Nigel Farage Brexit
  • Der Brexit ist das Lebenswerk von Nigel Farage – und hat nun drastische Folgen für Großbritannien. (Archivbild)
  • Foto: IMAGO / i Images

Sprit-Suche, Unfall: Warum jetzt sogar „Mr. Brexit“ unter dem Brexit leidet

Mit dem Brexit sollte für die Briten alles besser werden. Keine zwei Jahre nach dem Austritt fällt die Bilanz bitter aus: leere Tankstellen, leere Supermärkte und Chaos ohne Ende – was ein prominenter Brexit-Treiber nun am eigenen Leib erfahren hat.

Jetzt hat es „Mr. Brexit“ selbst erwischt. Auf der Suche nach einer funktionierenden Tankstelle wurde Nigel Farage Donnerstag von einem Lieferwagen angefahren. Verletzt wurde der 57-Jährige nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass es überhaupt zu dem Unfall kommen konnte, war dabei gering: In Großbritannien fehlen derzeit rund 100.000 Brummi-Fahrer, ein Drittel der Tankstellen hat kein Benzin mehr. Der Trucker-Mangel führt aber nicht nur zu leeren Zapfsäulen, sondern auch zu leeren Supermarkt-Regalen.

Transporter fährt „Mr. Brexit“ Nigel Farage an

Eine Folge von Corona, sagt die Regierung. Ob es nicht doch am EU-Austritt liegt? „Wir haben sehr hart daran gearbeitet, die Briten zu überzeugen, die Union nicht zu verlassen. Am Ende haben sie sich anders entschieden und ich hoffe, sie können die Probleme lösen“, sagte Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) jüngst.



Tatsächlich sind diese Probleme wohl auch Früchte der Arbeit von Farage: Er war einer der wichtigsten Brexit-Treiber – und weist nun jede Verantwortung von sich: Schuld an der Krise sei nicht der Brexit, sondern die Johnson-Regierung, die die Krise herunterspiele, behauptet Farage. Eine krude Logik, die nur getoppt wird von einer weiteren Behauptung aus dem Lager der Brexiteers: Die Situation auf dem Festland sei viel schlimmer.

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Vor dem EU-Austritt hielten zigtausend Arbeitskräfte aus Osteuropa das Transportwesen auf der Insel am Leben. Die aber waren eines der wichtigsten Feindbilder der EU-Gegner und sollten unbedingt aus dem Land. Nun möchte Vize-Premier Dominic Raab mit Kurzzeit-Visa rund 5000 wieder reinholen. Auch Asylsuchende und Häftlinge könne er sich als Transport-Aushilfen vorstellen, sagte Raab dem „Spectator“. Johnson jedoch stellte klar: Man könne nicht „alle Probleme wieder mit unkontrollierter Einwanderung lösen“.

Brexit-Chaos: Auch Schlachterei-Branche zu wenig Mitarbeiter

Wie neues Benzin rangeschafft wird, dürfte den Tankstellenmitarbeitern egal sein – Hauptsache, es geht schnell. Immer mehr berichten von Pöbeleien und körperlichen Angriffen frustrierter Autofahrer. „Leere Regale und Zapfsäulen sind einzig und allein den Fehlern der Regierung geschuldet und ihrem Versagen, die Lieferketten in den Griff zu bekommen”, sagte Paddy Lillis von der Gewerkschaft Usdaw. „Aber wer bekommt den Frust ab? Nicht Boris Johnson. Sondern überbeanspruchte, unterbezahlte, erschöpfte Arbeiter, die unter äußerst schwierigen Bedingungen ihr Bestes geben.”

Derweil drohen neue Krisenherde: Auch die Schlachterei-Branche meldete jüngst 15.000 fehlende Mitarbeiter. Der Verband der Schweinezüchter etwa warnt vor einer „akuten Tierwohlkatastrophe“ – weil Tiere nicht geschlachtet und Bauernhöfe zu voll würden. Beobachter kommentieren bereits zynisch: Farage und Co. ernteten nun, was sie einst säten.

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