem Team gehörten. Sie und andere werden die Expert:innen sein, die den neuen Boss beraten. Diejenigen, die sich zuletzt meist ungehört den Mund fusselig geredet haben.

Intensivmediziner: „Endlich ist ein Arzt im Amt“

Wie auch Prof. Dr. Christian Karagiannidis von der Kölner Lungenklinik im Stadtteil Merheim. „Endlich ist ein Arzt im Amt“, sagte er nun dem „Spiegel“, „der langjährige Erfahrung im Gesundheitssystem und die angemessenen Kompetenzen mitbringt.“

Die Rückkehr zur Inzidenz als Richtgröße und das massive Absenken dieser sieht Lauterbach wie Karagiannidis als erste Maßnahme. Und: Impfen wird uns helfen, die Pandemie zu besiegen. Gestern kündigte er für heute erst mal Inventur an, generalstabsmäßig. Begleiten wird ihn dabei der Leiter des Corona-Krisenstabes, Bundeswehrgeneral Carsten Breuer.

Lesen Sie auch: Warum Karl Lauterbach jetzt doch Gesundheitsminister wird

Sollte Lauterbach letztlich erfolgreich sein im Kampf gegen Corona – dann wird auch niemand mehr nach seiner Exzentrik fragen. Der Umbau des Gesundheitswesens wäre dann die nächste Großbaustelle. (km)

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