Die frühere Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (hinten l., CDU) und Ursula Lehr (hinten r.), Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (Bagso), unterhalten sich am 03.07.2015 am Rande des 11. Deutschen Seniorentags in Frankfurt am Main (Hessen) mit Liesel Verleger (l-r), Stefanie Wahl und Ruth Remus. Alle drei Damen konnten schon ihren 100. Geburtstag feiern.
Die frühere Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (hinten l., CDU) und Ursula Lehr (hinten r.), Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (Bagso), unterhalten sich am 03.07.2015 am Rande des 11. Deutschen Seniorentags in Frankfurt am Main (Hessen) mit Liesel Verleger (l-r), Stefanie Wahl und Ruth Remus. Alle drei Damen konnten schon ihren 100. Geburtstag feiern.
  • Die frühere Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (hinten l., CDU) und Ursula Lehr (hinten r.), Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (Bagso), unterhalten sich am 03.07.2015 am Rande des 11. Deutschen Seniorentags in Frankfurt am Main (Hessen) mit Liesel Verleger (l-r), Stefanie Wahl und Ruth Remus. Alle drei Damen konnten schon ihren 100. Geburtstag feiern.
  • Foto: picture alliance/dpa/Arne Dedert

Immer mehr Hundertjährige in Deutschland: Was wir von ihnen lernen können

Immer mehr Menschen erreichen ein dreistelliges Lebensalter. 2020 gab es erneut einen Höchststand – trotz Corona! Experten erforschen, was Hochbetagte auszeichnet und wieso sie trotz vieler Leiden meist glücklich sind.

Noch nie gab es in Deutschland so viele Hochbetagte: 2020 waren laut Statistischem Bundesamt 20.465 Menschen 100 Jahre oder älter. Trotz Pandemie waren das 3523 Menschen mehr als 2019, wie das Amt gestern mitteilte. „Noch nie während der letzten zehn Jahre gehörten so viele Menschen zur Altersgruppe 100 plus“, so die Wiesbadener Statistiker.

Wieso ist das so? „Medizinischer Fortschritt und steigender Wohlstand führen dazu, dass die Menschen in unserer Gesellschaft immer älter werden“, so die Forscher. Aber nicht alle: 80 Prozent der Hochbetagten sind Frauen.

Was wir von Hundertjährigen lernen können

Jüngere könnten von diesen Menschen manches lernen, sagt die Psychologin Daniela Jopp, die zur Lebenssituation sehr alter Menschen forscht, „zum Beispiel, sich von schwierigen Situationen nicht unterkriegen zu lassen“. Damit das im Alter funktioniert, lohne es sich, „sein Leben frühzeitig entsprechend zu gestalten“. Jopp hat die große Heidelberger Hundertjährigen-Studie mit ge­leitet. Sehr alte Menschen – so die 2003 und 2012 veröffentlichten Kernergebnisse – haben zwar häufig körperliche Einschränkungen, die geistige Leistungsfähigkeit aber ist besser, als statistisch zu erwarten wäre.

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„Diese Menschen sind psychisch sehr stabil“, erklärt Jopp. Über 80 Prozent der Befragten waren mit ihrem Leben zufrieden. Drei Viertel sagten, das Leben mache auch mit über 100 noch Sinn. Die Forscher fanden auch heraus, dass Hochbetagte oft ex­trovertiert sind – was es ihnen erleichtert, Kontakte zu knüpfen und zu erhalten. Ein weiterer Faktor: Optimismus. „Sie sehen das Glas halb voll“, sagt Jopp. „Sie sind gesundheitlich stark belastet, aber wenn man sie fragt, wie es ihnen geht, sagen sie: ,Mir geht es gut! Alle anderen sind ja schon gestorben.‘“

Positivität kann man trainieren

Diese „positive Perspektive“ könne man trainieren, so die Psychologin. Auch wenn Persönlichkeitsmerkmale wie ein extrovertiertes Auftreten zum Teil genetisch bedingt sind, könne man Einstellungen und Verhalten doch bewusst verändern. „Die fitten Hundertjährigen waren in der Regel sehr aktiv“, sagt Jopp. „Und sie berichten oft von ihren Leidenschaften.“ Das könne soziales Engagement sein, Religion oder jedes beliebige Hobby, „wichtig ist nur, dass es dem Leben einen Sinn gibt.“

In der Corona-Krise hätten sich Hundertjährige zudem als „Meister im Coping“ (dem Bewältigen negativer Erfahrungen) erwiesen, so Jopp. Schließlich habe diese Altersgruppe schon die Spanische Grippe überlebt. Eine Studie mit 40 hundertjährigen Schweizern hat gezeigt, dass sich viele mehr um Angehörige und Pfleger sorgten als um sich selbst. Trotz Berichten über Einsamkeit und Traurigkeit waren die befragten Hochbetagten „zumeist zuversichtlich“.

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