Frühere Corona-Patienten kämpfen teilweise ein Jahr später noch mit den Folgen.
  • Frühere Corona-Patienten kämpfen teilweise ein Jahr später noch mit den Folgen.
  • Foto: picture alliance/dpa/Pool KDRV via AP | Mike Zacchino

Studie: Corona-Patienten kämpfen auch ein Jahr danach mit Spätfolgen

Selbst ein Jahr nach einer Corona-Infektion kämpfen Erkrankte noch mit den Spätfolgen, bekannt als Long Covid. Das ist das Ergebnis einer chinesischen Studie. Die beobachteten Symptome sorgen jedoch nicht nur für körperliche Einschränkungen.

Ein Forscherteam der Capital Medical University in Peking hat mehr als 1200 ehemalige Corona-Patienten untersucht. Sie alle wurden zwischen Januar und Mai 2020 im Jin Yin-tan Hospital in Wuhan behandelt. Sechs beziehungsweise zwölf Monate nach ihrer Entlassung mussten sie Fragen zu ihrem Gesundheitszustand beantworten, durchliefen körperliche Untersuchungen und absolvierten einen Ausdauertest.

Wuhan: Forscher veröffentlichen Studie zu Long Covid

„Wir stellten fest, dass sich die meisten Patienten während der Nachbeobachtung körperlich und funktionell gut erholt haben. Die Mehrheit der Studienteilnehmer, die vor Covid-19 berufstätig waren, kehrte an ihren ursprünglichen Arbeitsplatz zurück“, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie. Sie wurde im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht. Einige Corona-Patienten zeigten jedoch auch ein Jahr nach ihrer Erkrankung noch Spätfolgen – es waren vor allem die schwer Erkrankten.

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Zu den häufigsten Symptomen gehörten Müdigkeit und Muskelschwäche, die jedoch mit der Zeit abklangen. Während nach sechs Monaten rund 68 Prozent der Patienten unter mindestens einem Folgesymptom litten, waren es nach einem Jahr noch 49 Prozent. Doch die Zahl der Menschen, die an Kurzatmigkeit litten nahm zu: Nach sechs Monaten hatte der Anteil der Betroffenen noch bei 26 Prozent gelegen, nach zwölf betrug er 30 Prozent. Vor allem Patienten, die beatmet werden mussten, waren nach einem Jahr häufig kurzatmig.

Doch auch psychische Folgen gehören zu Long Covid: Nach sechs Monaten berichteten 23 Prozent von den Studienteilnehmern von Depressionen und/oder Angststörungen. Nach einem Jahr waren es 26 Prozent. Warum die Beschwerden während des Zeitraums zunehmen ist nicht klar. „Das könnte mit biologischen Prozessen zusammenhängen, die mit der Virusinfektion selbst zu tun haben oder der körpereigenen Immunantwort. Sie können aber auch mit den reduzierten Sozialkontakten, Einsamkeit, Jobverlust oder der nicht wieder vollständig hergestelltem physischen Gesundheit zusammenhängen“, zitiert der „Spiegel“ die Studienautorin Xiaoying Gu.

Sauerstoffaustausch in der Lunge beeinträchtigt

Bei 31 Prozent der Genesenen, die mit Sauerstoff im Krankenhaus versorgt werden mussten, war der Sauerstoffaustausch in der Lunge nach einem Jahr noch immer beeinträchtigt. Auch bei denen die nicht künstlich beatmet wurden waren es 23 Prozent. Was die Studie nicht berücksichtigt, ist die Information über den Gesundheitszustand der Studienteilnehmer vor ihrer Corona-Infektion.

Über Long Covid ist bislang wenig bekannt. Bereits die Diagnose sei oft eine Herausforderung, sagt Michael Pfeifer von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, „denn Long Covid ist nicht an einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 gebunden“. Bei leichten oder milden Verläufen kann es ebenfalls zu Spätfolgen kommen.

Deutsche Forscher untersuchen Corona-Spätfolgen

Auch in Deutschland laufen bereits Untersuchungen zu den Corona-Spätfolgen. Die Universitätskliniken in Kiel, Würzburg und Berlin führen derzeit eine Langzeitstudie durch. Erste Zwischenergebnisse sind am Montag veröffentlicht worden. Demnach berichtet etwa die Hälfte der 1400 untersuchten früheren Corona-Patienten noch neun Monate später über Long-Covid-Symptome.

Doch nicht jeder Corona-Genesene ist von den Spätfolgen betroffen. „Wir müssen genau hinsehen, welche Symptome von der Corona-Infektion herrühren und welche eine Folge der hohen psychischen Belastung sind, der wir alle in der Pandemie ausgesetzt sind“, sagt Thomas Bahmer, Leiter der deutschen Studie im Gespräch mit den „Lübecker Nachrichten“. Die Unikliniken wollen ihre Studie in diesem und im kommenden Jahr fortsetzen. (vd)

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