Corona Test Inzidenz
  • Corona-Test (Symbolbild)
  • Foto: picture alliance / dpa/Marcus Brandt

Corona-Zahlen steigen seit Tagen: Stehen die Lockerungen ab 20. März auf dem Spiel?

Zu früh gefreut? Bis vor wenigen Tagen sah es so aus, als sei die Pandemie weitestgehend unter Kontrolle, Bund und Länder einigten sich auf Lockerungen – mit dem Ziel, tiefgreifende Maßnahmen am 20. März endgütig abzuschaffen. Aber: Den sechsten Tag in Folge ist die bundesweite Sieben–Tage-Inzidenz nun wieder gestiegen, liegt am Dienstag bei 1269,2. Zum Vergleich: Der niedrigste Stand vorige Woche war 1171,9. Die Stiftung Patientenschutz sprach sich bereits gegen umfassende Lockerungen aus.

Masken- und Homeofficepflicht, Zugangsbeschränkungen zu Veranstaltungen oder zur Gastronomie sollen eigentlich am 20. März fallen. Häufig wird in dem Zusammenhang von einem „Freedom Day“ gesprochen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnte bereits vor dieser euphorischen Bezeichnung.

Corona: Bundesweite Inzidenz steigt den sechsten Tag in Folge

Und ähnlich dämpfen auch die aktuellen Zahlen die Vorfreude auf einen unbeschwerten Corona-Frühling, denn nicht nur die Sieben-Tage-Inzidenz schoss an einigen Orten wieder in die Höhe, beim R-Wert zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab: Laut RKI liegt der aktuell bei 1,0. Eine Kennzahl um eins deutet meist auf ein stagnierendes Infektionsgeschehen hin.

Aber: Die ansteigende Tendenz gilt nicht für Gesamt-Deutschland. Während das RKI unter anderem für Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz steigende Werte ausweist, sind die Zahlen in manchen Bundesländern weiter rückläufig. Doch was sind mögliche Gründe für den punktuellen Anstieg?

Es werde sich weiter bemerkbar machen, dass der Omikron-Subtyp BA.2 noch ansteckender sei als die ursprüngliche Omikron-Variante, sagte Gesundheitsminister Lauterbach. Seit Jahresbeginn steigt der Anteil von BA.2 am Infektionsgeschehen. Die Untervariante dürfte mittlerweile hierzulande bereits vorherrschend sein. In der Woche bis 20. Februar gingen in einer Stichprobe des RKI 38 Prozent der Corona-Erkrankungen auf diesen Subtyp zurück.

Experten: Wiederanstieg der Infektionen ab Ende Februar möglich

Unter anderem basierend auf dem Ausbreitungstempo von BA.2 hatten Modellierer um Kai Nagel von der TU Berlin vor rund zwei Wochen gesagt, dass sue mit einem Wiederanstieg der Infektionszahlen ab Ende Februar rechnen. Auch ein längeres Plateau hielten Fachleute für möglich. Bisher ging die Omikron-Welle in Deutschland mehrheitlich auf das Konto der Untervariante BA.1.

In einigen Städten könnte es noch einen weiteren Grund für die Tendenz nach oben geben: Die stark gestiegenen Corona-Infektionen in Köln lassen nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums in Nordrhein-Westfalen einen Zusammenhang mit dem Karneval vermuten. Sicher belegbar sei das jedoch nicht. Nachdem seit Anfang und Mitte Februar in Nordrhein-Westfalen ein Abwärtstrend bei den Neuinfektionen zu beobachten war, seien die Fallzahlen seit Ende der vergangenen Woche wieder gestiegen.

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Außerdem: Wegen der Zeit, die zwischen Infektion, Symptombeginn, Test und Fallmeldung ans RKI vergeht, kann sich der Wegfall weiterer Corona-Maßnahmen in Deutschland vom vergangenen Freitag noch nicht unmittelbar in den Zahlen widerspiegeln. In der Gastronomie und Hotellerie etwa gilt nun wieder die 3G-Regel, nach der auch nicht geimpfte Menschen mit negativem Test zum Beispiel im Restaurant essen dürfen.

Stiftung Patientenschutz: Schutzmaßnahmen dürfen nicht beendet werden

Diese Gruppe ohne Schutz vor einem schweren Verlauf werde durch diese zunehmenden Kontakte wieder stärker ins Infektionsgeschehen einbezogen, sagte der Bioinformatiker Lars Kaderali aus dem Expertenrat der Bundesregierung kürzlich im NDR.

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Vor der großen Lockerungsoffensive am 20. warnt Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz. Es dürften jetzt nicht alle Schutzmaßnahmen beendet werden, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die Bundesregierung müsse vielmehr unverzüglich sicherstellen, „dass das Infektionsgeschehen nicht ungebremst an Fahrt aufnehmen kann“. (alp/dpa)

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