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Coronatest
  • In einer Apotheke wird ein Schnelltest durchgeführt. (Symbolbild)
  • Foto: dpa

Corona: Welche Maßnahmen waren sinnvoll? Welche nicht? Und wie geht’s weiter?

Corona-Pause im Sommer – die Pandemie einfach mal ein paar Monate lang ausblenden, Eis essen und so tun, als gäb’s das Virus nicht. Schöner Gedanke, funktioniert aber leider nicht: Die Zahlen steigen und die Debatten um die Herbst-Maßnahmen sind hitzig wie die Temperaturen. Kühle Sachlichkeit kommt immerhin von einem Expertengremium, das sich mit der Frage beschäftigt hat: Haben Lockdown, Maskenpflicht und Co. eigentlich was gebracht?

Von wegen „Sommerpause“: Höhere Inzidenzen, mehr Ausbrüche in Heimen, mehr Corona-Patienten auf Intensivstationen – die Pandemie zieht an. Das RKI sieht eine dynamisch steigende Tendenz. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist letzte Woche um 38 Prozent gestiegen.

Aber was tun, um Corona einzudämmen? Waren wir da bisher auf dem richtigen Weg? Darauf sollte die aus 18 renommierten Wissenschaftlern zusammengesetzte „Expertenkommission zur Bewertung der bisherigen Corona-Schutzmaßnahmen in Deutschland“ eine Antwort geben. Der Bericht liegt jetzt vor – und ist nicht so klar und eindeutig, wie einige gehofft haben.

„Der Bericht liefert ergänzende Hinweise, aber keinesfalls eine abschließende Bewertung“, sagt der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen. Und weil einzelne Maßnahmen eben nicht uneingeschränkt als dauerhaft wirksam beurteilt werden, forderte Wolfgang Kubicki (FDP) in der „Welt am Sonntag“ schon: „Es ist unausweichlich, dass Lauterbach den RKI-Präsidenten Wieler als Verantwortlichen dieser Misere entlässt.“

Doch was steht denn drin im Evaluationsbericht? Zum Thema Lockdown: „Wenn erst wenige Menschen infiziert sind, wirken Lockdown-Maßnahmen deutlich stärker.“ Das heißt: Wenn ein Lockdown länger dauert und weniger Menschen bereit sind, die Maßnahme mitzutragen, wird der Effekt geringer. Ähnlich sieht es bei der Kontaktnachverfolgung aus, die war auch vor allem in der Frühphase der Pandemie wirksam.

Expertengremium empfiehlt Corona-Tests

Was laut Gremium einen hohen Effekt hat: Die 2G/3G-Maßnahmen. Auch das gilt allerdings vor allem in den ersten Wochen nach der Boosterimpfung oder der Genesung. Der Schutz lasse mit der Zeit deutlich nach. Und wie sieht es aktuell aus? Auch hier: keine klaren Worte. Die Beurteilung sei schwierig, so die Experten. Wenn Zugangsbeschränkungen nötig würden, empfiehlt das Gremium Tests – und zwar unabhängig vom Impfstatus. Funktioniert das wirklich gut? Auch hier keine klare Antwort, das müsse weiter erforscht werden.

Gremium: Masken können „ein wirksames Instrument“ sein

Das Urteil zum Tragen von Masken fällt dafür erstmal eindeutig aus: Dies könne „ein wirksames Instrument“ sein. Aber dann muss sie bitte auch richtig getragen werden: „Eine schlechtsitzende und nicht enganliegende Maske hat einen verminderten bis keinen Effekt“, mahnen die Expertinnen. Da das Coronavirus drinnen eher übertragen wird als draußen, „sollte eine Maskenpflicht zukünftig auf Innenräume und Orte mit einem höheren Infektionsrisiko beschränkt bleiben“, so das Gremium. „Eine generelle Empfehlung zum Tragen von FFP2-Masken ist aus den bisherigen Daten nicht ableitbar.“

Und die Wirksamkeit von Schulschließungen? Können nicht klar beurteilt werden. Das Gremium stellt zugleich fest, dass im Gegensatz dazu aber die „nicht-intendierten Wirkungen“ untersucht wurden. Ergebnis: Die psychischen Nebenwirkungen auf Schulkinder waren „immens“. Es wird eine weitere Expertenkommission empfohlen, die das „unter besonderer Berücksichtigung des Kindeswohls“ genau prüft.

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Klare Empfehlungen gibt es vom RKI: Das empfiehlt angesichts der Entwicklung, die Regeln zum Vermeiden von Ansteckungen einzuhalten: Abstand halten, Hygieneregeln beachten, Maske tragen, Lüften und Corona-Warn-App nutzen. Das Institut empfiehlt außerdem „dringend“, bei Schnupfen, Halsschmerzen oder Husten Kontakte zu meiden und den Hausarzt zu kontaktieren – unabhängig vom Impfstatus und auch bei negativem Schnelltest. (miri/dpa)

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