Prinz Heinrich XIII
Prinz Heinrich XIII
  • 7. Dezember: Heinrich XIII Prinz Reuß (M) wird in Handschellen zu einem Polizeifahrzeug geführt
  • Foto: Boris Roessler/dpa

„Putsch Prinz“ Heinrich XIII: So wurde er zum wirren Reichsbürger-Anführer

Er selbst sah sich, zumindest bis Mittwoch, als König eines kommenden Reiches. Sein Schwager hält ihn für einen verwirrten, alten Mann. Die Polizei führt ihn als Gefährder, die Medien nennen ihn Prinz Putsch und viele, die erst durch seine Festnahme überhaupt erst von seiner adligen Existenz erfuhren, halten ihn für einen einen durchgeknallten Verschwörungs-Irren. Aber wer ist Prinz Heinrich XIII von Reuß wirklich?

Am Mittwoch geriet der 71-Jährige mit einem Schlag in die Öffentlichkeit: Er wurde in seiner Wohnung im Frankfurter Westend verhaftet. Die Aktion war „einer der größten Polizeieinsätze gegen eine terroristische Vereinigung der vergangenen Jahre“, so Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU). Außer dem graumelierten Prinzen wurden 24 Menschen festgenommen. Sie stehen unter dem Verdacht, das demokratische System stürzen und eine neue Regierung installieren zu wollen. Reichsbürger, so radikalisiert, dass sie Ernst machen wollten. Auch eine Richterin, ein Ex-Bundeswehr- und ein KSK-Soldat waren Feuer und Flamme für die wahnwitzigen Ideen.

Prinz Heinrich verbreitete Antisemitismus und Verschwörungsmythen

Kopf der Gruppe: Prinz Heinrich, Tweedsakko-Träger mit blauem Blut. Ein Mann, durchdrungen von Verschwörungsmythen, der Antisemitismus verbreitete und die Realität in großen Teilen nicht als solche anerkannte. Bestürzend irre, aber gefährlich: „Ich glaube, dass wir einen Fehler begehen, wenn wir diese Person belächeln oder verharmlosen“, warnte der ARD-Terrorismusexperte Michael Götschenberg.

Prinz Heinrich XIII von Reuß. Der Name klingt durchaus durchlauchtig: So heißen Anführer adliger Clans, Männer mit Macht. In diesem Fall sieht’s anders aus. Seit 800 Jahren trägt im Adelsgeschlecht von Reuß jeder männliche Nachkomme den Vornamen Heinrich. Um die Heinriche nicht ständig zu verwechseln, werden sie durchnummeriert – wobei in jedem neuen Jahrhundert wieder mit I angefangen wird. Der Verschwörungs-Heinrich XIII ist Platz 17 in der Erbfolge. Und schon seit 14 Jahren ist er in der Familie unerwünscht.

Die Familie hat sich seit Jahren distanziert – und reagiert entsetzt

Familien-Chef Heinrich XIV, der in Österreich lebt, äußerte sich bestürzt über Heinrich XIII: „Er war vor 30 Jahren ein in der Zeit stehender, schwungvoller Unternehmer – und hat sich über Enttäuschungen radikalisiert.“ Jetzt sei er ein „teilweise verwirrter alter Mann“, der „verschwörungstheoretischen Irrmeinungen aufsitzt.“

Chef der Adelsfamilie Reuß: der in Österreich lebende Heinrich XIV. Screenshot Youtube
Chef der Adelsfamilie Reuß: der in Österreich lebende Heinrich XIV.

Wie ist der „schwungvolle Unternehmer“, der früher in der Immobilienbranche tätig war, zum Reichsbürger geworden? Nach der Wende wurden ihm in der DDR enteignete Ländereien in Thüringen nicht zurückgegeben. Der Prinz prozessierte sich um ein Vermögen, erfolglos. Gekränkt und verbittert soll er eine Verschwörung des Staates gegen ihn konstruiert haben, berichten Verwandte der NZZ. Verschwörungsgedanken aus Frust.

Vortrag des Prinzen verstörte das Publikum

Wie seine Gedankenwelt abrutschte, offenbarte der Prinz in einem Vortrag, den er 2019 auf dem Worldwebforum hielt. Einer Veranstaltung mit durchaus hochkarätigen Führungspersönlichkeiten. Der Prinz fabulierte in bizarr schlechtem Englisch über „Aufstieg und Fall der blaublütigen Elite“. Das Grundgesetz nannte er ein Unterdrückungsinstrument, der erste Weltkrieg sei geführt worden, um die „Verbreitung der jüdischen Bevölkerung voranzutreiben“. Die FAZ berichtet, er sei als Ersatzredner kurzfristig geladen worden, das Publikum habe teilweise mit Buhrufen reagiert und den Saal verlassen. In Reichsbürgerkreisen horchte man aber auf – und der Prinz stilisierte sich dort nach und nach zur Führungsfigur. Als zukünftiger König von Deutschland, sozusagen.

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Sein Jagdschloss Waidmannsheil in Thüringen wurde zu einer Art Zentrale der Umbruchsplanung. Und beim Putsch sollten auch die Russen behilflich sein: Heinrichs Lebensgefährtin, die Russin Vitalia B., steht unter Verdacht, ihm „bei der Kontaktaufnahme zu Vertretern der Russischen Föderation behilflich“ gewesen zu sein, so Ermittler. Aber „es gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Ansprechpartner auf sein Ansinnen positiv reagiert haben“, heißt es weiter.

Jetzt erstreckt sich das Reich von Heinrich XIII statt auf einen Staat nur auf ein paar Quadratmeter – er sitzt in Untersuchungshaft. Ob der Prinz, den eine Bekannte in der FAZ als „früher nicht nur von der Art her adlig“ beschreibt, dort zur Besinnung kommt? Hoffen kann man es ja.

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