Corona Krankenhaus
  • Ein Corona-Patient wird stationär behandelt. (Archivfoto)
  • Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Waltraud Grubitzsch

Hospitalisierung auf Rekordhoch: Feuern Mutanten die Herbstwelle an?

Die Corona-Herbstwelle hat begonnen. Sieben-Tage-Inzidenz und Fallzahlen steigen deutlich, die Hospitalisierungsrate liegt so hoch wie nie zuvor. Aber folgt womöglich auch bald eine neue Variante des Virus, die die bisherigen Umstände auf den Kopf stellt?

Auf einen Wert von 9,58 bezifferte das Robert-Koch-Institut (RKI) die Hospitalisierungsrate am Freitag. Sprich: So viele Personen je 100.000 Einwohner:innen kamen in den vergangenen sieben Tagen mit einer Corona-Infektion in die Kliniken. So hoch lag der Wert an noch keinem anderen Tag seit Pandemiebeginn: Erst am 1. Oktober war mit 8,28 ein neuer Rekord erreicht worden; zuvor lag die Hospitalisierungsrate an Heiligabend 2020 (8,01) auf ihrem Höchststand.

RKI: Hospitalisierungsrate erreicht neuen Höchststand

Im Vergleich zum Stand vor zwei Wochen zeigt sich ein deutlicher Anstieg um 57 Prozent (23. September: 4,5). Auch die Sieben-Tage-Inzidenz legte laut RKI-Daten im vergangenen Monat bundesweit um mehr als das Doppelte zu, kletterte von 236,1 (7. September) auf 577,5. Vor einer Woche lag der Wert der Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner:innen binnen einer Woche noch bei 466,0. In Meldewoche 39 wurden dem RKI insgesamt 441.001 Fälle gemeldet – ein Anstieg um 54 Prozent im Vergleich zur Vorwoche (285.752). Und jetzt droht auch noch zusätzliche Gefahr durch neue Virusvarianten.

RKI Die Grafik zeigt den Verlauf der Hospitalisierungsrate laut RKI-Daten.
Die Grafik zeigt den Verlauf der Hospitalisierungsrate laut RKI-Daten.
Die Grafik zeigt den Verlauf der Hospitalisierungsrate laut RKI-Daten.

Sie haben kryptische Bezeichnungen aus Buchstaben und Zahlen: BA.2.75.2 zum Beispiel. Oder BQ.1.1. Dahinter verbergen sich Sublinien der Omikron-Variante des Coronavirus. Solche Erreger drohen der Herbstwelle weitere Wucht zu verleihen, wie einige Forscher warnen. Denn manche dieser Varianten weisen ein derart verändertes Erbgut auf, dass sie Antikörpern von Geimpften und Genesenen besser entgehen können als die bisher vorherrschenden Varianten. Dadurch könnten sie sich schneller verbreiten. In bisherigen Daten zu hierzulande entdeckten Virusvarianten spiegeln sich diese Befürchtungen noch kaum wieder, wie der Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstagabend zeigt.

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Die aktuellsten darin enthaltenen Daten zu nachgewiesenen Varianten beziehen sich auf vorvergangene Woche: Zu dem Zeitpunkt zeigte eine Stichprobe, dass nach wie vor die Omikron-Sublinie BA.5 das Geschehen bestimmt. Seit Wochen liegen deren Anteile bei 95 bis 97 Prozent. Bei der Sublinie BA.2.75 und Abkömmlingen davon ist laut RKI zwar seit Juni weltweit eine zunehmende Ausbreitung beobachtet worden. Noch immer liegt der Anteil in der Stichprobe für Deutschland aber bei weniger als einem Prozent.

Rückblick: Bereits seit Ende 2021 wird die Corona-Pandemie von der Omikron-Variante und deren Sublinien bestimmt. Diese war auf Delta und Alpha gefolgt. Auch wenn lange Zeit keine völlig neue, als besorgniserregend eingestufte Variante mehr aufgekommen ist: Das Virus mutiert weiter.

Aber anders als zu Beginn. Der Spezialist für Virus-Evolution Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel spricht in einem von seiner Uni veröffentlichten Interview von einer eher allmählichen Entwicklungsdynamik, die interessanter sei als die großen Sprünge, die das Virus zuvor gemacht habe.

Corona: Omikron-Variante mutiert weiter

Man habe mittlerweile eine bisher nicht gekannte Vielfalt an Varianten aus unterschiedlichen Zweigen des Omikron-Stammbaums, wurde der britische Virologe Tom Peacock kürzlich in einem „Nature“-Artikel zitiert. Auffällig: Unabhängig voneinander entwickelten viele dieser Omikron-Nachkommen die gleichen Mutationen des Spike-Proteins. Das ist die Stelle, mit der das Virus menschliche Zellen entert.

Cornelius Römer, ein Mitarbeiter Nehers, gab vor einigen Tagen auf Twitter die Einschätzung ab, dass BQ.1.1 in Europa und Nordamerika vor Ende November eine Welle verursachen werde. Er stützte sich auf die schnelle Zunahme der Sequenzen binnen kurzer Zeit. Auch für Neher ist plausibel, dass die Welle in einigen Wochen einen zusätzlichen Schub bekommt – sei es am Ende durch BQ.1.1 oder eine Mischung aus mehreren Varianten, wie er auf Anfrage mitteilte.

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Ähnlich formulierte es der Charité-Impfstoffforscher Leif Sander auf Twitter: Neben der BA.5-Herbstwelle, die sich derzeit rasch aufbaue, werde man es wohl recht sicher bald mit einer Variante zu tun bekommen, die der bestehenden Immunantwort stark ausweicht: „Der Winter kommt & er wird anscheinend echt anstrengend.“

Diese sogenannte Immunflucht bedeutet aber nicht, dass zwangsläufig auch die Krankheitsverläufe wieder schwerer werden und man quasi am Beginn einer neuen Pandemie steht. Die Immunologin Christine Falk teilte auf Anfrage mit, dass die Mutationen von BQ.1.1 zwar auf eine möglicherweise effektivere Ansteckung schließen ließen, aber nicht auf ein Unterlaufen aller Abwehrlinien. Allein auf das Spike-Protein bezogen gebe es keine Hinweise auf eine Veränderung der Krankheitslast.

Der Schutz vor schwerer Erkrankung – er dürfte laut Immunologen bei immungesunden Menschen mit den empfohlenen Impfungen in der Regel standhalten. Als problematisch sehen Fachleute vielmehr die drohenden Personalausfälle an, wenn sich sehr viele Menschen auf einmal anstecken.

WHO: Gibt Werkzeuge, um mit Mutationen umzugehen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonte, dass BQ.1.1 eine von 300 Subvarianten sei, die beobachtet würden. Egal welche Variante komme: Die WHO beschwört wie immer, dass es Werkzeuge gebe, um mit dem Virus umzugehen. Diese müssten nur angewendet werden: zum Beispiel mehr impfen, Maske wo nötig, Abstand halten, lüften. (fbo/dpa)

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