Symbolträchtiges Bild: ein ramponiertes Wahlplakat von Armin Laschet.
  • Symbolträchtiges Bild: ein ramponiertes Wahlplakat von Armin Laschet.
  • Foto: IMAGO / Kraft

Desaströses Bild: Wie die CDU sich mitten in den Sondierungen selbst zerlegt

Interne Attacken sorgen für Unfrieden, in der Gunst der Wähler stürzen CDU und CSU weiter ab, dann schießt auch noch ein möglicher Koalitionspartner quer – kurz vor wichtigen Sondierungsgesprächen. Eine Woche nach der Wahl gibt die Union ein desaströses Bild ab.

So manch einer in der Union dürfte sich angesichts aktueller Zahlen wohl denken: „Gut, dass die Wahl schon vorletzten Sonntag war!“ Denn: Wäre am Sonntag gewählt worden, hätten CDU und CSU einer neuen Insa-Umfrage zufolge nur noch 21 Prozent geholt – gut drei Prozentpunkte weniger als tatsächlich. Ein übler Absturz! SPD (+2,3 Prozentpunkte auf 28 Prozent), Grüne (+1,2 auf 16 Prozent) und FDP (+0,5 auf zwölf Prozent) konnten hingegen zulegen.

Armin Laschet: Kein Rückhalt in der eigenen Partei

Bezeichnend sind auch diese Zahlen: 76 Prozent der von der Forschungsgruppe Wahlen jüngst befragten Deutschen möchten SPD-Kandidat Olaf Scholz als nächsten Bundeskanzler. CDU-Mann Armin Laschet würden dagegen nur 13 Prozent als Kanzler befürworten.

Der 60-Jährige ist aber nicht nur beim Volk unbeliebt: Auch unionsintern wird immer unverhohlener gegen ihn ausgeteilt. „Dass im Wahlkampf Fehler passiert sind und unser Spitzenkandidat nicht richtig gezogen hat, kann niemand leugnen“, sagte etwa Gesundheitsminister Jens Spahn der „Welt am Sonntag“. Allein das habe viele Prozente gekostet. 

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Spahn fordert zur Aufarbeitung des Debakels einen CDU-Sonderparteitag bis spätestens Anfang Januar: Da gehe es dann auch „um die Aufstellung für die Zukunft, einfach so weitermachen ist keine Option“, so Spahn. Zur Erinnerung: Spahn war es, der damals gönnerhaft von einer eigenen Kandidatur für den CDU-Vorsitz absah und stattdessen im „Team Laschet“ als dessen Vize antrat.

Kurz vor Sondierungen: Attacke ausgerechnet von der FDP

Laschets Stuhl wackelt immer mehr. Bald könnte er ganz umkippen, prophezeit Ex-SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, der selbst Erfahrung im Verlieren einer Bundestagswahl hat. „Laschet klammert sich an die Jamaika-Perspektive, weil er glaubt, das sei seine Lebensversicherung“, sagte der 65-Jährige nun der „Bild am Sonntag (BamS)“. „Wenn es die theoretische Möglichkeit von Jamaika nicht gäbe, wäre Laschet schon von den eigenen Leuten zum Rücktritt gezwungen worden“, ist Schulz sich sicher. Aber: „Noch kommt keiner von seinen Feinden so richtig aus der Deckung, weil keiner der böse Bube sein will.“


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Klar sei aber, so Schulz: „Wer ein Minus von neun Prozent bei einer Bundestagswahl einfährt, kann nicht reklamieren, das Land zu führen.“ Auch CSU-Chef Markus Söder hatte bereits letzte Woche gegen Laschet geschossen: „Die besten Chancen, Kanzler zu werden, hat derzeit Olaf Scholz – eindeutig.“ 

In der Tat gilt ein unionsgeführtes Bündnis mit Grünen und FDP als einzige Chance für Laschet, doch noch ins Kanzleramt einzuziehen – und sein Überleben als CDU-Chef zu sichern. Allerdings: Ob des desaströsen Bildes, das die Union derzeit abgibt, wächst auch beim potenziellen Koalitionspartner der Unmut: „CDU und CSU müssen klären, ob sie wirklich eine Regierung führen wollen“, sagte FDP-Chef Christian Lindner der „BamS“. 

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Die Attacke kam unmittelbar vor der ersten Sondierungsrunde zwischen FDP und Union am Sonntagabend. Allerdings: Die Bildung einer Jamaika-Koalition scheint nur wahrscheinlich, falls die Gespräche über eine SPD-geführte Ampel mit Grünen und FDP scheitern sollten. Dass die Union sich bis dahin zurücklehnt oder gar selbst zerlegt, ist nicht ausgeschlossen. Lindner warnte: „Das kann man unserem Land nicht zumuten.“

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