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Michail Gorbatschow Russland Tod
  • Mit 91 Jahren gestorben: Michail Gorbatschow.
  • Foto: imago/APress

Einreiseverbote wegen des Ukraine-Kriegs: Wie wird Gorbatschows Beerdigung?

Im Westen als Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges und als einer der Väter der Deutschen Einheit gefeiert, in seiner Heimat als Totengräber der Sowjetunion verhasst: So zwiespältig die Meinungen über ihn waren, so facettenreich war sein politisches Leben. Nun ist Michail Gorbatschow mit 91 Jahren gestorben. Weltweit trauern Politiker:innen um den Friedensnobelpreisträger. Die Frage, die sich nun stellt: Wie wird dem Jahrhundert-Politiker in Kriegszeiten die letzte Ehre erwiesen?

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) würdigte Gorbatschow als mutigen Reformer und twitterte: „Deutschland verneigt sich vor ihm.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) nannte ihn einen „großen Staatsmann“, der in den vergangenen Jahren darunter gelitten habe, dass sein Traum von Zusammenhalt und Frieden in Europa in weite Ferne rückte: „Heute liegt der Traum in Trümmern, zerstört durch den brutalen Angriff Russlands auf die Ukraine.“ Auch der britische Noch-Premier Boris Johnson warf Moskau vor, mit dem Krieg Gorbatschows Vermächtnis zu zerstören.

Joe Biden: „Gorbatschow war Mann mit bemerkenswerter Vision“

Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte den 91-jährigen als „einen einzigartigen Weltpolitiker“, ohne dessen Bekenntnis „zu Glasnost und Perestroika, also zu Offenheit und Umbau, auch die friedliche Revolution in der DDR nicht möglich gewesen wäre“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete Gorbatschow als „Mann des Friedens“. US-Präsident Joe Biden kondolierte seiner Familie und erklärte: „Michail Gorbatschow war ein Mann mit einer bemerkenswerten Vision.“

Die Vision von Frieden und Freiheit führte Gorbatschow, der in den vergangenen Jahren immer wieder im Krankenhaus behandelt werden musste, durch sein gesamtes politisches Leben, er glaubte stets an eine bessere Welt. Dafür wurde er weltweit geschätzt: Unter seiner Führung hatte die Sowjetunion in den 1980er Jahren mit den USA auch wegweisende Verträge zur atomaren Abrüstung und Rüstungskontrolle geschlossen.

Besonders die Ostdeutschen verehren „Gorbi“, wie sie ihn nennen, bis heute als Staatsmann, der ihnen vor mehr als drei Jahrzehnten die Freiheit brachte. Ein Großteil der russischen Bevölkerung sah den früheren Partei- und Staatschef allerdings stets als Totengräber der Sowjetunion – und als einen Politiker ohne Machtinstinkt. Wie wird ihm nun in seiner Heimat die letzte Ehre erwiesen?

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Kreml-Chef Wladimir Putin, den Gorbatschow immer wieder aufgefordert hatte, die Freiheit der Medien und Wahlen nicht weiter einzuschränken, bekundete laut einem Sprecher „sein tiefes Mitgefühl“ und würdigte Gorbatschows „großen Einfluss auf den Lauf der Weltgeschichte“.

Gorbatschow soll am Samstag in Moskau beerdigt werden. Für die Trauerfeier sei das in der Nähe des Kremls liegende „Haus der Gewerkschaften“ mit seinem Säulensaal genehmigt worden, teilte Gorbatschows Tochter Irina der Nachrichtenagentur Interfax zufolge am Mittwoch mit. Ob es ein Staatsbegräbnis gibt, konnte sie allerdings nicht sagen.

Aber wer würde dann zu solch einem überhaupt kommen? So sind nicht nur viele ranghohe EU-Politiker:innen wie auch US-Präsident Joe Biden von russischer Seite mit Einreiseverboten belegt worden, gesperrt ist auch der Luftraum in Russland für „unfreundliche EU-Staaten“. Eines ist immerhin schon klar: Als letzte Ruhestätte bestimmte Gorbatschow Moskaus berühmten Prominentenfriedhof am Neujungfrauenkloster – direkt neben seiner 1999 verstorbenen Frau Raissa. (alp/dpa)

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