„Erzieht eure Söhne“ statt „Beschützt eure Töchter“, fordert diese Demonstrantin nach dem Tod von Sarah Everard.
  • „Erzieht eure Söhne“ statt „Beschützt eure Töchter“, fordert diese Demonstrantin nach dem Tod von Sarah Everard.
  • Foto: Imago / Zuma Wire

„Männer, ihr müsst euch ändern!“ Die große Angst der britischen Frauen

Die Statistiken sind erschütternd: Alle drei Tage wird in Großbritannien eine Frau von einem Mann umgebracht. Aktivist:innen sprechen bereits von einer „Pandemie der Gewalt” – die einfach nicht aufhört. Selbst die Royals fordern nun: Männer, ihr müsst euch ändern!

Sie wurden betäubt, vergewaltigt, getötet: In Großbritannien sind zuletzt mehrere Frauen zu Opfern abscheulicher Verbrechen geworden. Ganz aktuell wurde am Mittwoch ein Beamter der Londoner Polizei in U-Haft genommen. Der Vorwurf: Vergewaltigung. Das Verbrechen soll am Sonntagabend stattgefunden haben. Der 28-Jährige war wohl nicht im Dienst.

Gewalt gegen Frauen zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten in Großbritannien

Der Fall weckt Erinnerungen an die Ermordung der Londonerin Sarah Everard im März. Die 33-Jährige war auf dem Heimweg von einem Polizisten angehalten, verschleppt, vergewaltigt und ermordet worden. Der Mörder wurde zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit einer früheren Entlassung verurteilt. Kommenden Montag steht ein weiterer Kollege des Everard-Mörders vor Gericht, der ebenfalls eine Frau vergewaltigt haben soll.

„Das ist keine Zustimmung“, stellt diese Frau in London fest.
„Das ist keine Zustimmung“, stellt diese Frau in London auf ihrem Plakat fest.

Gewalt gegen Frauen zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten. Als die englische Fußballmannschaft im Juli das Endspiel der WM in London verlor, posteten Frauen- und Opferverbände sofort Notfall-Nummern und Adressen von Frauenhäusern, bei denen Gewaltopfer Hilfe bekommen, im Netz. „England verliert ein Fußballspiel und das erste, an das Frauen denken müssen, ist ihre Sicherheit“, schrieb eine Aktivistin auf Twitter.

Das könnte Sie auch interessieren: „Ich rannte, so schnell ich konnte“: Was Hamburgerinnen nachts auf dem Heimweg passiert

Für Aufsehen sorgt auch die Aktion „Girls Night In“: Angesichts einer Zunahme von Fällen, in denen Männer beim Ausgehen Frauen K.o.-Tropfen in Drinks mischen, boykottieren landesweit Tausende Frauen das Nachtleben. In Dutzenden Städten riefen die Organisatorinnen am Mittwoch zum Mädels-Abend zu Hause auf – im Gegensatz zur üblichen „Girls Night Out“ in Pubs und Clubs. Sie wollen mit der Kampagne das Bewusstsein erhöhen und die Clubs unter Druck setzen.

Alle drei Tage wird in Großbritannien eine Frau von einem Mann getötet

Immer wieder enden die Übergriffe tödlich: Alle drei Tage sterbe in Großbritannien eine Frau, weil ein Mann sie umbringe, sagte Herzogin Camilla (74) am Mittwochabend beim Startschuss für das Projekt Shameless. Sie forderte sofort mehr Einsatz im Kampf gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen. Es gelte, eine „Kultur des Schweigens“ zu durchbrechen, so die Frau von Thronfolger Prinz Charles.


Starten Sie bestens informiert in Ihren Tag: Der MOPO-Newswecker liefert Ihnen jeden Morgen um 7 Uhr die wichtigsten Meldungen des Tages aus Hamburg und dem Norden, vom HSV und dem FC St. Pauli direkt per Mail. Hier klicken und kostenlos abonnieren.


Wichtig sei zudem, Männer einzubinden und sie dazu zu bringen, ihre Einstellung zu ändern. „Nötig ist die ganze Gemeinschaft, Männer und Frauen, um die Lügen, Worte und Taten zu beseitigen, die eine Kultur fördern, in der sexuelle Übergriffe als normal angesehen werden“, sagte die Herzogin.

Opfer sexueller Gewalt und Angehörige litten „unvorstellbare Qualen“. Ein hoher Anteil der belästigten Frauen melde die Taten aber nicht – aus „Scham“. „Oft führt dieses Schamgefühl dazu, dass das Opfer sich selbst die Schuld gibt, fälschlicherweise die Verantwortung für das Verbrechen übernimmt und sich vor anderen verstecken will,“ so die Herzogin weiter. Aber: „Das Opfer hat nichts falsch gemacht.“

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp