Schweden untersucht MS Estonia
  • Messgeräte werden vom Forschungsschiff „R/V Electra af Askö“ auf den Meeresboden beim Wrack der MS Estonia in der Ostsee abgesenkt.
  • Foto: picture alliance/dpa/TT NEWS AGENCY via AP | Stefan Jerrevång

Wird jetzt endlich das Rätsel um die „Estonia“ gelöst?

Knapp 27 Jahre nach dem Untergang der Ostsee-Fähre „Estonia“ haben Ermittlungsbehörden aus Estland und Schweden am Freitag mit neuen Untersuchungen am Wrack des Schiffes begonnen. Bis zum 18. Juli findet eine Vorstudie statt, bei der das Wrack und der Meeresboden mit Echolot- und Sonargeräten untersucht werden.

Auch ein Unterwasserroboter mit Kamera kommt zum Einsatz. Die Daten, die mit Hilfe von Experten der Stockholmer Universität erhoben werden, sollen später visualisiert werden, was mehrere Monate dauern kann. Umfassendere Untersuchungen sind dann im nächsten Frühling geplant.

Gedenkzeremonie für Opfer des Schiffsunglücks

Wie die schwedische Havariekommission mitteilte, trafen das schwedische Schiff „Electra af Askö“ und die estnische „Eva 316“ in der Nacht zum Freitag an der Unglücksstelle ein. Auf einem weiteren Schiff der estnischen Grenzwache hielten Bischöfe aus Finnland, Schweden, Estland und Lettland zunächst eine Gedenkzeremonie für die Opfer ab, ehe bis zum Abend Untersuchungen mit einem sogenannten Multibeam-Echolot durchgeführt wurden. Wegen hohen Seegangs wurden die Arbeiten rund um das in knapp 80 Metern Tiefe liegende Wrack am späten Abend zunächst abgebrochen.

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Am Samstag fanden weitere Echolot-Untersuchungen statt. Da nach Angaben der Kommission für den Sonntag hoher Wellengang vorhergesagt wurde, der negative Auswirkungen auf die Qualität der Untersuchungen hat, wird damit gerechnet, dass die „Electra af Askö“ und die „Eva 316“ ihre Arbeiten erst am Abend wieder aufnehmen werden.

Schwerste Schiffskatastrophe in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg

Die „Estonia“ war in der Nacht zum 28. September 1994 mit 989 Menschen an Bord auf ihrem Weg von Tallinn nach Stockholm vor der finnischen Südküste gesunken. 852 Menschen starben, nur 137 überlebten, womit der Untergang als schwerste Schiffskatastrophe in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg gilt. Laut dem offiziellen Untersuchungsbericht aus dem Jahr 1997 war das abgerissene Bugvisier die Ursache für den Untergang. Bis heute gibt es aber Zweifel an der Unglücksursache. Überlebende und Hinterbliebene fordern seit langem, dass die Untersuchungen wieder aufgenommen werden.

Dokumentarfilmer hatten vergangenes Jahr enthüllt, dass sie mit einem Tauchroboter unter anderem ein mehrere Meter großes Loch im Schiffsrumpf entdeckt haben. Weil viele der Toten nicht geborgen werden konnten, steht das Wrack als Ruhestätte unter Schutz und darf gemäß einem verhängten Grabfrieden nicht aufgesucht werden. Schweden hat nach den Enthüllungen gesetzliche Änderungen auf den Weg gebracht, damit Behörden die Funde genauer untersuchen können. Diese Änderungen sind Anfang Juli in Kraft getreten. (vd/dpa)

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