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Strand auf Kreta
  • Traumstrand Balos auf Kreta in Griechenland.
  • Foto: imago images/NurPhoto

Hotspot des Klimawandels: Was ist schlimm daran, wenn das Mittelmeer wärmer wird?

Die Côte d’Azur, die Costa Brava, die türkische Riviera, die Amalfiküste, die Ägäis – bei jedem einzelnen Begriff kommen einem Bilder von funkelnd-blauen Buchten und sanften Wellen in den Kopf. Das Mittelmeer eben: Von außen betrachtet ein Sehnsuchtsort – für Menschen. Als Ökosystem aber in höchster Gefahr – durch Menschen. Aktuell ist das azurblaue Wasser stellenweise aufgeheizt wie eine Badewanne. Und das hat verheerenden Folgen.

Als „Hotspot des Klimawandels“ bezeichnete der Weltklimarat das Gewässer. Das Mittelmeer leidet ganz besonders stark unter der Erderwärmung. Und jedes Jahr wird es schlimmer: „In den letzten Wochen wurden an verschiedenen Standorten, vor allem im östlichen Mittelmeer, Rekordwassertemperaturen deutlich über 30 Grad gemessen“, erläutert Prof. Dr. Christian Wild, Leiter der Arbeitsgruppe Marine Ökologie an der Uni Bremen.  

Das Mittelmeer ist vor der spanischen Küste rund vier Grad wärmer als im Vergleichszeitraum von 1981 bis 2012. Vor den Küsten Algeriens und Italiens sind es teils sogar fünf Grad. Insgesamt herrschten Ende Juli an der Oberfläche durchschnittlich 28,7 Grad – so warm war das Wasser noch nie.

Die Erwärmung des Mittelmeeres hat verheerende Folgen

Aber was ist so schlimm daran, wenn es ein paar Grad tropischer wird? Vieles, die Erwärmung hat „eine ganze Reihe von gravierenden Konsequenzen“, so Forscher Wild. „Durch die hohe Verdunstung steigt der Salzgehalt. Zusätzlich können sich in wärmer werdendem Wasser immer weniger Gase wie Sauerstoff und Kohlendioxid lösen. Das kann dazu führen, dass der Sauerstoff, der sehr wichtig für die Atmung der Meerestiere ist, knapp wird.“

Die Folge: Massensterben von Tieren. Und von Pflanzen: Spanische Forscher haben das aktuell bei Schwämmen, Korallen und Seegräsern festgestellt. Das ist besonders schlimm, weil Seegras die Folgen des Klimawandels mildern könnte, es speichert nämlich fast doppelt so viel CO2 wie Wälder an Land.

Tropische Arten breiten sich im Mittelmeer aus

In dem viel wärmeren Wasser fühlen sich außerdem tropische Quallen und Fische wohl, zum Beispiel Rotfeuerfische. Die sind giftig und wohl durch den Suezkanal ins Mittelmeer gekommen. Das Problem: Sie haben keine natürlichen Feinde und verdrängen massiv heimische Arten.

Manuel Vargas vom spanischen Institut für Meereskunde erklärt in der „Tagesschau“: „Das Ökosystem des Mittelmeeres hat Tausende Jahre Zeit gehabt, sich an die klimatischen Bedingungen anzupassen.“ Jetzt wandle sich das in nur 100 oder 150 Jahren. Seine bittere Prognose: „Einige Arten werden das nicht schaffen. Wir verlieren die Artenvielfalt.“

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Übrigens ist die hohe Wassertemperatur auch an Land ein Grund zur Sorge. Dadurch verdunstet nämlich mehr Wasser, steigt in die Luft auf – und das führt zu Unwettern. „Durch diese hohen Wassertemperaturen haben wir schon Anfang August enormen Unwetter gesehen – mit Überschwemmungen in Slowenien und im Süden Österreichs. Wir müssen davon ausgehen, dass es vor allem in den Herbstmonaten weitere Unwetter in den Anrainerstaaten des Mittelmeeres geben wird“, warnt Karsten Schwanke, Meteorologe im Wetterkompetenzzentrum der ARD.

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