Taliban-Sprecher Zabiullah Mudschahid bei einem Auftritt Ende August.
  • Taliban-Sprecher Zabiullah Mudschahid bei einem Auftritt Ende August.
  • Foto: (c) dpa

Das fordern die Taliban von Deutschland

„Wir wollen gute diplomatische Beziehungen zu allen“, so hatte der Taliban-Sprecher Zabiullah Mudschahid schon am Tag des US-Truppenabzugs für internationale Anerkennung geworben. In der „Welt am Sonntag“ richtet er seinen Appell nun direkt an Deutschland – und wirft damit die Frage auf: Wie umgehen mit den Islamisten an der Macht?

„Starke und offizielle diplomatische Beziehungen“ – das wünschen sich die Taliban von Deutschland. Die Deutschen seien in Afghanistan immer willkommen gewesen und hätten in der Vergangenheit viel Gutes im Land bewirkt, sagte Mudschahid der „Welt am Sonntag“. „Leider haben sie sich dann den Amerikanern angeschlossen. Aber das ist jetzt vergeben.“ Nun wollen die Taliban finanzielle Unterstützung, humanitäre Hilfe und eine Zusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Landwirtschaft.

Nach Nato-Rückzug: EU ist auf Taliban angewiesen

Nach einer „Vergebung“ die Islamisten anerkennen und bitte diplomatische Beziehungen pflegen? Für Deutschland und andere EU-Länder ist das ein bitteres Szenario. Allerdings sind nach dem Chaos-Rückzug der Nato-Truppen noch Tausende Menschen den Taliban ausgeliefert – und um sie zu retten, ist der Westen auf die Taliban angewiesen.

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Deshalb sucht die EU einen Kompromiss: Die Islamisten sollen auch Vertreter anderer Bevölkerungsgruppen in die Regierung nehmen und zusagen, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit einzuhalten. Schutzbedürftige sollen ausreisen dürfen. Dafür könnten gestoppte Entwicklungshilfe-Zahlungen wieder fließen. Sollte es die Sicherheitslage zulassen, könnte sogar die deutsche Botschaft in Kabul wieder eröffnen – aber ohne das Taliban-Regime anzuerkennen, so Außenminister Heiko Maas (SPD).

Zweckallianz im Kampf gegen den Terror?

Auch die USA könnten sich genötigt sehen, eine inoffizielle Zweckallianz einzugehen: Eigentlich sollten die Taliban dafür sorgen, dass Terrorgruppen wie Al Kaida oder der IS nicht mehr aus Afghanistan heraus agieren. Doch angesichts des Widerstandes im Pandschirtal und des drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruchs ist nicht klar, ob die Taliban ihre Macht halten können. „Meine militärische Einschätzung ist, dass sich die Lage wahrscheinlich zu einem Bürgerkrieg auswachsen wird“, so US-Generalstabschef Mark Milley am Samstag. Ein so entstehendes Machtvakuum könnte Terrorgruppen wieder an Boden gewinnen lassen. „Es könnte sein, dass wir binnen zwölf, 24 oder 36 Monaten sehen werden, wie ausgehend von dieser Region der Terrorismus aufs Neue erstarkt.“ Gemeinsam mit den Taliban gegen den IS vorzugehen, bezeichnete er als „möglich“.

Wang Yi (r), Außenminister von China, und Mullah Abdul Ghani Baradar, afghanischer Führer der Taliban, während eines Treffens Ende Juli.
Wang Yi (r), Außenminister von China, und Mullah Abdul Ghani Baradar, afghanischer Führer der Taliban, während eines Treffens Ende Juli.

Und China? Auch das will keinen Terror aus Afghanistan. In der westlichen Grenzprovinz werden seit Jahren muslimische Uiguren unterdrückt. Um ein Erstarken des Islamismus in der Region zu verhindern, versucht China, die Taliban an sich zu binden: Schon im Juli trat Chinas Außenminister öffentlich mit einem Taliban-Vertreter auf – für die Zusage, dass islamistischer Terror in Richtung China in Schach gehalten werde. Nach dem Siegeszug der Taliban ließ China die Botschaft in Kabul offen. Die Islamisten versuchen die Chinesen hingegen mit den Rohstoffvorkommen im Land und einem Ausbau der „Neuen Seidenstraße“ zu locken. China hat bereits in Afghanistan investiert. Ob und in welchen Stil das nun weitergeht und ob die Taliban ihre Zusage halten, ist ungewiss.

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Wie künftig mit den Taliban umgegangen wird, hängt auch von der neuen Regierung und ihren Handlungen ab. Und die machen Sorge: Erst vergangene Woche sollen die Islamisten einen Protest von Frauen gewaltsam beendet haben.

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