• Frauen demonstrieren für Gleichberechtigung.
  • Foto: picture alliance/dpa | Stefan Puchner

Schwimmbad: Warum sollten nur Männer oben ohne dürfen?

Nackte weibliche Brüste sorgten diesen Sommer für einigen Ärger – zumindest an öffentlichen Plätzen und in Schwimmbädern. In Göttingen wurde eine Frau aus einem Spaßbad geworfen, als sie ihr Bikinioberteil beiseitelegte. Die Initiative „Gleiche Brust für alle“ unterstützt ihren Kampf um Gleichberechtigung. Und der Geschäftsführer der öffentlichen Bäderbetriebe? Der rudert mittlerweile zurück. Die bisherigen Baderegeln sollen überprüft werden.

Eine 30-Jährige wird im August aus dem städtischen Spaßbad „Eiswiese“ geworfen. Der Grund: Sie verzichtete wie die Männer auf eine Bedeckung ihrer Brüste. Der Geschäftsführer der städtischen Göttinger Sport- und Freizeit GmbH gab den Bademeistern damals recht. Seine Begründung gegenüber der „taz“: Die Regel solle Frauen „vor sexuell motivierten Verhaltensweisen und Blicken des anderen Geschlechts“ schützen. Das Schwimmbad solle „nicht zum Schauplatz von triebhaften Personen werden“.

Initiative kämpft für Gleichberechtigung von Männern und Frauen

Die Initiative „Gleiche Brust für alle“, die von der Künstlerin Gabrielle Lebreton ins Leben gerufen wurde, unterstützt die 30-Jährige aus Göttingen. Das Ziel der Aktion: „Alle Geschlechter sollen gleichberechtigt ihren Oberkörper unbekleidet zeigen dürfen. Wo es an öffentlichen Orten Männern bislang gestattet ist, soll es allen Menschen erlaubt sein“, sagt Aktivistin Sahri Sprinke (37) im Gespräch mit der MOPO.

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Sprinke kommt aus Braunschweig. Dort sei es normal, dass Frauen in Freibädern oben auch mal blankziehen. In Göttingen ist das anders. Das Bündnis hat nach dem Rauswurf einen offenen Brief an Geschäftsführer Gruber geschrieben. Die Antwort: Man antworte nicht auf anonyme Briefe. Sahri Sprinke schickte den Brief deshalb erneut – mit Namen. Gruber habe bislang der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und der „taz“ geantwortet, jedoch nicht dem Bündnis.

Geschäftsführer lässt Badeordnung prüfen

Gegenüber der MOPO zeigt Andreas Gruber Verständnis für den Wunsch nach Gleichberechtigung. Man werde die geltende Badeordnung überprüfen und diskutieren, inwiefern eine „veränderte öffentliche Wahrnehmung in der Haus- und Badeordnung berücksichtigt werden könnte“.


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Und weiter: „Da die Eiswiese ein öffentlicher Raum ist, müssen Veränderungen in der Gesellschaft und auch von Gesellschaftsbildern immer wieder mitberücksichtigt und neu geprüft werden. Daher muss geklärt werden, welche Badebekleidung als angemessen und übereinstimmend mit den gesellschaftlichen Vorstellungen gelten soll.“

„Weibliche Körper sind sexuell aufgeladen“

Für Sprinke und ihre Mitstreiter ist dieses Umdenken längst überfällig. Die bisherige Regel und Argumentation zeige ein grundlegendes Problem: „Wir haben im Allgemeinen noch eine starke Tabuisierung und Sexualisierung des weiblichen Körpers. Auch dagegen richtet sich die Initiative ‚Gleiche Brust für alle‘.“

Sie führt aus: „In einigen Köpfen spukt noch immer die Vorstellung herum, dass der weibliche Körper an sich sexuell aufgeladen ist und sexuelle Begehrlichkeiten weckt. Wir sehen darin eine gewisse Täter-Opfer-Umkehr – die in der Frage zum Ausdruck kommt, was das Opfer bei sexuellen Übergriffen oder Belästigung getragen hat.“

Ob sich Frauen demnächst wirklich „oben ohne“ in Göttinger Schwimmbädern bewegen dürfen, ist bislang unklar. Und in Hamburg? Ein Sprecher von Bäderland macht gegenüber der MOPO deutlich: „Nein, Frauen dürfen nicht ‚oben ohne‘ in die nächste Badesaison starten.“ Die bisherigen Regeln dienen dem Kinder- und Jugendschutz. Die „Mehrheit der Eltern fühlt sich angefasst“ von Frauen, die sich halbnackt im öffentlichen Raum zeigen. Zudem gebe es in Hamburg ausgewiesene FKK-Möglichkeiten – und damit kein Problem.

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