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Nach Gewaltexzessen im Freibad, sollen verstärkte Sicherheitsmaßnahmen eingeführt werden.
  • Nach Gewaltexzessen im Freibad, sollen verstärkte Sicherheitsmaßnahmen eingeführt werden.
  • Foto: picture alliance/dpa | Carioline Bock

Nach Gewalt: Ausweispflicht und Polizei-Wache für Schwimmbäder geplant

Immer wieder kommt es in Freibädern zu Gewalt. Zuletzt auch im Columbiabad in Berlin. Die Landesregierung will dagegen nun vorgehen. Wer künftig ins Freibad will, soll sich ausweisen müssen.

Nach dem Willen der Landesregierung soll eine Ausweispflicht kommen. Zudem sind eine Videoüberwachung an den Eingängen sowie bis auf Weiteres mobile Polizeiwachen an zwei Freibädern in den bevölkerungsreichen Stadtteilen Neukölln und Kreuzberg geplant. Das kündigten die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Donnerstag an.

Berlin: Videoüberwachung und Polizei in Schwimmbädern

Künftig sollen Besucher und Besucherinnen demnach vorab personalisierte Tickets buchen oder sich am Eingang ausweisen. Spontane Besuche sollten weiter möglich sein, hieß es. Jedoch nur nach Vorlage eines Ausweisdokuments oder eines Schülerausweises bei Jugendlichen. „Wir werden darauf achten, dass jeder, der in ein Freibad kommt, im Vorfeld registriert ist“, betonte Wegner.

Ziel sei unter anderem, auffällig gewordene Täter von den Bädern fernzuhalten, hatte der CDU-Politiker zuvor im ZDF-„Morgenmagazin“ erklärt. Hausverbote müssten konsequent durchgesetzt werden.

Am vergangenen Wochenende hatten gewaltsame Auseinandersetzungen im Columbiabad in Neukölln bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Das Bad ist überregional bekannt, weil es dort öfter Randale und Probleme mit Jugendlichen gibt. Der Bezirk Neukölln gilt in Teilen nach wie vor als sozialer Brennpunktkiez, viele Menschen mit ausländischen Wurzeln leben dort. Das Bad ist wegen hohen Krankenstandes geschlossen.

Neukölln: Viele Schwimmbad-Mitarbeiter krankgeschrieben

Als weitere Maßnahme für alle Freibäder in der Bundeshauptstadt kündigten Wegner und Spranger mehr Sicherheitspersonal an. „Da wo mehr Personal benötigt wird, werden wir mehr Personal sicherstellen“, sagte Wegner. Zudem sollten die Bäder von außen sicherer gemacht werden, indem Zäune erhöht oder verstärkt würden.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erteilte Forderungen nach mehr Polizeipräsenz in Freibädern zum wiederholten Mal eine Absage. „Wir können definitiv nicht noch Hundertschaften in Freibäder stellen“, sagte Berlins GdP-Sprecher Benjamin Jendro im RBB-Inforadio mit Blick auf die Belastung der Polizei. Politiker wie CDU-Chef Friedrich Merz oder Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatten mehr Polizeipräsenz in Bädern gefordert.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte auf Nachfrage, das Ministerium nehme die Berichte über die gewalttätigen Auseinandersetzungen in Freibädern mit Sorge zur Kenntnis. „Auch in Freibädern gelten die Regeln des Rechtsstaats, und diese müssen wo nötig auch durchgesetzt werden.“ Dies könne auch eine erhöhte Präsenz der Polizei in und um die Schwimmbäder bedeuten.

Schwimmbad: Mitarbeiter sollen teilweise Angst haben

Jendro sagte, ein Ziel müsse sein, dass nicht so viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen. „Weil: Dann kommt es eben zu Auseinandersetzungen, und dann braucht es auch nicht viel.“ Weiter sagte er: „Und wenn wir natürlich noch junge, testosterongeladene Männer da haben, bei denen die Zündschnur ohnehin ein bisschen kürzer ist, die vielleicht auch einen kulturellen Hintergrund mitbringen, sprich einen Migrationshintergrund, wo das Machogehabe ohnehin sehr ausgeprägt ist, dann braucht es wirklich nicht viel, dass es dann zur Eskalation kommt.“

Auch nach Einschätzung des Präsidenten des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister (BDS), Peter Harzheim, spielt bei den Gewaltfällen eine Rolle, dass „verschiedene kulturelle Schichten vertreten sind, darunter viele junge Herren mit Migrationshintergrund“. Nicht selten hätten Auseinandersetzungen mit „Männlichkeitsbildern“ zu tun, sagte er.

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Bei manchen Schwimmmeisterinnen und Schwimmmeistern „schwingt eine Portion Angst mit“, wenn sie ihre Arbeit tun, schilderte Harzheim. Er machte aber deutlich, dass er kein generelles Sicherheitsproblem sieht. Nach seiner Meinung wäre es daher „nicht verkehrt“, wenn die Polizei in bestimmten Freibädern Präsenz zeige. „Nicht als Dauer-Unterstützung gedacht, sondern nur mal kurz vorbeischauen.“ (dpa/mp)

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