Kraftstofftankwagen stehen vor der Einfahrt der Petroineos-Raffinerie in Grangemouth auf einer Straße. Die britische Regierung ist unter enormen Druck, den Lkw-Fahrermangel zu beheben.
  • Kraftstofftankwagen stehen vor der Einfahrt der Petroineos-Raffinerie in Grangemouth auf einer Straße. Die britische Regierung ist unter enormen Druck, den Lkw-Fahrermangel zu beheben.
  • Foto: dpa/PA Wire | Andrew Milligan

Brexit-Chaos: Britische Regierung will jetzt, dass Deutsche Lastwagen fahren

Sollen es jetzt die Deutschen richten? Etliche in Großbritannien lebende Deutsche mit einem älteren Führerschein sollen aufgrund des akuten Lastwagenfahrermangels Post von der britischen Regierung bekommen haben, berichtet die britische Zeitung „Independent“. Tausende Deutsche im Land, die vor 1999 ihren Führerschein gemacht hätten, seien angeschrieben worden, da sie kleinere Lastwagen fahren dürften – egal, ob sie Erfahrung haben oder nicht.

In dem Brief des Verkehrsministeriums, der der Zeitung vorliegt, wird den Angeschriebenen nahegelegt, eine „Rückkehr“ in die Fernfahrerbranche in Betracht zu ziehen – auch wenn viele der Adressaten noch nie am Steuer eines Lasters gesessen hätten. „Es gibt großartige Möglichkeiten für Lastwagenfahrer in der Logistikbranche und die Arbeitsbedingungen haben sich im gesamten Sektor verbessert“, heißt es in dem Schreiben. „Ihre Fähigkeiten und Erfahrungen sind noch nie mehr gebraucht worden als jetzt.“

Britisches Ministerium schreibt Deutsche mit altem Führerschein an

Aus dem britischen Verkehrsministerium hieß es, der Brief sei an fast eine Million Menschen mit Lkw-Führerscheinen gesendet worden. Aus Datenschutzgründen sei es unmöglich gewesen, die Liste der Empfänger genauer nach Berufen zu filtern. Autofahrer mit deutschen Führerscheinen, die vor 1999 ausgestellt wurden, dürfen unter bestimmten Bedingungen kleine Lastwagen mit einem maximalen Gewicht von 7500 Kilogramm fahren.


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„Es ist schön zu wissen, dass es noch immer Job-Perspektiven hier für uns nach dem Brexit gibt“, sagte ein 41-jähriger Deutscher, der mit seiner Frau in London lebt, dem „Independent“. „Wären wir nach Deutschland gegangen, wären wir wohl niemals als Lastwagenfahrer von Headhuntern angeworben worden.“ Vorerst wolle er seinen Job bei einer Investmentbank jedoch behalten, und seine Frau habe auch noch nie ein größeres Auto als einen Volvo gefahren und werde die „aufregende Möglichkeit“ wohl auch ausschlagen.

Treibstoffkrise in Großbritannien: Ab Montag Soldaten im Einsatz

Der akute Fahrermangel hat auf der Insel derzeit drastische Konsequenzen: Vor den noch offenen Tankstellen bilden sich lange Schlangen, da Tanklaster viele nicht rechtzeitig beliefern können. Auch Supermarktregale blieben bereits teilweise leer. Während der Pandemie haben viele Fahrer aus Osteuropa das Land verlassen. Strenge Einreiseregeln nach dem Brexit sorgen dafür, dass viele nicht zurückkehren. Mit Kurzzeitvisa für einige Tausend Fahrer bis Weihnachten hofft die Regierung nun, Abhilfe zu schaffen.

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Deshalb sollen nun ab Montag fast 200 Mitglieder der Streitkräfte, darunter 100 Lastwagenfahrer „temporäre“ Unterstützung leisten, wie der Regierungssitz Downing Street am Samstag mitteilte. Gleichzeitig erweiterte die Regierung ihre Angebote für ausländische Lkw-Fahrer. So sollen bis zu 300 Fahrer aus dem Ausland sofortige Arbeitsvisa erhalten, die bis März gültig sein sollen. Bislang hatte die Regierung versucht, Bewerber aus dem Ausland mit temporären Visa bis Weihnachten auf die Insel zu locken. (dpa/ncd)

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