2G Symbolbild
  • Kommt 2G bald überall in Deutschland?
  • Foto: picture alliance/dpa/Moritz Frankenberg

Bundesländer preschen vor: Hier gilt bereits ein „Quasi-Lockdown“ für Ungeimpfte

Die Inzidenzen und coronabedingten Klinikeinweisungen steigen, die Impfzahlen stagnieren. Nun gibt es immer mehr regionale Vorstöße, es Hamburg nachzutun, mehr 2G zu ermöglichen oder sogar gänzlich verpflichtend zu machen. Auch über erneute Lockdown-Maßnahmen wird geredet. Allerdings: nur für Ungeimpfte.

Bei Markus Lanz sinnierten die Gäste am Dienstagabend darüber, warum die Impfbereitschaft in Deutschland vergleichsweise niedrig ist. 66,8 Prozent sind hierzulande vollständig immunisiert – Länder wie Portugal (86), Spanien (78,8) oder Dänemark (75,7) stehen da deutlich besser da (s. S. 38/39). Physiker Dirk Brockmann mahnte: Unsere Quote reiche bei der hochansteckenden Delta-Variante schlicht nicht.

Intensivstationen sind voll mit Ungeimpften

Und tatsächlich: Die ersten Krankenhäuser melden schon wieder, dass die Intensivstationen volllaufen. Das liege sicher auch daran, dass Pflegepersonal fehlt, so Medizin-Ethikerin Alena Buyx bei Lanz. Aber: Etliche seien eben auch geflohen, weil sie es leid seien, Ungeimpfte versorgen zu müssen, während andere Patient:innen vernachlässigt werden.

Dabei ist klar: Laut einer britischen Studie sind zwischen Januar und September von 100.000 Einwohnenden 849,7 Ungeimpfte in Verbindung mit Covid gestorben, von den Geimpften waren es nur 26,2.

Bitter – nicht nur für das Pflegepersonal: 65 Prozent der befragten Ungeimpften in Deutschland wollen partout ihre Meinung nicht ändern. Deshalb zieht die Politik nun die Corona-Daumenschrauben nochmal an. Auf der CDU-Vorstandssitzung am Dienstag soll Kanzlerin Angela Merkel laut Medienberichten gesagt haben, es werde bald starke Einschränkungen für Ungeimpfte geben. Die Pressestelle dementierte dies, aber die Botschaft stand im Raum.

Bundesländer preschen vor mit 2G- und Lockdown-Maßnahmen

Einige Bundesländer preschen nun vor. In Baden-Württemberg (Inzidenz 166) gilt seit gestern: Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss für viele Freizeitaktivitäten in geschlossenen Räumen einen PCR-Test vorweisen – etwa im Restaurant, Kino, Schwimmbad, Museum oder in der Kantine. Sogar die Kontaktbeschränkungen kehren für Ungeimpfte zurück: So sind Treffen für sie ab sofort auf einen Haushalt und fünf weitere Personen beschränkt – wie damals im Lockdown.


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Auch in Sachsen (Inzidenz 290) gilt ein, wie es Medien bereits nannten, „Quasilockdown für Ungeimpfte“: Wer die Innenbereiche von Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Gastronomie, Bars oder Clubs besuchen will, braucht einen Impf- oder Genesenennachweis, Tests reichen nicht aus. Auch bei Großveranstaltungen soll das 2G-Konzept angewendet werden – draußen und drinnen. Davon sind dann auch Fußballspiele betroffen. Im öffentlichen Nahverkehr gilt zudem wieder FFP2-Masken Pflicht.

Auch Bayerns (Inzidenz 229) Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will öffentliche Veranstaltungen in den Hotspots im Südosten seines Landes nur noch für Geimpfte und Genesene erlauben. „Wir müssen überall dort, wo es irgendwie möglich ist, auf 2G setzen“, forderte auch SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach im „RND“.

Jens Spahn kann sich Lockdown für Ungeimpfte vorstellen

Gibt es dann bald einen bundesweiten Lockdown für Ungeimpfte? Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wollte dies in der Bundespressekonferenz weder bestätigen noch dementieren. Aber: Auf die Frage nach einem generellen Lockdown antwortete er: „Für Geimpfte und Genesene wird es keine solchen Maßnahmen geben.“ Heißt im Grunde: Für Ungeimpfte kann auch er sich das gut vorstellen.

Je nachdem, wie schnell die Verhandlungen über eine Ampelkoalition über die Bühne gehen, dürfte irgendwann eine neue Gesundheitsministerin oder ein Minister dafür zuständig sein. Vermutlich aber wird Spahn um eine Entscheidung nicht herumkommen.

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Sollte die Ampel irgendwann zuständig sein, dürften Ungeimpfte eventuell sogar aufatmen. Zumindest Ampel-Verhandler Wolfgang Kubicki reagierte empfindlich auf entsprechende Lockdown-Überlegungen. Sie würden „die gesellschaftliche Spaltung vertiefen“, so der FDP-Politiker.

Andererseits: Sollten die Klinik-Zahlen weiter steigen, dann dürfte die amtierende Regierung eine harten Winter für Ungeimpfte einem Winter der überlaufenen Intensivstationen doch vorziehen.

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