Ischgl Ski Saison
  • Am 3. Dezember wurde in Ischgl die Ski-Saison eröffnet.
  • Foto: picture alliance/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Ex-Corona-Hotspot Ischgl: Ski-Neustart mitten in der vierten Welle

Seit März 2020 standen die Skilifte in Ischgl still. Der österreichische Wintersportort geriet zu Beginn der Pandemie als Corona-Hotspot ins Rampenlicht. Am Freitag wagte Ischgl einen Neustart – diesmal ohne Aprés-Ski.

Ein paar wenige Skifahrer machen letzte Schwünge, während die Sonne hinter den Bergen versinkt. Jetzt wäre die Zeit für Après-Ski. Doch wo sich früher Menschen in Skikleidung zuprosteten und den Ski-Tag feuchtfröhlich zu Ende gehen ließen, sind die Türen verschlossen. Ischgl zeigt zum Neustart der Saison ein ungewohntes Gesicht. Da in Österreich ein Lockdown gilt, gibt es weder Bewirtung noch Übernachtung – aber Bergbahnen dürfen fahren.

Neustart in Ischgl: Wintersportler scheuen weite Anreise nicht

Zum Start am Freitag kamen rund 2500 Wintersportler. In der Hauptsaison und vor Corona waren es an schönen Tagen manchmal fast zehnmal so viele, wie Günther Zangerl, Vorstand der Silvrettaseilbahn sagt. Die Arena hatte vor Corona mit 239 Pistenkilometern stets ein internationales Publikum angelockt. Zum Neustart am Freitag scheuten auch Deutsche die weite Anreise nicht, obwohl Österreich und inzwischen auch die Schweiz als Hochrisikogebiete eingestuft sind.

Skisaison in Ischgl
Ein Mitarbeiter der Silvretta-Bahn desinfiziert an der Talstation die Kabinen.

Drei, dreieinhalb und sogar fünf Stunden waren manche dafür unterwegs. Manche hatten die Brotzeit im Rucksack – wie früher. „Es lohnt sich herzufahren“, sagt Valentin Langer aus Oberbayern. Lars Brinkmann ist aus Rott im Landkreis Landsberg gekommen, obwohl auch in Bayern teils Lifte fahren. „Der Schnee ist grandios.“ Ischgl biete doch mehr als manche deutsche Gebiete.


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21 Monate standen die Skilifte in Ischgl still. Nun zeigt sich der Ort verantwortungsbewusst, mit strengen Regeln und klarer Linie. Dass gerade Ischgl wegen seiner Après-Ski-Szene wegen Corona derart in Verruf geraten ist, frustriert viele Einheimische. Auch anderswo, etwa in Südtirol, hätten sich Skiurlauber angesteckt, und Après-Ski gebe es vielerorts, sagt Bürgermeister Werner Kurz.

Dass man Ischgl für die Ausbreitung des Virus in ganz Europa verantwortlich mache, sei nicht richtig. Rechtzeitig zum Saison-Start waren die strafrechtlichen Ermittlungen zur damaligen Corona-Ausbreitung gegen mehrere Amtsträger eingestellt worden.

Trotz Neustart: Ski-Saison in Österreich ungewiss

Die Après-Ski-Bar „Kitzloch“, Anfang 2020 wegen der Infektionen im Rampenlicht, ist für eine Öffnung vorbereitet. Nun liegen Tischdecken bereit, Gläser sind aufgestellt. Sobald es geht, will Wirt Bernhard Zangerl öffnen, wahrscheinlich für Geimpfte und Genesene. Er wehrt sich gegen den schlechten Ruf des Après-Ski.

Kitzloch in Ischgl
Bernhard Zangerl, Inhaber der Après-Ski-Bar „Kitzloch“, steht in seinem Lokal.

„Wir schämen uns nicht für das, was wir machen“, sagt Zangerl. „Ich kann aufs Oktoberfest gehen, da wird viel getrunken. Ich kann auf eine Hochzeit gehen, da wird viel getrunken.“ Die Gäste erwarteten, dass es nach dem Skifahren Unterhaltung gebe. Am Ende müsse jeder für sich selbst entscheiden. „Da liegt viel Selbstverantwortung drin.“ Die Gemeinde will allerdings keine „Partybusse“ mehr haben.

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Viele fürchten, dass Gäste in die Schweiz ausweichen, wo Hotels offen sind und an Liften oft nicht einmal 2G gilt. In Österreich ist die Saison keineswegs gewiss. „Einen erneuten Winter ohne Gäste kann und will ich mir für unsere Betriebe, aber auch für unsere Mitarbeiter nicht ausmalen“, sagt Alexander von der Thannen, Obmann des Tourismusverbandes Paznaun-Ischgl. „Es wird auf jeden Fall ein herausfordernder Winter für uns alle und wir werden unseren Beitrag leisten, dass diese Wintersaison auf jeden Fall stattfinden kann.“ (mhö/dpa)

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