Bundeskanzler Olaf Scholz guckt in die Kamera
Bundeskanzler Olaf Scholz guckt in die Kamera
  • Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ist bei Weitem nicht der Spitzenverdiener des Bundes.
  • Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Aus berühmter Scholz-Rede: Das ist das Wort des Jahres 2022

Vorweg: Es ist nicht „Doppel-Wumms“, obwohl das Wort zu den mehr als 2000 Einsendungen gehörte, die die Gesellschaft für deutsche Sprache dieses Jahr erhielt. Das „9-Euro-Ticket“ schaffte es nur auf Platz acht. Die Jury entschied sich am Ende für ein anderes Wort.

Der Begriff „Zeitenwende“ ist das „Wort des Jahres“ 2022. Das gab die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache am Freitag in Wiesbaden bekannt. „Zeitenwende“ steht im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und wurde unter anderem von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) aufgegriffen und geprägt. „Der russische Überfall auf die Ukraine markiert eine Zeitenwende. Er bedroht unsere gesamte Nachkriegsordnung“, hatte Scholz Ende Februar gesagt, als er Waffenlieferungen an die Ukraine begründete.

Begriffe, die das Jahr politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich zusammenfassen

Die Gesellschaft für deutsche Sprache wählt für ihre Aktion regelmäßig Begriffe aus, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Deutschland nach Ansicht der Jury in einem Jahr sprachlich besonders bestimmt haben. 2021 war „Wellenbrecher“ das „Wort des Jahres“ gewesen. Das aus dem Küstenschutz und Schiffbau bekannte Wort wurde als Sammelbegriff für alle Schutzmaßnahmen benutzt, um die vierte Corona-Welle zu brechen.

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In diesem Jahr gingen mehr als 2000 Einsendungen ein. Beim Begriff „Zeitenwende“ sei sich die Jury schnell einig gewesen, dass dieser das „Wort des Jahres“ sei, sagte der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski.

Angst vor Atomkrieg in Europa

Der Jury zufolge steht das keineswegs neue Wort „speziell für den Beginn der christlichen Zeitrechnung, in allgemeinerer Bedeutung auch für jeden beliebigen Übergang in eine neue Ära“. Bei vielen Menschen habe durch den Krieg und seine Folgen auch eine „emotionale Wende“ stattgefunden. „Angst und Sorge vor einem Atomkrieg in Europa, gar vor einem dritten Weltkrieg waren vielfach zu spüren.“

Weitere Krisenbegriffe sind in den Top Ten vertreten: So landete „Krieg um Frieden“ auf Platz zwei vor der „Gaspreisbremse“. Auch der „Doppel-Wumms“, mit dem die Ampelkoalition neben der Gaspreisbremse auch eine Strompreisbremse ankündigte, um die explodierenden Energiekosten zu dämpfen, schaffte es in die engere Auswahl (Platz sechs). Das „9-Euro-Ticket“ liegt auf Platz acht.

„Aufmüpfig“ war das erste „Wort des Jahres“ überhaupt

Für einen Platz auf der Liste der „Wörter des Jahres“ ist nach Angaben der Gesellschaft für deutsche Sprache nicht die Häufigkeit entscheidend, sondern die Bedeutsamkeit und die Popularität. Die ausgewählten Wörter und Wendungen seien mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden, erläuterten die Sprachwissenschaftler. Erstmals war das „Wort des Jahres“ 1971 gekürt worden („aufmüpfig“), seit 1977 wird es jedes Jahr gewählt.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache ist eine politisch unabhängige Vereinigung zur Pflege und Erforschung der deutschen Sprache mit Sitz in Wiesbaden und wird von Bundesregierung und Kultusministerkonferenz gefördert. Der 1947 gegründete gemeinnützige Verein bietet unter anderem auch Sprachberatung bei Fragen rund um Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung an. (dpa/mp)

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